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Fluoridisierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe

31.05.2013

In der aktuellen Leitlinie der AWMF zu Fluoridisierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe geben DGKJ und DAKJ Empfehlungen zum Gebrauch von Fluoriden im Säuglings- und Kleinkindesalter.

Diese Empfehlungen weichen in einigen Aspekten von den zahnärztlichen Positionen ab.

Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. und der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V.

Zahnreinigung

Kinder sollten im älteren Säuglings- und im Kleinkindalter in behutsamen Schritten spielerisch und in positiv erlebter Weise an die regelmäßige Zahnreinigung herangeführt werden, die sie mit zunehmendem Alter selbst durchführen sollen. Die Zahnreinigung kann im Säuglingsalter zunächst mit einem Wattestäbchen oder aber mit einer altersgerecht geformten Zahnbürste vorgenommen werden.

Zahnpasta

Zahnpasta ist ein kosmetisches Produkt zur Zahnreinigung, das nicht zum Verzehr bzw. zum Verschlucken vorgesehen ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat festgestellt, dass in Deutschland für Kinder angebotene Zahnpasten Substanzen enthalten, die als Inhaltsstoffe für Mundpflegemittel vorgesehen aber nicht für den Verzehr geeignet sind. Für einige Inhaltsstoffe von Zahnpasten werden ausdrückliche Warnhinweise empfohlen wie „Nicht verschlucken“ oder „Übermäßiges Verschlucken vermeiden“ (bei Kinderzahnpasten z. B. Fluoridverbindungen). Auch deshalb sollten keine Kinderzahnpasten eingesetzt werden, die durch Aufmachung bzw. für Kleinkinder attraktive Farben oder Geschmacksstoffe das kindliche Verschlucken fördern. Zahnpasten sollen erst dann regelmäßig verwendet werden, wenn das Kind Zahnpasta nach dem Zähneputzen weitgehend ausspucken kann. Bei großer inter-individueller Variation ist diese Fähigkeit in der Regel im Alter von 4 Jahren (fünftes Lebensjahr) erreicht. Die Empfehlung der Anwendung einer geringen Menge („dünner Film“, „erbsengroße Menge“) ist auf eine kariesprophylaktische Wirksamkeit nicht untersucht, wird in der Praxis nicht richtig umgesetzt und bietet keinen hinreichenden Schutz vor dem Verschlucken größerer Mengen an Zahnpasta. Eine rezente Cochrane-Metaanalyse zeigt bei Schulkindern und Jugendlichen bis zum Alter von 16 Jahren eine kariespräventive Wirkung der regelmäßigen Anwendung fluoridierter Zahnpasta mit einem Fluoridgehalt von 1000 bis 1250 ppm (mittlere Kariesreduktion 23 %) und mit einem Fluoridgehalt von 2400 bis 2800 ppm (mittlere Kariesreduktion 36 %), während Zahnpasten mit einem Fluoridgehalt von 440 bis 550 ppm keine Kariesreduktion zeigen (Walsh et al. 2010).

Somit besteht keine Grundlage für eine Empfehlung der Anwendung der in Deutschland üblichen Kinderzahnpasten mit einem Fluoridgehalt von 500 ppm oder für die Anwendung fluoridierter Zahnpasta im Vorschulalter. Die tägliche Anwendung einer Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid wird im Vorschulalter wegen des Risikos einer übermäßigen Fluoridexposition und einer Fluorose nicht empfohlen.

Fluoridsupplemente

Fluoride wirken sowohl bei topischer als auch bei systemischer Anwendung kariespräventiv (American Academy of Pediatrics Committee on Nutrition 1995 Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin 2007; Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin 2007; Buzalaf et al. 2011). Eine jüngere Cochrane- Metaanalyse zeigt bei Kindern und Jugendlichen bis zum Alter von 16 Jahren durch die Anwendung von Fluoridsupplementen eine Kariesreduktion um 24 % bei bleibenden Zähnen, während die Wirkung bei Milchzähnen unklar blieb (Tubert- Jeannin et al. 2011). Hier ist zu berücksichtigen dass die klassischen kontrollierten, z. T. auch doppelblind durchgeführten Studien zur Wirksamkeit von Fluoridsupplementen auf die Milchzahnkaries in dieser Cochrane Analyse nicht vollumfänglich berücksichtigt wurden (Aasenden et al. 1974; Andersson& Grahnén 1976; Fanning et al. 1975; Hamberg 1971; Margolis et al. 197.; Widenheim & Birkhed 1991).

Bis zum Erreichen einer regelmäßigen Fluoridexposition in angemessener Menge durch größere Verzehrsmengen fluoridangereicherten Speisesalzes und durch fluoridierte Zahnpasta wird im Säuglings- und Kleinkindalter die tägliche Zufuhr eines Fluoridsupplementes empfohlen. Die empfohlene Tagesdosis unter Standardbedingungen zeigt die Tabelle (nach: Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin 2007). Bis zum zweiten erlebten Frühsommer, d.h. je nach Geburtszeitpunkt für die ersten 12 bis 18 Monate, soll die Fluoridgabe mit täglich 400-500 I.U. Vitamin D kombiniert werden.

Empfohlene Tagesdosis der Fluoridsupplementierung für Kinder ohne weitere relevante Fluoridquellen und bei einem Fluoridgehalt im Trinkwasser bis zu 0,3 mg/L:

Alter (Jahre)     Fluorid (mg/Tag)

0 bis <2                0,25

>2 bis <4              0,5

>4 bis <6              0,75

>6                         1,0

 

Die gesamte Leitlinie zu Fluoridisierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe finden Sie hier.

Ergänzende Informationen:

B.Koletzko, K.-E.Bergmann, H. Przyrembel: Prophylaktische Fluoridgabe im Kindesalter. Monatsschrift Kinderheilkunde 2013, DOI 10.1007/ s00112-013-2934-3.

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