Ultraschalluntersuchung von Niere und Harntrakt bei angeborenen Fehlbildungen

Die Nieren filtern laufend das Blut und entfernen damit Giftstoffe und Flüssigkeit, die als Urin über den Harntrakt ausgeschieden werden. Der Urin sammelt sich zunächst im Nierenbecken, wird von dort über den Harnleiter in die Harnblase befördert und von dieser durch Zusammenziehen über die Harnröhre beim „Wasserlassen“ nach außen entleert. An manchen Stellen sind diese Harnwege bisweilen eng, so z. B. am Abgang des Harnleiters vom Nierenbecken, an seiner Mündungsstelle in die Blase und bei Knaben auch im Bereich der Harnröhre. Es handelt sich um angeborene Fehlbildungen des Harntraktes, die wegen gleicher Entstehungsgeschichte auch immer mehr oder weniger mit einer Entwicklungsstörung der Nieren verbunden sind. Diese angeborenen Fehlbildungen von Niere und Harntrakt, die sich aus dem englischen (congenital anomalies of kidney and urinary tract) als CAKUT abkürzen, stellen eine der häufigsten angeborenen Organanomalien überhaupt dar und sind in etwa bei jedem 100. Kind zu erwarten, wobei Knaben deutlich häufiger betroffen sind als Mädchen. Man weiß heute, dass CAKUT meist eine genetische Ursache hat und somit auf einer Fehlsteuerung der Erbanlagen beruht. Diese ist aber so vielschichtig, dass kein klares Erbmuster erkennbar wird, wohl aber familiäre Häufung und Geschwisterbefall zu beobachten sind.

Feststellung

Die Entdeckung von ausgeprägter CAKUT erfolgt zwar meist schon im Mutterleib, kann aber auch erst nach der Geburt stattfinden. Immer wird sie mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung von Niere und Harntrakt festgestellt und zwar meist an einer Erweiterung der Harnwege vor der Enge. Wichtig ist, dass diese Ultraschalluntersuchung von einem in der Methode erfahrenen Arzt durchgeführt wird. Evtl. ist die Untersuchung nach Tagen oder Wochen zu wiederholen, um eine Entwicklung des Befundes zu sehen. Früher wurde jede Erweiterung als Stau betrachtet, der operativ beseitigt werden musste. Diese Einstellung kann heute auf Grund jahrzehntelanger Erfahrung als überholt angesehen werden. Gerade bei einseitiger CAKUT kann heute in Ruhe meist ohne irgendeine Maßnahme der natürliche Verlauf verfolgt werden. Nur bei schwerer Erweiterung, doppelseitigem Befall und Einschränkung der Nierenleistung ist eine weiterführende Diagnostik notwendig, diese unter Umständen dann aber schnell, um das Kind vor auftretenden Schäden zu bewahren. An weiterführenden Untersuchungen kommen in Frage ein Miktionscytourethrogramm (MCU), das ist eine Röntgenuntersuchung der Blase nach deren Auffüllung mit Kontrastmittel und eine Isotopennephrographie (ING), das ist eine Untersuchung nach Injektion einer radioaktiven Substanz ins Blut, wodurch die Nierenleistung und der Urinabfluß seitengetrennt gemessen werden.

Optionen nach Ultraschall

Wird eine Anomalie diagnostiziert, besprechen Sie den Befund ausführlich mit dem Kinder- und Jugendarzt, der die Vorsorgeuntersuchung (U2) gemacht hat. Er kennt die aktuellen Richtlinien und weiß, ob und wann eine weitergehende Diagnostik erforderlich ist. Ist diese erforderlich, suchen Sie den Rat eines Kindernephrologen. Sie finden ihn entweder über ihren Kinder- und Jugendarzt oder unter www.gp-nephrologie.de . Der Arzt plant mit Ihnen auf Grund seiner Ausbildung und Erfahrung den weiteren Weg für ihr Kind, behütet es vor voreiligen und unnötigen Maßnahmen und wird, falls noch nicht erfolgt, eine Geschwisteruntersuchung in die Wege leiten. Im Falle einer OP-Notwendigkeit bespricht er sich mit einem Kinderurologen /-chirurgen, um Ihrem Kind eine risikogerechte Behandlung zugute kommen zu lassen. In jedem Fall ist vor einer OP immer ein Kindernephrologe zu konsultieren.

Grundlegende Informationen zur Kindernephrologie erhalten Sie unter www.gp-nephrologie.de und hier auf der DGKJ-Homepage im Spezialistenportrait "Kindernephrologie".