Ausgezeichnete Kinder- und Jugendärzte:

Otto-Heubner-Preisträger: Prof. Dr. Hansjörg Riehm mit DGKJ-Präsident Prof. Dr. Fred Zepp
Adalbert-Czerny-Preisträger Dr. Dominik Müller mit DGKJ-Präsident Prof. Dr. Fred Zepp
Selma-Meyer-Dissertationspreis für Dr. Pinelopi Anagnostopoulou mit DGKJ-Präsident Prof. Dr. Fred Zepp
Ehrenmitglied der DGKJ Prof. Dr. Lothar Pelz mit DGKJ-Präsident Prof. Dr. Fred Zepp

 

Preise und Ehrungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin

 

Berlin, 23. September 2011. – Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat gestern ihre Jahrestagung eröffnet, zu der bis Sonntag über 2.500 Teilnehmer nach Bielefeld kommen werden. Im Zentrum der gestrigen Eröffnungsveranstaltung stand die Preisverleihung an vier Kinder- und Jugendärzte/innen, die in sehr unterschiedlichen Phasen des wissenschaftlichen Lebens stehen und von der Fachgesellschaft für ihre herausragenden Leistungen geehrt wurden.

Otto-Heubner-Preis für Prof. Dr. Hansjörg Riehm

Kinder mit Leukämien verdanken Prof. Dr. Hansjörg Riehm ihre heute sehr guten Aussichten auf Heilung: Der Pädiatrische Onkologe erhielt gestern die Otto-Heubner-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), die höchste Auszeichnung, die die Kinderheilkunde in Deutschland vergeben kann.

Noch in den 1960er Jahren verstarben Kinder mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL) in der Regel binnen weniger Monate, heute beträgt die Heilungsrate 90 %. Dieser revolutionäre Wandel ist im Wesentlichen der wissenschaftlichen Pionierarbeit und den neuartigen Therapiekonzepten Professor Riehms zu verdanken. DGKJ-Präsident Prof. Dr. Fred Zepp hob in seiner Laudatio hervor, dass das von Prof. Riehm konzipierte Behandlungsschema inzwischen weltweit etabliert ist und einen Meilenstein der Medizingeschichte darstellt. Die DGKJ würdigt mit der Auszeichnung sowohl das wissenschaftliche Lebenswerk als auch Hansjörg Riehms Verdienste als behandelnder Kinder- und Jugendarzt.

Der Otto-Heubner-Preis wurde zuletzt 2008 an Prof. Dr. Dr. h.c. Theodor Hellbrügge und 2004 an Prof. Dr. Jürgen Spranger verliehen.

Mehr zur Vita und den Arbeiten von Prof. Dr. Riehm:

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Hansjörg Riehm wurde am 02.03.1933 in Herrenberg/Württemberg geboren, Medizinstudium in Tübingen, Kiel, Innsbruck und Berlin mit Staatsexamen in Tübingen. Nach dem Studium an verschiedenen Universitäten tätig, so 1960 Assistenzarzt am Pathologischen Institut der FU Berlin und an der Medizinischen Klinik der TU München, daneben bis 1962 Ausbildung in Hämatologie. 1962 bis 1967 Weiterbildung im Fach Kinderheilkunde an der Kinderklinik der FU, 1967 bis 1969 wissenschaftlicher Assistent am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York. Habilitationsschrift “Mechanismen der zellulären Resistenz gegen antineoplastische Antibiotika in in vitro Untersuchungen“. 1972 Professor für Kinderheilkunde.Von 1970 bis 1984 an der Kinderklinik der FU Berlin, ab 1973 als Leiter der Abteilung für Hämatologie und Onkologie. Von 1984 bis zur Emeritierung 1997 Direktor der Abteilung für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Viele Ehrenmitgliedschaften in internationalen Fachgesellschaften der Hämatologie bzw. Onkologie oder Pädiatrie, akademische Ehrungen wie Ehrendoktorwürde (z.B. 1992 Ehrendoktor der Universität Warschau), Honorarprofessur (1996 Univ. of Santiago de Chile) und Wissenschaftspreise. Gastvorlesungen in zahlenreichen Ländern, Einladungen zu Vorträgen auf verschiedenen Kongressen, Mitglied bzw. Leiter verschiedenster wissenschaftlicher Studiengruppen. Mitglied des Editorial Boards verschiedener renommierter Zeitschriften.

Nachwuchs-Förderung: Adalbert-Czerny-Preis für Priv.-Doz. Dr. Dominik Müller

Priv.-Doz. Dr. Dominik Müller, Berlin, wurde mit dem Adalbert-Czerny-Preis der DGKJ ausgezeichnet. Dieser ist mit 10.000 € dotiert ist und den wissenschaftlichen Nachwuchs fördert. Dr. Möller ist Pädiatrischer Nephrologe und untersucht mit seiner Arbeitsgruppe an der Charité Berlin seit vielen Jahren das Transportsystem der Niere. Die von Dominik Möller eingereichte Arbeit prüft mögliche genetische Ursachen für einen Magnesiummangel und identifiziert Veränderungen am Gen CNNM2 als kausal für eine nicht ernährungsbedingte Hypomagnesämie. Die Jury der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin hebt hervor, dass „Dr. Müllers Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis des Magnesiumtransports über die basolaterale Membran der Niere darstellt“. Hieraus verbessert sich die Perspektive für die medikamentöse Behandlung.

Ausgezeichnete Promotion: Dr. Pinelopi Anagnostopoulou

Einen guten Start in die wissenschaftliche Tätigkeit nimmt Dr. Pinelopi Anagnostopoulou (30), deren Abschlussarbeit im Bereich der allergischen Atemwegserkrankungen mit dem Selma-Meyer-Dissertationspreis prämiert wurde. Dr. Anagnostopoulou arbeitete nach ihren Approbationen in Griechenland und Deutschland als Studienärztin am Mukoviszidose-Zentrum der Uniklinik Heidelberg.

Der mit 2.500 Euro dotierte Dissertationspreis der DGKJ trägt den Namen der jüdischen Kinderärztin Selma Meyer, die 1927 als erste Frau zur außerordentlichen Professorin für Kinderheilkunde ernannt worden war.

Ehrenmitgliedschaft der DGKJ: Prof. Dr. Lothar Pelz

Seit Jahrzehnten engagiert er sich gegen das Vergessen: Prof. Dr. Lothar Pelz ist Mitglied der Historischen Kommission der DGKJ und versammelte im letzten Jahr in Potsdam 800 Kinder- und Jugendärzte zu einer bewegenden Gedenkstunde für die kindlichen Opfer des NS-„Euthanasie“-Programms. DGKJ-Präsident Fred Zepp dankte Prof. Pelz für das große Engagement und für die Energie, mit der er an die Kinder erinnert, die den NS-Medizinverbrechen zum Opfer fielen. Zugleich konnte Prof. Zepp mitteilen, dass die von der DGKJ initiierte Ausstellung „Im Gedenken der Kinder“ zur Rolle der Kinderheilkunde in der NS-Medizin ab Januar 2012 im zentralen Berliner Ausstellungsort „Topograhie des Terrors“ gezeigt und damit ein großes Publikum finden wird. Die DGKJ dankt Prof. Pelz darüber hinaus für seine großen Verdienste als Präsident der DGKJ 1997 bis 1999 und verleiht ihm die Ehrenmitgliedschaft.

 

Pressekontakt:

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)

Dr. Sybille Lunau | Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

vom 22. - 25. September 2011 im Pressebüro der DGKJ-Jahrestagung:

Tel. 0521/9636-862

Stadthalle Bielefeld, Konferenzraum 7

s.lunau(at)dgkj.de | www.dgkj.de