Kindergastroenterologie: Spiegelung von Magen oder Darm

Bei einer Magenspiegelung  (Gastroskopie) betrachtet der untersuchende Kindergastroenterologe die oberen Abschnitte des Verdauungstraktes von innen. Neben dem Magen wird immer auch die Speiseröhre und der Zwölffingerdarm untersucht, weshalb die Untersuchung korrekt Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD) heißt. In speziellen Fällen kann durch Einspritzen von Kontrastmittel in die Mündung des Gallengangs im Zwölffingerdarm das Gangsystem der Gallenwege und der Bauchspeicheldrüse dargestellt werden. Diese Untersuchung heißt ERCP (endoskopisch retrograde Cholangio-Pankreatographie).

Bei der Dickdarmspiegelung (Koloskopie) werden der Dickdarm sowie der letzte Abschnitt des Dünndarms (terminales Ileum) von innen betrachtet. Damit der Arzt das Darminnere richtig sehen kann, muss der Darm zuvor durch die Gabe von Abführmitteln und durch Trinken von Spüllösungen von Speise- und Stuhlresten gereinigt werden. Sowohl für die Magen-, als auch für die Darmspiegelung verwendet der Kinder-Gastroenterologe biegsame Schlauchinstrumente, die sogenannten Endoskope. Diese sind je nach Alter des Patienten und Art der Untersuchung zwischen 5 mm bis 13 mm dick. Im Endoskop befindet sich ein optisches System, welches Licht von außen ins Innere des Kindes bringt. Eine spezielle Minikamera an der Spitze des Endoskops filmt die Magen- bzw. Darmschleimhaut. Die Bilder werden nach außen geleitet und können auf einem Bildschirm vom untersuchenden Arzt betrachtet werden. Im Endoskop befinden sich auch Kanäle, durch die z.B. winzige Zangen geschoben werden, um Gewebsproben zu entnehmen. Diese werden anschließend vom Pathologen feingeweblich unter dem Mikroskop untersucht.

Auch kleine operative Eingriffe sind mit dem Endoskop möglich. Mit Hilfe spezieller Schlingen können z. B. Polypen oder durch spezielle Zängchen Fremdkörper entfernt werden. Die Kinder-Gastroenterologen achten sehr darauf, dass diese  Untersuchungen bei Kindern und Jugendlichen unter Vollnarkose oder nach Gabe einer Beruhigungsspritze durchgeführt werden.

Atemtests (Exhalationstests)

Die in der Gastroenterologie verwendeten Atemtests machen sich zunutze, dass im Magen-Darm-Trakt vorhandene Bakterien Substanzen spalten. Die dabei entstehenden Produkte gelangen über den Blutkreislauf in die Lunge, wo sie ausgeatmet und in der Abatemluft (Exhalat) gemessen werden können. Die Atemtests sind wenig belastend. Allerdings ist eine aktive Mitarbeit der Kinder erforderlich, da eine Art Luftballon aufgeblasen werden muss. Dies gelingt i.d.R. erst Kindern ab dem 3.-4. Lebensjahr. Da die Tests vom Vorhandensein der Bakterien abhängig sind, sollten sie frühestens 4 Wochen nach einer Antibiotikatherapie oder einer Untersuchung mit Darmspülung durchgeführt werden. Die Kinder dürfen am Morgen der Untersuchung nicht Zähneputzen (allenfalls den Mund ausspülen) und müssen nüchtern sein.

Mit Hilfe des 13C-Harnstofftests kann eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori nachgewiesen werden, welches zu einer, Magenschleimhautentzündung und Magengeschwüren führen kann. Dabei trinkt das Kind Saft, in dem nicht radioaktiv markierter Harnstoff, der nach nichts schmeckt und völlig harmlos ist, gelöst ist. Falls eine Infektion mit Helicobacter pylori vorliegt, wird der Harnstoff durch ein vom Bakterium gebildetes Enzym (Urease) gespalten. Dabei entsteht 13C-markiertes Kohlendioxid (CO2), das in der Abatemluft nachgewiesen werden kann.

Mit Hilfe der H2-Atemtests können Störungen der Verdauung bestimmter Kohlenhydrate (Zucker) sowie eine bakterielle Fehlbesiedelung des Dünndarms nachgewiesen werden. Kinder mit Störungen dieser Art können unter Durchfällen, Blähungen, Übelkeit oder Bauchschmerzen leiden. Normalerweise werden die verschiedenen in der Nahrung vorhandenen Zucker im Dünndarm gespalten und vollständig aufgenommen (resorbiert). Sind bestimmte Enzyme oder Transporter nicht in ausreichender Menge im Dünndarm vorhanden, gelangen unverdaute Zucker in den Dickdarm, wo sie durch Darm-Bakterien gespalten werden. Hierbei entsteht Wasserstoff (H2), der über das Blut in die Abatemluft gelangt und hier nachgewiesen werden kann. Mit Hilfe der H2-Atemtests kann eine Milchzucker- (Lactose), Rohrzucker- (Saccharose) oder Fruchtzucker- (Fructose) Unverträglichkeit nachgewiesen werden.

24 Stunden pH-Metrie

Die 24 Stunden pH-Metrie erfasst das Zurückfließen (Reflux) von säurehaltigen Mageninhalt in die Speiseröhre und dient damit dem Nachweis des sogenannten gastroösophagealen Refluxes. Hierzu wird ein sehr dünner Plastikkatheter mit einem Durchmesser von ca. 1,5 mm durch die Nase in die Speiseröhre gelegt. Das Legen des Katheters kann kurzzeitig einen Würgereiz hervorrufen. Die korrekte Lage des Katheters muss anschließend überprüft werden, i.d.R. erfolgt dies durch eine kurze Durchleuchtung des Brustkorbs (Thorax). Der Katheter ist mit einem tragbaren Aufnahmegerät verbunden, der über 24 Stunden die Messdaten aufnimmt. Während der Messzeit sind die Kinder mobil und können problemlos essen und trinken, herumlaufen und spielen. Nach Ende der Messzeit werden die gespeicherten Daten mit Hilfe eines Computers ausgewertet. Eine neuere Methode zum Nachweis eines Refluxes ist die Impedanzmessung. Diese wird in Kombination mit der pH-Metrie durchgeführt und hat den Vorteil, dass auch nicht-saure Refluxe nachgewiesen werden können. Die Impedanzmessung steht aber bislang nur wenigen Zentren für Kindergastroenterologie zur Verfügung.

Leberbiopsie

Zur Diagnose und Verlaufskontrolle bestimmter Lebererkrankungen kann eine Leberbiopsie erforderlich sein. Hierbei wird mittels einer besonderen, sehr dünnen Hohlnadel eine kleine Gewebsprobe (Biopsie) aus der Leber entnommen und anschließend feingeweblich unter dem Mikroskop von einem Pathologen untersucht. Früher wurde die Leber blind punktiert. Heute ist eine gleichzeitige oder vorherige Ultraschalluntersuchung Standard. Je nach Alter des Kindes wird die Punktion unter örtlicher Betäubung und Sedierung oder in Narkose durchgeführt. Unter bestimmten Umständen wird die Leberprobe im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) oder während einer offenen Bauchoperation gezielt unter Sicht entnommen.

Zu den Beschwerden und Krankheiten, bei denen diese Untersuchungen angewandt werden, zu den damit verbundenen organisatorischen Abläufen und zu weiteren Untersuchungsmethoden der Kinder-Gastroenterologen (u.a. Rektumsaugbiopsie und Sonographie) wenden Sie sich bitte an Ihren Kinder-Gastroenterologen (http://www.gpge.de/ unter „Informationen für Eltern“). Weiterlesen können Sie auch hier im Spezialistenportrait "Kinder-Gastroenterologie" auf der DGKJ-Elternseite.