Meldungsarchiv

Franz-Volhard-Medaille der DGfN

14.09.2011


Prof. Dr. Floege (DGfN), Prof. Dr. Brandis

In seiner Laudatio auf der Jahrestagung der DGfN in Berlin hob Prof. Dr. Peter Hoyer die Leistungen Matthias Brandis´ als Wissenschaftler und als Hochschullehrer in Marburg und Freiburg sowie seine Verdienste um die Pädiatrische Nephrologie hervor:

"Schule und das Studium der Humanmedizin absolvierte Matthias Brandis in Hamburg wo er auch 1967 promovierte. Einer seiner ersten Mentoren, Professor Althoff, erteilte ihm den weisen Rat, im Hinblick auf eine wissenschaftlich – akademische Ausbildung zwei Jahre in der Physiologie zu reüssieren. Diesem Rat ist er willig gefolgt und er wurde durch DFG geförderte Mitarbeiter am Physiologischen Institut der Freien Universität Berlin unter Karl Ullrich und Klaus Hierholzer wissenschaftlich geschult. Hierholzer war es, der ihm die Möglichkeit für eine weitergehende grundlegende theoretisch-nephrologische Ausbildung in den Vereinigten Staaten ermöglichte.


Ab 1969 war Matthias Brandis als Research Fellow am Department für Physiologie der Cornell-University New York unter Erich Windhager und als Research Fellow am Albert Einstein College of Medicine in New York bei Adrian Spitzer und Chester Edelmann tätig. In dieser wissenschaftlich intensiven Zeit entstanden die grundlegenden tierexperimentellen Mikropunktionsstudien zur single-nephron-GFR, zur tubulären Natrium- und Kaliumreabsorption und peritubulären Perfusion, deren Ergebnisse ihren Niederschlag in hochkarätigen Publikationen fanden.


1971 schloss sich Matthias Brandis zielsicher der neugegründeten, in jener Zeit noch mit vielen finanziellen und akademischen Privilegien ausgestatteten Medizinischen Hochschule Hannover und der pädiatrisch-nephrologischen Arbeitsgruppe um Johannes Brodehl an. Dies, so habe ich mir sagen lassen, war die Erfüllung seines Lebenstraums.
1974 erfolgte Schlag auf Schlag die  Facharztanerkennung, Habilitation und Ernennung zum Oberarzt, 1978 die Ernennung zum C3 Professor.


Wissenschaftliche Schwerpunkte waren dort zunächst tierexperimentelle pathophysiologische Studien zur Permeabilität der glomerulären Filtrationsbarriere bei neugeborenen Meerschweinchen. Zunehmend beschäftigte er sich seit dieser Zeit auch mit klinisch nephrologischen Fragestellungen, die unter anderem die Complement-verbrauchenden Glomerulonephritiden, das hämolytisch-urämische Syndrom und die Behandlung des steroid-resistenten nephrotischen Syndroms betreffen.
1980 wird Matthias Brandis auf den seit langem vakanten und „maroden“ Lehrstuhl für Kinderheilkunde der Philipps Universität Marburg berufen. Es gelang ihm, die Kinderklinik von Grund auf wieder ins akademische Wirken zurück zu führen und zu einem Kindernephrologischen Zentrum, was es bis heute ist. Der Ruf nach Freiburg im Jahre 1988 war eigentlich nur die logische Konsequenz des erfolgreichen Wirkens in Marburg. Unter den wesentlich besseren inneren und äußeren Bedingungen eines der „renommiertesten Lehrstuhls“ der Deutschen Pädiatrie war es hier endlich möglich, seine organisatorischen, wissenschaftlichen, klinischen und menschlichen Talente und Führungskompetenzen voll zu entfalten.

Ich will nicht alle seine bedeutenden Publikationen auflisten, aber doch die wichtigsten Beiträge nicht unerwähnt lassen: Ab 1990 Beginn der molekularbiologischer Arbeiten zur Aufdeckung von Gendefekten von angeborenen Nierenerkrankungen, bei denen sein Schüler und Mitarbeiter Hildebrandt eine besondere Rolle entwickelte.

Wichtig sind aus meiner Sicht die Studien zusammen mit Bernd Zimmerhackl zur Epidemiologie der Nierenbeteiligung bei Tuberöser Hirnsklerose, die Studien zur Epidemiologie des HUS in Deutschland sowie die Nephrotoxizitäts-Studien bei onkologischen Erkrankungen und nach Stammzelltransplantationen."

Prof. Dr. Peter Hoyer

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