Was ist Kinder- und Jugendrheumatologie?

Die Kinder- und Jugendrheumatologie ist ein Spezialgebiet innerhalb der Kinder- und Jugendmedizin, das sich mit Erkrankungen des Bewegungsapparates, mit entzündlichen Erkrankungen und Autoimmunerkrankungen befasst. Hierbei können neben Knochen, Muskeln, Gelenken und der Haut auch innere Organe betroffen sein. Zudem können Durchblutungs-störungen vorliegen.

Was ist ein Kinder- und Jugendrheumatologe?

Kinder- und Jugendrheumatologen sind Kinder- und Jugend-ärztinnen und -ärzte, die sich in diesem Fachgebiet spezialisiert haben. Sie haben zunächst ein Medizinstudium absolviert, das zumindest 6 Jahre andauert, und anschließend eine Facharztausbildung zum Arzt für Kinder- und Jugendmedizin über zumindest 5 Jahre abgeschlossen. Im Anschluss hieran müssen sie in einem Spezialbereich zumindest 18 Monate nach der Facharztanerkennung spezielle Kenntnisse in der Kinder- und Jugendrheumatologie erworben haben. Fast alle Kinder- und Jugendrheumatologen sind Mitglied der in der Bundesrepublik Deutschland und Österreich sowie in der Schweiz tätigen „Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie“. Diese bietet eine Homepage für weitere Informationen an (http://www.agkjr.de).
Die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendrheumatologie pflegt eine enge Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und anderen professionellen Institutionen mit dem Ziel des besseren Verständnisses und der besseren Behandlung rheumatischer Erkrankungen. Diese Organisationen bilden ein „Rheuma-Haus“, das sich im Internet unter http://www.rheumanet.org präsentiert.
Betroffenenvereinigungen, insbesondere die Rheumaliga unter http://www.rheuma-liga-nrw.de, zahlreiche lokale Elternvereinigungen (Kontakte über die Rheumaliga) und die Kinderrheumastiftung (http://www.kinder-rheumastiftung.de) stehen Patienten wie auch den jeweils behandelnden Therapieteams bei Bedarf hilfreich zur Seite.

Welche Erkrankungen werden von einem Kinder- und Jugendrheumatologen behandelt?

1. Entzündliche und nicht entzündliche Erkrankungen des Bewegungsapparates (z. T. Überschneidung mit Kinderorthopädie)

  • Entzündungen des Knochens
  • Entzündungen der Bandscheiben
  • Gelenkentzündungen
  • juvenile idiopathische Arthritis
  • Psoriasisarthritis
  • Spondylarthropathien, insbesondere juvenile ankylosierende Spondylitis
  • Arthritis bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
  • Arthritis im Zusammenhang mit Infektionen, z. B. Lyme-Arthritis
  • Rheumatisches Fieber
  • Poststreptokokken-Arthritis
  • Infekt-assoziierte Gelenkentzündungen
  • SAPHO-Syndrom
  • Metabolische Gelenkentzündungen
  • Nicht entzündliche Gelenk- und Knochenerkrankungen
  • aseptische Knochennekrosen
  • Osteogensis imperfecta
  • Marfan-Syndrom
  • Osteochondrodysplasie

2. Systemische Autoimmunerkrankungen

  • Systemischer Lupus Erythematodes
  • Juvenile Dermatomyositis und Polymyositis
  • Mischkollagenosen
  • Sklerodermie
  • Systemische Sklerose
  • Lokalisierte Sklerodermie
  • Sjögren-Syndrom

3. Vaskulitis-Syndrome

  • Purpura Schönlein Henoch
  • Morbus Kawasaki
  • Morbus Wegener
  • Panarteriitis nodosa
  • Takayasu-Arteriitis
  • Morbus Behcet
  • George-Strauss-Syndrom
  • Kryoglobulinämie
  • Serumkrankheit

4. Genetische Fiebersyndrome

  • familiäres Mittelmeerfieber
  • Hyper-IgD-Syndrom
  • Mucle-Wells-Syndrom
  • CINCA/NOMID
  • familiäre Kälteurtikaria
  • PFAPA Syndrom
  • PAPA Syndrom

5. Schmerzsyndrome

  • Hypermobiliätssyndrom
  • Wachstumsschmerzen
  • Fibromyalgie
  • lokalisierte Schmerzsyndrome

Wo arbeiten Kinder- und Jugendrheumatologen?

Die meisten Kinder- und Jugendrheumatologen sind an einer Kinderklinik oder an einer Kinderabteilung eines größeren Krankenhauses tätig. Nahezu alle Universitätskliniken für Kinder- und Jugendmedizin und andere große Kinderkliniken bieten zumindest eine ambulante Sprechstunde an. In einigen größeren Städten gibt es auch niedergelassene Kinder- und Jugendrheumatologen. Zur stationären Behandlung stehen zudem einige Fachabteilungen in  Rheumakliniken zur Verfügung.

Wie finde ich einen Kinder- und Jugendrheumatologen?

Kontakt zu einem Kinder- und Jugendrheumatologen bekommen Sie über die Homepage (http://www.agkjr.de) oder http://www.rheumanet.org.

Kinder- und Jugendrheumatologie – beste Behandlung für Ihr rheumakrankes Kind

Rheuma im Kindesalter verläuft nicht wie Rheuma bei Erwachsenen. Es kommen sogar spezielle Erkrankungen vor, die es im Erwachsenenalter überhaupt nicht gibt. Auch ist die Komplikationsrate, z. B. eine chronische Augenentzündung, die zur Erblindung führen kann, bei Kindern deutlich höher. Für die Behandlung sind Spezialisten, ausgebildete Kinder- und Jugendrheumatologen, notwendig. Diese werden mit einem Team aus Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Kinderpsychologen, Augenärzten und Orthopäden und bei Bedarf auch noch weiteren  Spezialisten eine genau der Erkrankung des Kindes entsprechende Beratung und Behandlung durchführen.

Falls ein Krankenhausaufenthalt notwendig ist, sollten Kinder und Jugendliche unbedingt in einer speziellen Klinik oder Abteilung für Kinder und Jugendliche betreut werden, in der Spezialkenntnisse zu entzündlich-rheumatischen Erkrankungen vorliegen. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen und insbesondere Adoleszenten (Jugendliche) sind nicht auf Erwachsenenstationen zu betreuen. Eine Liste der deutschen Kinderkliniken finden Sie hier.