Presseinfo: „Ohne besondere Fürsorge geht gar nichts“

Bundesweiter Kongress für Kinder- und Jugendmedizin in Hamburg

Hamburg, 14. September 2016. - Wenn der Freiburger Medizinethiker Giovanni Maio bei der morgigen Eröffnung des größten deutschen Kongresses für Kinder- und Jugendmedizin in Hamburg den Festvortrag hält, ist das für viele der Zuhörer auch eine philosophische Reflexion ihrer beruflichen Tätigkeit. Maios Ausführungen über eine „Medizin der Zuwendung“ und die Probleme im „Geschäftsmodell Gesundheit“ spiegeln den Spagat im Arbeitsalltag der über 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) wider – nämlich die Realität der professionellen Versorgung kranker Kinder in Zeiten von Personalnot und wirtschaftlichen Zwängen, und das in einem der reichsten Länder der Erde.

„Ohne besondere Fürsorge für das Kind und die Familie geht in der Kinder- und Jugendmedizin gar nichts“, fasst Egbert Herting die Arbeit im therapeutischen, pflegerischen und ärztlichen Team an der Lübecker Unikinderklinik zusammen. Prof. Dr. Herting leitet das dortige Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin und zeichnet in diesem Jahr zudem verantwortlich für das Programm der wissenschaftlichen Jahrestagung seiner Fachgesellschaft DGKJ, die morgen im Hamburger Congress Centrum eröffnet und bis einschließlich Samstag mehr als 2.000 Ärzte, Pflegende, Therapeuten und weitere Experten für die Kindergesundheit zusammenbringen wird.

„Die Auseinandersetzung mit den Grundlagen ethischen Handelns und die besondere Verantwortung für unsere kleineren und größeren Patienten und deren Familien sind in der Kinder- und Jugendmedizin immer präsent“, erläutert Herting die große Rolle dieser nicht unbedingt medizinimmanenten Begriffe auf der Fachtagung in Hamburg. Ihm als Kinderarzt und Spezialist für Früh- und Neugeborenenmedizin ist die Auseinandersetzung mit ethischen Prinzipien alltäglich geworden und unverzichtbar für jedes ärztliche Handeln, etwa wenn es um die Begleitung elterlicher Entscheidungen in der Kinderintensivmedizin geht. Zugleich entsprechen diese aufwändigen Prozesse, die umfassende Kommunikation, die intensivere Zuwendung gerade in der Kinder- und Jugendmedizin nicht einem rein auf Effizienz ausgelegten „Geschäftsmodell Gesundheit“ (Maio), verlangen aber eine enorme professionelle und patientenorientierte Kompetenz.

So werden auf der Tagung u.a. ein Ethikkurs für Medizinstudierende angeboten, Neuerungen von gesetzlichen Bestimmungen etwa für Studien und Diagnostik diskutiert und Probleme der Kommunikation in der Palliativ- und Intensivmedizin angesprochen, wie ohnehin das Spannungsfeld zwischen Patienten, deren Eltern, inmitten von neuen therapeutischen Optionen und auch Grenzen der Therapie das Programm des Kongresses als roten Faden durchzieht.

Gemeinsam mit Kinder- und Jugendärzten und Spezialisten aus der pädiatrischen Gastroenterologie, Kinderchirurgie und Sozialpädiatrie tagt auch der Berufsverband der Kinderkrankenpflege. Hier stehen diesmal u.a. der Respekt vor der Autonomie des behinderten Kindes, die Arbeit im Kinderhospiz, die Unfallprävention aber auch die besonderen Herausforderungen der Versorgung von Migranten im Fokus. Neue politische Rahmenbedingungen gefährden zudem aktuell die Zukunft einer eigenständigen und kompetenten Kinderkrankenpflege.

 

Pressekontakt:

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)
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Dieses und andere Themen der Kinder- und Jugendmedizin auch auf der DGKJ-Jahrestagung vom 14. – 17. September 2016 in Hamburg: Weitere Informationen