Lebensspuren – Todesspur: Ein Buch über den jüdischen Kinderarzt Dr. Karl Leven

Als der Kinderarzt Dr. Karl Leven 1931 seine Praxis in Düren eröffnete, ahnte er noch nichts von dem Leid, das ihm wenige Jahre später widerfahren sollte. Der Entzug der Kassenzulassung 1934, das Berufsverbot 1938 und die Zerstörung der Praxiseinrichtung in der Pogromnacht machten seine Existenzgrundlage zunichte. Es folgten die Zwangsinternie­rung und 1942 schließlich die Deportation von Karl Leven und seiner Familie. Keiner von ihnen überlebte. Auch die Erinnerung an den jüdischen Kinderarzt verblasste – bis sein Kollege Dr. Lorenz Peter Johannsen, ehemaliger Chefarzt der Kinderklinik des Kranken­hauses Düren, von Levens Lebensgeschichte hört. Zehn Jahre lang studierte er historische Quellen, sammelte Daten und Fakten und suchte das Gespräch mit Zeitzeugen. Seine oft mühsamen Recherchen führten ihn nach England, Israel und Polen.

 

Morgen nun wird Johannsens Buch „Kinderarzt Karl Leven. Lebensspuren – Todesspur“ im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln (Appellhofplatz 23-25, 11.00 Uhr) vorgestellt. Der Autor hat nicht nur Levens spannende und zugleich erschütternde Biographie nachgezeichnet, sondern zeigt auf, welche Rolle jüdische Ärzte im deutschen Gesundheitswesen spielten. Dabei steht die Bedeutung jüdischer Pädiater für die deutsche Kinderheilkunde im Mittelpunkt. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ) fördert seit vielen Jahren eine Dokumentation der Schicksale der jüdischen Kinderärztinnen und –ärzte im NS-Regime; sie hat sich auch an der Realisie­rung dieses Buches beteiligt. Das Buch ist im Verlag Hentrich & Hentrich (ISBN 3-938485-05-1) erschienen.