Aktuelles für die Pädiatrie

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Kinderkrankenschwester startet Online-Petition beim Deutschen Bundestag

05.01.2016


Monika Otte ist 50 Jahre alt, wohnt in Marburg und arbeitet an der Kinderkrankenpflegeschule des Universitätsklinikum Gießen und Marburg Standort Gießen.

„Der Gesetzgeber hat die Pflicht, Kinder als Zukunft unserer Gesellschaft zu schützen“

Monika Otte, Kinderkrankenschwester und Lehrerin für Pflegeberufe aus Marburg, hat beim Deutschen Bundestag eine Petition zum Erhalt ihres Berufes eingereicht.

Frau Otte, Sie haben beim Deutschen Bundestag eine Petition eingereicht, in der Sie den Erhalt der Kinderkrankenpflege-Ausbildung fordern. Was hat Sie dazu gebracht?

Ein ganz konkreter und aktueller Anlass: die Pläne der Bundesregierung, drei sehr verschiedene Berufe zu einem einzigen zusammenzufassen. Laut geplantem Pflegeberufsgesetz soll es zukünftig anstelle der Alten-, Gesundheits- und Krankenpflege und Gesundheits- und Kinderkrankenpflegeausbildung nur noch eine generalisierte Pflegeausbildung geben.

Als Kinderkrankenschwester und Lehrerin für Pflegeberufe einer Kinderkrankenpflegeschule engagiere ich mich für mein Berufsbild. Ich will dem Sterben meines Berufes nicht tatenlos zuschauen.

 

Die Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflege  wird aktuell geregelt durch das Gesetz über die Berufe in der Krankenpflege von 2003. Wie zufrieden sind Sie denn mit dieser Regelung?

 

Mittlerweile kann ich auf eine mehr als 25jährige Berufserfahrung und davon auf mehr als 20 Jahre als Lehrerin in einer Kinderkrankenpflegeschule zurückschauen. Ich muss feststellen, dass es in der Ausbildung heute deutlich weniger Möglichkeiten gibt als früher, Kinder aller Altersstufen zu pflegen. Da wurden bereits Kürzungen umgesetzt, besonders in der Praxisvermittlung. Das macht sich in der Ausbildung nicht nur auf theoretischer Ebene bemerkbar, sondern auch im Pflegealltag mit Kindern. Ich befürchte, dass die geplante Reform das Problem verschärfen wird.

Es könnte sich doch nach dem neuen Pflegeberufsgesetz eine Möglichkeit der Weiterbildung für den gewünschten Pflegebereich entwickeln?

 

Zwar sollen die Berufsanfänger sich entsprechend weiterqualifizieren können, doch sind die Struktur und insbesondere die Finanzierung der Weiterqualifikation noch vollkommen unklar. Leider ist die Reform der Kinderkrankenpflegeausbildung nicht auf die bestmögliche Versorgung des kranken Kindes ausgelegt, was sie eigentlich sein sollte! Stattdessen verspricht sie eine Qualitätssteigerung durch die Möglichkeit der Akademisierung. Dieser Weg ist für einige Pflegende sehr gut und auch wünschenswert, aber nicht für die Basis der professionellen Pflege.  Die Qualität der Grundausbildung in den verschiedenen Bereichen sollte nicht darunter leiden und der hohe Pflegebedarf bei alten Menschen darf sich nicht zu Lasten der Pflege von Kindern auswirken.

 

Sie fordern in Ihrer Petition, dass die angestrebte Reform der Berufe eine ausreichende Spezialisierung bzw. Schwerpunktsetzung für die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege festlegt. Wie könnte dies aussehen?

 

Zunächst kann nur in einer klassischen Kinderklinik mit ihren verschiedenen Fachabteilungen der Kinder- und Jugendmedizin die berufliche Handlungskompetenz für die Pflege von Frühgeborenen bis zum jungen Erwachsenen erlernt werden. Für den ambulanten Bereich sollten ebenfalls spezifische Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen genutzt werden. Dafür wird ein vernünftiges Zeitbudget benötigt.

Sie schreiben auch in Ihrer Petition, dass die Auszubildenden zunächst einmal genügend Gelegenheit brauchen, um überhaupt pflegerische Handlungskompetenz zu entwickeln. Wie sieht das konkret aus, wie kann denn in der Ausbildung ausreichend Wissen und Sicherheit für die Pflege am Kind vermittelt werden?

In der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung sollte sich mindestens die Hälfte der vorgeschriebenen Unterrichtsstunden auf die Versorgung des Kindes in allen Altersstufen beziehen und mindestens 2/3 der praktischen Einsatzgebiete sollten im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin sein.  Nur bei diesen Zeitbudgets können wir den Schülerinnen und Schülern auch den gewünschten Qualitätsstandard vermitteln.

Was hilft Kindern und Jugendlichen im Krankenhaus am meisten?

Am meisten hilft ihnen, wenn sie von Professionellen der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege versorgt werden, die es gelernt haben, den individuellen Pflegebedarf zu ermitteln und die qualitativ beste Pflege mit den Eltern bzw. Bezugspersonen zu planen, durchzuführen und zu evaluieren. Die Zukunft unserer Gesellschaft sind Kinder, und diese sollten auch im Krankheitsfall von ausreichend qualifiziertem Pflegepersonal versorgt werden können. Es macht einen Unterschied, ob ich das fachliche Verständnis für den Entwicklungsbedarf in verschiedenen Altersstufen erlernt habe und entsprechend auf Kinder und ihre Familien eingehen kann.

Wer kann Sie unterstützen, was kann man tun?

Die Petition kann von allen unterschrieben werden! Sie ist unter der ID-Nr. 62564 (Gesundheitsfachberufe) bei den e-Petitionen an den Deutschen Bundestag online ausgelegt (https://epetitionen.bundestag.de). Noch bis zum 25. Januar kann man sich dort mit wenigen Klicks persönlich registrieren, mitzeichnen und damit dazu beitragen, dass sich die Bundestagsabgeordneten in einer öffentlichen Sitzung mit dem Erhalt der Kinderkrankenpflege befassen. Dazu werden aber 50.000 Mitzeichner benötigt!

Aufgerufen sind Kollegen und Kolleginnen aus der gesamten Pflege, Ärztinnen und Ärzte, und ausdrücklich Eltern und alle anderen!

Vielen Dank, Frau Otte, und viel Erfolg!

 

Direkt zur Online-Petition

Unterschriftenlisten zum Download (gefüllte Listen können direkt an den Petitionsausschuss geschickt werden)

 

[Interview: DGKJ-Pressestelle. Pressefoto frei.]

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