Pressemeldungen

Soziale Prävention in multidisziplinären pädiatrischen Zentren - ein zukunftsweisendes Konzept!

29.01.2014

In der Juniausgabe der Monatsschrift Kinderheilkunde hat die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin einen Konzeptentwurf „Soziale Prävention“ vorgestellt, in dem Themen wie Neue Morbiditäten, gesundheitliche Chancengleichheit für alle Kinder, Prävention als ureigene Aufgabe der Pädiatrie, zukunftsträchtige multiprofessionelle Betreuung von Kindern und Familien, aber auch die Entwicklung der Pädiatrie in unserem Land und ihre Folgen für die Berufspolitik aufgegriffen und zusammengeführt wurden.

Das Modell hat, obwohl in den Verbänden der Pädiatrie einschließlich BVKJ und ÖGD von Anfang an kommuniziert und auch aktiv mitgestaltet, keine einhellige Zustimmung gefunden. Bei der kritischen Bewertung des DGKJ-Konzepts wurde nicht berücksichtigt, dass die Einführung der neuen Struktur völlig freiwillig ist, mit Kommunen und Kassen abgesprochen sein wird, aber auch durch die Vorstellungen und Berufsplanungen der jungen niederlassungswilligen Pädiaterinnen und Pädiater unabhängig von der Meinung mancher Funktionäre fast zwangsläufig eingeführt werden muss, um die flächendeckende ambulante pädiatrische Versorgung weiter zu gewährleisten. Dass die Realität die Meinung einiger bereits überholt hat, ist sichtbar an der Vorstellung, dass Praxen mit 4-5000 Scheinen „riesig“ seien (so Ch. Kupferschmid in „Soziale Prävention in multidisziplinären pädiatrischen Zentren – wirklich ein zukunftsweisendes Modell?“. Kinder- und Jugendarzt, 11/2013, S. 643), sie sind aber heute bereits vorhanden.

Wir sprechen heute auch nicht von „Angliederung der Kinder- und Jugendarztpraxen an die Kliniken“ (ebd.), sondern von Kooperationen im spezialärztlichen und notfallmedizinischen Bereich, einer Selbstverständlichkeit in den zukünftigen Strukturen der Patientenversorgung in Deutschland.

Die ambulante – und stationäre – Pädiatrie muss sich diesen Herausforderungen einer möglichen Neuorientierung und Neuorganisation stellen. Ansonsten besteht die Gefahr der Isolierung der Kinder- und Jugendmedizin an Kinderkliniken oder durch Integrierung in internistisch orientierte Allgemeinkrankenhäuser bei Übernahme ihrer ambulanten Aufgaben durch hausärztliche MVZs, allgemeinärztliche und internistische Gemeinschaftspraxen und Ambulatorien ohne pädiatrische Bereiche.

Wichtig ist, und dies gilt es ausdrücklich festzuhalten, dass „die zukünftige Struktur wesentlich von den Vorstellungen der darin arbeitenden Ärztinnen und Ärzten abhängt und in großem Maße davon, wie groß die Stadt oder Gemeinde ist, in der sie einen Versorgungsauftrag übernimmt“ (Zitat aus: W. Hartmann, „Konzept des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte“. Kinder- und Jugendarzt 11/2013, S. 644 f.). Handeln die Pädiater nicht aktiv, so werden Kommunen mit Mangel an Pädiatrie, wie im aktuell entstehenden Koalitionsvertrag beschrieben, die Initiative ergreifen und die Regeln bestimmen. Es kann kein pädiatrisches Interesse sein, dass Familienzentren entstehen, die ortsfern von den pädiatrischen Praxen liegen, wo der Arzt nur kooperiert und demnach die wichtigen Kontakte ohne ihn laufen. Israel und Finnland machen es beispielhaft vor.

Deshalb hat die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin in Absprache mit vielen Verbänden Kontakte zu politischen Parteien geknüpft, um die gesetzlichen Vorgaben zu gestalten und die Finanzierung, z.B. über das Kinderschutzgesetz, zu ermöglichen.

Paritätischer Wohlfahrtsverband, Bundesärztekammer, Landesärztekammern, KVen, Krankenkassen, Frühe Hilfen, Ministerien in den Ländern, Städtetag, Universitäten Berufsverbände und niedergelassene Kolleginnen und Kollegen sind - und werden - in die Überlegungen und die mögliche Gestaltung des Konzeptes  einbezogen, immer unter der Priorität der Erhaltung des freien Berufes Arzt, aber auch aus der Notwendigkeit heraus, die zukünftigen ambulanten  - und stationären – Versorgungsstrukturen aus der Ärzteschaft heraus mitgestalten zu wollen.

Bei der Vorstellung des Konzeptes in der Monatsschrift Kinderheilkunde 6/13 haben wir versprochen, die Thematik weiter auszuführen. Dazu ist es notwendig, Modellstrukturen zu schaffen. Das erste wissenschaftlich begleitete Modell ist jetzt in  Nordrhein-Westfalen zusammen mit dem Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, den `Frühen Hilfen´ und niedergelassenen Kinder- und Jugendärzten in Entwicklung. Der Zeitrahmen ist auf zwei Jahre angelegt. Weitere Modelle sind in der Planung. Wir hoffen, mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus den gewonnenen Erfahrungen auch die Zweifler dieses Konzepts überzeugen zu können.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin ist sich ihrer Verantwortung gerade auch gegenüber den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen sehr bewusst. Die Initiative dient der Bestands- und Zukunftssicherung der Pädiatrie in unserem Land, denn das ausschließliche Festhalten an althergebrachten Strukturen führt zur Isolierung der Kinder- und Jugendmedizin in den Krankenhäusern und geradewegs zum Ausstieg aus der ambulanten Flächenversorgung.

 

Kinder- und Jugendgesundheitszentren im Konzept der `Sozialen´  Prävention

  • Vorgabe: Gesundheitliche Chancengleichheit für alle Kinder
  • Früherkennung somatischer  u n d psychosozialer Probleme in der kinder- und jugendärztlichen Praxis
  • Zusammenarbeit vor Ort mit Beratern aus dem medizinischen und sozialen Bereich unter Einbeziehung der Eltern
  • teilweise Finanzierung über Bundes- und Landesgesetze
  • Aufnahme der Wünsche niederlassungsbereiter Kinder- und Jugendärztinnen und –ärzte nach Gemeinschaftspraxen, Teilzeit- bzw. Angestelltentätigkeit 
  • Gewährleistung der zukünftigen freien ärztlichen Tätigkeit
  • Sicherung der flächendeckenden ambulanten pädiatrischen Versorgung in Deutschland

 

Dr. Karl-Josef Eßer

Generalsekretär der DGKJ

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