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Meldungsarchiv
40 Jahre Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte
24.06.2010
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) gratuliert dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) herzlich zu seinem 40-jährigen Bestehen! – Es ist mir eine besondere Freude, diesen Glückwunsch als Präsident der DGKJ zu übermitteln.
Im September 1970 ist der Berufsverband aus der Abteilung für Berufsfragen der damaligen Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde heraus gegründet worden. Dazu vermerkt das Sitzungsprotokoll der genannten Abteilung vom 13.09.1970:
„Es wird sowohl von den Vertretern der Wissenschaftlichen Gesellschaft als auch seitens der Obleute festgestellt, dass die geplante Ausgliederung der Abteilung für Berufsfragen aus der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde nicht im Sinne einer ‚Trennung’, sondern als ‚Verselbständigung’ anzusehen sei.“
Der Wunsch nach Eigenständigkeit wird schon in diesem kurzen Zitat deutlich: Die Obleute betrachteten sich nicht mehr als Teil der wissenschaftlichen Gesellschaft, pflegten für ihre Abteilung eine eigene Organisationsstruktur und unterhielten ein eigenes Konto – die Ausgliederung war eine logische und notwendige Entwicklung. Zahlenmäßig waren 1970 die niedergelassen ambulant tätigen Pädiater den im stationären Bereich Tätigen ohnehin überlegen. In der betreffenden Mitgliederversammlung im September 1970 setzte sich der damalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde, Prof. Linneweh, für die Gründung des BVKJ ein. Retrospektiv können wir heute feststellen, dass dieser Schritt, der ohnehin im Trend der Zeit lag, richtig und sinnvoll war. Der Berufsverband hat in den Jahren nach seiner Gründung eine überaus rege und erfolgreiche Tätigkeit für seine Mitglieder entfaltet.
Mittlerweile ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, dass es in der pädiatrischen Verbandslandschaft einen starken Berufsverband und eine starke wissenschaftliche Fachgesellschaft gibt, die sich gemeinsam, Schulter an Schulter, für die Interessen der Kinder- und Jugendmedizin einsetzen. Während der BVKJ in diesem Tandem bevorzugt berufspolitische Themen bearbeitet, kommt der DGKJ als wissenschaftlicher Fachgesellschaft die Aufgabe zu, unser Fach in seinen medizinischen Inhalten weiterzuentwickeln. Damit stellt die DGKJ das Bindeglied zwischen der forschungsorientierten universitären Pädiatrie und den pädiatrischen Versorgungsstrukturen sowohl im klinisch-stationären wie auch im ambulanten Bereich dar.
Auch wenn der medizinische Fortschritt der vergangenen Jahrzehnte mit einer zunehmenden Spezialisierung innerhalb unseres Faches verbunden war, ist es weiterhin die herausragende Qualität der Kinder- und Jugendmedizin, unverändert die Fähigkeit Patienten und ihre Familien ganzheitlich zu betreuen. So sind zeitgleich mit dieser Entwicklung die Aufgaben und die Verantwortung von Kinder- und Jugendärzten gerade in der ambulanten Versorgung gewachsen. Das Erkennen einer akuten Gesundheitsstörung und die Einleitung der notwendigen Therapie sind nur noch Teilaspekte des allgemeinpädiatrischen Berufsbildes. Prävention ist heute zu dem wichtigen Aufgabengebiet unseres Fachs geworden und Kinderärztinnen und Kinderärzte müssen in hohem Umfang eine vorausschauende Verantwortung übernehmen. Dies hat selbstverständlich Konsequenzen für die Aus-, Fort- und Weiterbildung sowohl für die wissenschaftlich orientierte wie auch für die ambulante Pädiatrie. Gerade weil Entwicklungspädiatrie, Gesundheitserziehung und Prävention das Berufsbild der modernen ambulanten Pädiatrie bestimmen, ist die umfassende pädiatrische Grundausbildung auch in Zukunft unverzichtbar.
Die speziellen (beruflichen) Bedürfnisse, Kinder- und Jugendmedizin in der Breite zu verankern, führten vor 40 Jahren zur Gründung des BVKJ.
Heute hat Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern eine ausgezeichnete pädiatrische Versorgung, deren Vorzug gerade aus der sektoralen Verzahnung von ambulant (durch niedergelassene Kinder- und Jugendärzte) und stationär erwächst. Der BVKJ hat zu diesem Erfolg einen maßgeblichen Teil beigetragen. Die entscheidende Grundlage für die Einheit unseres Faches ist neben dem regen und aktiven Berufsverband die wissenschaftliche Fachgesellschaft, die spezielle und allgemeinpädiatrische Interessen zusammenführt. Aus meiner Sicht können wir nur in der engen Zusammenarbeit zwischen BVKJ und DGKJ auch in Zukunft die Qualität in der Kinder- und Jugendmedizin zum Wohle unserer Patienten erhalten.
Dabei wünsche ich dem BVKJ weiterhin gutes Gelingen und viel Erfolg!
Prof. Dr. Fred Zepp
Präsident der DGKJ