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Gute Versorgung von Kindern und Jugendlichen an Kliniken sichern

30.06.2014

Gemeinsame Pressemitteilung von Bundesärztekammer, Deutscher Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. und Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland e.V.

Gute Versorgung von Kindern und Jugendlichen an Kliniken sichern

Die Bundesärztekammer (BÄK), die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ) und die Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland (GKinD) fordern die Politik in Bund und Ländern auf, bei der anstehenden Krankenhausreform besonderes Augenmerk auf die Sicherung der medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen in den Kliniken zu setzen. „Wenn wir das hohe Versorgungsniveau in der Kinder und Jugendmedizin erhalten wollen, brauchen wir dringend eine Neuregelung der Finanzierungssystematik und endlich wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung des Ärztemangels in der Pädiatrie“, sagt der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery.

Die Dringlichkeit der Lage spiegelt sich in dem Aktionsmotto „Rettet die Kinderstation“,  unter dem die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin gemeinsam mit der Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland sowie weiteren Verbänden und Organisationen ihres Fachs online, über Plakate und mit Faltblättern auf die dramatische Situation der Kinderkliniken aufmerksam macht: „Kinderkliniken und Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin sind schon längst nicht mehr zukunftsfest ausgestattet, weder strukturell noch finanziell“, betont DGKJ-Präsident Prof. Dr. Norbert Wagner.

Jochen Scheel von der Gesellschaft für Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland belegt einen dramatischen Schwund in der stationären Pädiatrie. „Seit 1991 wurden nahezu jede 5. Kinderabteilung geschlossen und 4 von 10 Betten in der stationären Kinder- und Jugendmedizin gestrichen“.

Bestanden im Jahr 1991 noch  440 Abteilungen für Kinderheilkunde mit  mehr als 31.000 Betten, waren es im Jahr 2010 nur noch 363 mit rund 19.000 Betten. Von den 99 Abteilungen für Kinderchirurgie bestanden im Jahr 2010 nur noch 80. Die durchschnittliche Verweildauer reduzierte sich im gleichen Zeitraum trotz wachsender Behandlungsoptionen und steigender Komplexität der Versorgung von 9,1 auf 4,9 Tage.

Hinzu kommt: Kleinere Versorgungseinheiten in strukturschwachen Regionen werden durch die im DRG-Fallpauschalen-System nur unzureichend gegebene Refinanzierung der Vorhaltekosten systematisch benachteiligt; besondere Aufwendungen für die Notfall- und Akutversorgung werden nur bedingt refinanziert.

Mit Blick auf das heutige Treffen der für die Vorbereitung der Krankenhausreform eingesetzten Bund-Länder-Arbeitsgruppe in Berlin bekräftigen die Organisationen die Forderungen des diesjährigen 117. Deutschen Ärztetages nach einer ausreichenden Finanzierung der notwendigen Personal- und Sachkosten und nach mehr Anreizen für den ärztlichen Nachwuchs in diesem Bereich.

Konkret soll der Gesetzgeber unbürokratische Möglichkeiten schaffen, die nicht über das DRG-Fallpauschalen-System darstellbaren Kosten der kinder- und jugendmedizinischen Versorgung zu finanzieren. In strukturschwachen Gebieten müssten die kinder- und jugendmedizinischen Angebote durch Gegenfinanzierung notwendiger Vorhaltekosten gesichert werden. Zusätzliche Ausgaben entstünden den Einrichtungen auch bei der Umsetzung  der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über Maßnahmen zur Qualitätssicherung der Versorgung von Früh- und Reifgeborenen. Die darin gestellten Anforderungen an die Personalausstattung und Maßnahmen der Struktur -, Prozess- und Ergebnisqualität bedürften dringend einer Refinanzierung.

BÄK, DGKJ und GKinD stellten zudem klar, dass Kinder und Jugendliche in zumutbarer Nähe zu ihrem Wohnort eine ambulante, prä- und poststationäre Versorgung erhalten müssten. Die ambulanten Leistungen müssten unabhängig davon, ob die Versorgung im vertragsärztlichen Bereich oder in Institutsambulanzen am Krankenhaus stattfindet, adäquat und ohne budgetäre Restriktionen vergütet werden.

Sorge bereitet den Organisationen auch der zunehmende Fachkräftemangel in der Kinder- und Jugendmedizin.  Maßnahmen gegen den Ärztemangel müssten forciert und der  Ausbildungsschwerpunkt Gesundheits- und Kinderkrankenpflege in der Erstqualifikation der Pflegeberufe erhalten werden.

BÄK, DGKJ und GKinD betonen, dass bei der Struktur der kinder- und jugendmedizinischen oder kinderchirurgischen Fachabteilungen, die mit den Verbänden in diesem Bereich zu konsentierenden qualitativen Mindestanforderungen berücksichtigt werden müssten.

Informationen zur Aktion „Rettet die Kinderstation“:www.rettet-die-kinderstation.de

 

Kontakt
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Tel.: 030 400456700
presse(at)baek.de

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.
Tel.: 030 3087779-14
presse(at)dgkj.de

Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland e.V.
Tel.: 030 60 984 - 281

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