Aktuelles für die Pädiatrie

Die Aktivitäten der DGKJ finden Sie in der Rubrik „Über uns“, im Bereich „Laufende Aktivitäten“

Gute medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen sichern

02.12.2014

Wie sichern wir die stationäre und ambulante pädiatrische Versorgung?

GMDS‐Arbeitskreis „Informationsverarbeitung in der Kinder‐ und Jugendmedizin (AK IKJ)“

Bericht über das Symposium am 12. September 2014 in Leipzig während der 110. DGKJ-Jahrestagung

Der AK IKJ hält seine Veranstaltungen und Sitzungen seit vielen Jahren im Rahmen der Jahrestagungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ) ab, weil er dort sein hauptsächliches Publikum findet. In diesem Jahr hatte er, wiederum gemeinsam mit der DRG-AG der Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland (GKinD), ein Symposium durchgeführt, das sich nicht nur mit Fragen der medizinischen Klassifikationen in den Krankenhäusern, sondern vor allem mit den aktuell wichtigen Problemen der Sicherung einer quantitativ und qualitativ hochwertigen stationären und ambulanten pädiatrischen Versorgung in Deutschland beschäftigt. Der Arbeitskreis hat damit ein Thema aufgegriffen und in Details dargestellt, das die DGKJ und nahezu alle pädiatrischen Verbände sowie die Bundesärztekammer seit Längerem in besonderem Maße beschäftigt und das in keiner anderen Sitzung der Jahrestagung vorkam. Es ist z.B. auch Gegenstand der Entschließung I-11 des 117. Deutschen Ärztetages (Düsseldorf, Mai 2014): „Die gute medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen an Krankenhäusern nachhaltig sichern“.

Einleitend berichtete der Arbeitskreisleiter Dr. Bernd Graubner, Göttingen, über die zu erwartenden Änderungen in den gesetzlich vorgeschriebenen Klassifikationen ICD-10-GM 2015 und OPS 2015, deren Endfassungen im Herbst vom DIMDI veröffentlicht und die in bewährter Weise u.a. vom Deutschen Ärzte-Verlag in vier bearbeiteten Buchausgaben verfügbar gemacht werden. – Außerdem würdigte er die Verdienste von Herrn Prof. Dr. med. Victor Weidtman, der am 26.1.2014 im Alter von 94 Jahren verstorben ist und 1974 diesen Arbeitskreis gegründet hatte. Im gleichen Jahr war er zum ersten Direktor des Kölner Universitätsinstituts für Medizinische Dokumentation und Statistik berufen worden, dem er bis zu seiner Emeritierung 1984 vorstand. Den Arbeitskreis leitete er bis 1985 und blieb seinen beiden Nachfolgern, Dr. med. Fritz Lajosi (bis 1993) und Dr. med. Bernd Graubner, bis ins hohe Alter verbunden. Vielen Pädiatern und GMDS-Mitgliedern ist er durch seinen „Diagnoseschlüssel für die Pädiatrie“ bekannt (1982 [ICD-9], danach unter Mitarbeit von Hj. Cremer und B. Graubner 1989 [ICD-9] und 1996 [ICD-10]). Ein Nachruf von Prof. Dr. Walter Lehmacher, seinem zweiten Amtsnachfolger im Kölner Institut, ist in den GMDS-Mitteilungen Nr. 2/2014 erschienen.

Dr. Karl-Josef Eßer, Generalsekretär der DGKJ, Berlin, analysierte in seinem Vortrag über die „Perspektiven für die Kinderkliniken“ die gegenwärtige und zukünftige Situation der Kinder und ihrer medizinischen Versorgung und hob in einigen Thesen Schwerpunkte für die klinische Pädiatrie der Zukunft hervor, z.B.: zunehmende Vernetzung von ambulanter und stationärer sowie von universitärer und nichtuniversitärer Versorgung, bedarfsgerechte Zentralisierung der stationären Versorgung und Erhalt der wohnortnahen ambulanten Versorgung, inhaltliche und strukturelle Verbesserung der Weiterbildung.

Dr. Gabriele Olbrisch, Geschäftsführerin der DGKJ, Berlin, berichtete über die Aktion „Rettet die Kinderstation“ der pädiatrischen Verbände zur Finanzierung der Kinderkliniken und –abteilungen, die im letzten Jahr initiiert wurde. Die politischen Forderungen konzentrieren sich auf drei Kernbereiche: Sicherstellungszuschlag für Kinderkliniken und –abteilungen (Vorhaltekosten), Erhaltung der Kinderkrankenpflege in der Erstausbildung und Absicherung bzw. weitere Etablierung pädiatrischer Spezialambulanzen und Sozialpädiatrischen Zentren. Es herrscht Zuversicht, dass diese Anliegen legislativ umgesetzt werden können.

Dr. Nicola Lutterbüse, Koordinatorin der pädiatrischen DRG-AG, Regensburg, erläuterte anhand umfangreichen Zahlenmaterials die zunehmend prekäre Situation der Kinderkliniken und –abteilungen. Der sinkenden Kinderzahl stehen die immer besseren, aber auch aufwendigeren medizinischen Behandlungsmöglichkeiten von Krankheiten gegenüber, die noch vor Jahren kaum oder nur schlecht beeinflussbar waren. Andererseits treten gerade in der Pädiatrie viele Krankheiten akut auf, deren Behandlung somit nicht planbar ist und die hohe Vorhaltekosten in den stationären Einrichtungen verursachen. „Was hat eine Kinderklinik mit einem Freibad oder einer Eisdiele zu tun? Was kann das DRG-System dafür, dass eine Leistung nicht angefragt wird, jedoch vorgehalten werden muss?“ „Kinderkliniken sind im DRG-System betriebswirtschaftlich unattraktiv!“ Sie stellte folgerichtig konkrete Korrekturmöglichkeiten im KHEntG und SGB V sowie im DRG-System vor, die in ihrer Präsentation nachzulesen sind.

Der abschließende Vortrag von Dr. Thomas Fischbach, Solingen, Mitglied des Bundesvorstandes der Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ) und Mitglied der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), beleuchtete die „Zukunft der ambulanten pädiatrischen Versorgung aus der Sicht des KV-Systems“. Anhand umfangreicher Analysen stellte er dar, dass für die ambulante Versorgung neben den Einzelpraxen, die vor allem auf dem Lande vorherrschen, verschiedene Kooperationsmodelle an Bedeutung gewinnen, z.B. Gemeinschaftspraxen, Praxisgemeinschaften, Ärztehäuser, Praxisnetze, Medizinische Versorgungszentren (MVZ), ermächtigte Ärzte an Krankenhäusern. Ziel ist es dabei immer, die vier großen Versorgungsebenen zu sichern (hausärztliche, allgemeine fachärztliche, spezialisierte fachärztliche und gesonderte fachärztliche Versorgung) und damit eine optimale ärztliche Betreuung aller Kinder zu gewährleisten.

Wie immer stehen die interessanten detaillierten Präsentationen aller Beiträge auf den GMDS-Internetseiten zur Verfügung, und zwar auf denen der AG Medizinische Dokumentation und Klassifikation (http://www.imbi.uni-freiburg.de/medinf/gmds-ag-mdk). Dort sind auch die Abstracts der Vorträge abrufbar, die zudem im Band 162 (2014), Suppl. 2, S. 116, der Monatsschrift Kinderheilkunde veröffentlicht worden sind.

Dr. Bernd Graubner, Göttingen

zurück zur Liste