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Pressemeldungen

Ernährungskommission warnt vor der Verwendung unzureichend geprüfter Muttermilch von Spenderinnen

01.02.2014

Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin: Bührer C, Genzel-Boroviczény O, Jochum F, Kauth T, Kersting M, Koletzko B, Mihatsch WA, Przyrembel H, Reinehr T, Zimmer P

In Deutschland wird derzeit der kommerzielle Vertrieb von menschlicher Muttermilch über das Internet etabliert und propagiert. Die Ernährungskommission der DGKJ warnt vor den Gefahren der Verwendung unzureichend geprüfter Spendermilch, da verbindlich geregelte, qualitätsgesicherte Kontrollen dieser Milch nicht vorgenommen werden und erhöhte Risiken durch für die Verkäuferinnen bestehenden finanziellen Anreize bestehen.

Die beste Wahl für die Ernährung eines gesunden Säuglings ist zweifellos das Stillen (1). Stillen bietet vielfältige Vorteile, wie z. B. eine bedarfsgerechte Nährstoffzufuhr, eine Verminderung des Risikos für das Auftreten von Infektionen beim gestillten Säugling (2-5) und positive langfristige Wirkungen wie z.B. eine Risikoreduktion für Übergewicht und Adipositas und eine bessere kognitive Entwicklung (2,3,5-8).

Die Verwendung nicht umfassend kontrollierter menschlicher Muttermilch zur Ernährung anderer Säuglinge ist für diese jedoch mit hohen Risiken verbunden. So können über Muttermilch nicht nur viele Infektionen wie z. B. HIV/Aids oder Hepatitis von einer Spenderin auf den mit Spendermilch ernährten Säugling übertragen werden (9,10), sondern auch Schadstoffe sowie Wirkstoffe aus Medikamenten, die von der Spenderin eingenommen wurden (11). Je nach Wirkstoff und Dosierung können dadurch eingreifende Schäden beim Säugling verursacht werden wie z.B. Atempausen, oder lebenslang weiterbestehende Organschäden. Auch ist die Zusammensetzung der Muttermilch vom Ernährungsstatus der Spenderin abhängig (12), so dass hier durch unkontrolliert gespendete Milch weitere, schwer kontrollierbare Risiken einer unausgewogenen Nähstoffversorgung für den empfangenden Säugling bestehen. Darüber hinaus ist kann der finanzielle Anreiz für die Verkäuferin zu einem erhöhten Risiko der Kontamination mit Alkohol, Tabakbestandteilen oder auch illegalen Drogen mit potentiell bedrohlichen  Auswirkungen führen, so wie es für bezahlte Blutspenden aufgetreten ist (13).

Die Ernährungskommission der DGKJ rät aufgrund dieser großen Risiken, die eindeutig gegenüber möglichen Vorteilen überwiegen, dringend von der Verwendung von unzureichend geprüfter, humaner Spendermilch ab. Ausdrücklich ausgenommen von dieser Warnung sind die an wenigen Kinderkliniken in Deutschland etablierten Frauenmilchsammelstellen, welche durch umfassende Kontrollen die notwendigen Sicherheitsaspekte berücksichtigen und so sichere humane Spendermilch besonders für Risikoneugeborene zur Verfügung stellen können, ohne dass für die Empfänger zusätzliche Kosten entstehen. Die Adressen der an Kinderkliniken eingerichteten Frauenmilchsammelstellen sind im Internet zu finden (http://www.europeanmilkbanking.com/germany.html).

Interessenkonflikte: Es liegen keine Interessenkonflikte der Autoren im Zusammenhang mit den Inhalten dieser Arbeit vor

 

Literatur:

1. Koletzko B, Brönstrup A, Cremer M, Flothkötter M, Hellmers C, Kersting M, et al. Säuglingsernährung und Ernährung der stillenden Mutter. Handlungsempfehlungen – Ein Konsensuspapier im Auftrag des bundesweiten Netzwerk Junge Familie. Monatsschr Kinderheilkd. 2010;158:679–89.

2. Dutch-State-Institute-for-Nutrition-and-Health., Van Rossum CMT, Büchner FL, Hoekstra J. RIVM Report 350040001/2005; Quantification of health effects of breastfeeding. Review of the literature and model situation.

3. Agency-for-Healthcare-Research-and-Quality. Breastfeeding and maternal and infant health outcomes in developed countries. AHRQ Publication N° 07-E007; 2007. p. 524.

4. Rebhan B, Kohlhuber M, Schwegler U, Fromme H, Abou-Dakn M, Koletzko BV. Breastfeeding duration and exclusivity associated with infants' health and growth: data from a prospective cohort study in Bavaria, Germany. Acta Paediatr. 2009 Jun;98(6):974-80.

5. Agostoni C, Braegger C, Decsi T, Kolacek S, Koletzko B, Michaelsen KF, et al. Breast-feeding: A commentary by the ESPGHAN Committee on Nutrition. J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2009 Jul;49(1):112-25.

6. Koletzko B, von Kries R, Closa R, Escribano J, Scaglioni S, Giovannini M, et al. Can infant feeding choices modulate later obesity risk? Am J Clin Nutr. 2009 May;89(5):1502S-8S.

7. Michaelsen KF, Lauritzen L, Mortensen EL. Effects of breast-feeding on cognitive function. Adv Exp Med Biol. 2009;639:199-215.

8. Steer CD, Davey Smith G, Emmett PM, Hibbeln JR, Golding J. FADS2 polymorphisms modify the effect of breastfeeding on child IQ. PLoS One. 2010;5(7):e11570.

9. Lanari M, Sogno Valin P, Natale F, Capretti MG, Serra L. Human milk, a concrete risk for infection? J Matern Fetal Neonatal Med. 2012 Oct;25 Suppl 4:75-7.

10. Lawrence RM, Lawrence RA. Breast milk and infection. Clin Perinatol. 2004 Sep;31(3):501-28.

11. Ito S, Lee A. Drug excretion into breast milk-overview. Adv Drug Deliv Rev. 2003 Apr 29;55(5):617-27.

12. Sanders TA, Reddy S. The influence of a vegetarian diet on the fatty acid composition of human milk and the essential fatty acid status of the infant. J Pediatr. 1992 Apr;120(4 Pt 2):S71-7.

13. Offergeld R, Ritter S, Quabeck L, Hamouda O. Epidemiological data on infections among blood donors in Germany 2007. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2010 Nov;53(11):1188-96. doi: 10.1007/s00103-010-1152-6.

Korrespondenz: Prof. Dr. Berthold Koletzko, Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V., Chausseestr. 128-129, 10115  Berlin, office.koletzko@med.lmu.de

 

 

 

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