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Meldungsarchiv
Gesundheitsversorgung und -vorsorge
09.02.2010

Prof. Dr. Fred Zepp
Dieses Editorial der Februarausgabe Monatsschrift Kinderheilkunde soll Anlass sein, die Mitglieder, aber auch die Nichtmitglieder der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ) für deren aktuelle Arbeit zu interessieren.
Die Aufgabenstellungen der DGKJ haben sich 127 Jahre nach ihrer Gründung in vielen Bereichen verändert. Neben wissenschaftlichen Themen stehen heute in zunehmendem Umfang gesundheitsökonomische und strukturelle Fragen sowie die intensive Auseinandersetzung mit der Gesundheitspolitik im Zentrum ihrer Arbeit. Zudem wird die Bedeutung einer guten Koordination und Integration der Interessen der zahlreichen Fachverbände der DGKJ evident. Als wissenschaftlichem Dachverband kommt der DGKJ die Aufgabe zu, die Entwicklung von der pädiatrischen Grundlagenforschung über die universitäre Pädiatrie bis hin zur klinischen Anwendung in der Breitenversorgung zu begleiten. Die DGKJ ist das gestaltende Bindeglied zwischen forschungs- und versorgungsorientierter Kinder- und Jugendmedizin.
In Zeiten der zunehmenden Ökonomisierung des Gesundheitswesens gilt es mehr denn je, die Bedeutung und dieMöglichkeiten einer kompetenten Gesundheitsversorgung und -vorsorge für Kinder und Jugendliche nachhaltig ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, besonders aber in die Wahrnehmung der politischen Entscheidungsträger zu bringen. Kinder- und Jugendmedizin ist in ihren Grundfesten präventive Medizin. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung dieses Faches gerade auf diesem Gebiet. Viele chronische Leiden des Erwachsenen könnten durch konsequente Nutzung des Wissens über Wachstum und Entwicklung zukünftig gelindert oder gar verhindert werden. In den Händen der Pädiatrie liegen die Konzepte und Chancen für gesünder aufwachsende zukünftigeGenerationen.
Die Erfolge in Diagnostik, Behandlung und Prävention von Gesundheitsstörungen gründen auf einer kontinuierlichen, verlässlich geförderten und gesicherten Forschungstätigkeit gerade an den universitären pädiatrischen Einrichtungen – Gesellschaft und Staat sind gefordert, die Chancen moderner Kinder- und Jugendmedizin zum Wohle aller auch in Zukunft sicherzustellen. Dazu gehört nicht zuletzt die Berücksichtigung der Forschungstätigkeit auch in den Weiterbildungscurricula unseres Faches. Die auf einer Kalkulation der Durchschnittskosten beruhenden diagnosebezogenen Fallentgelte (DRG: „diagnosis related groups“) sind unzureichend, um wissenschaftlich orientierte Pädiatrie zu refinanzieren.
Infolgedessen wird es in Deutschland zunehmend schwieriger, exzellente Forschungsprojekte in der Pädiatrie zu etablieren. Um dem entgegenzuwirken, müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Wert medizinischer Forschung stärker im Weiterbildungscurriculum betonen. Hierfür wird sich die DGKJ auch in Zukunft einsetzen, denn in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses liegt das Potenzial für zukünftige medizinische Erfolge. Vor diesem Hintergrund sorgen wir für eine qualitativ hohe Weiterbildung u. a. mit der Monatsschrift Kinderheilkunde, die neben Weiterbildungsthemen immer auch wissenschaftliche Originalarbeiten mit klinischer Relevanz publiziert. Darüber hinaus dienen der jährlich stattfindende Kinder- und Jugendärztekongress, seit 2004 die Repetitorien Pädiatrie und seit 2008 der pädiatrische Ernährungskurs der Fort- und Weiterbildung.
Kinder- und Jugendärzte/-innen waren und sind Promotoren für die Gesundheit und Lebensqualität künftiger Generationen. Gemeinsam können wir den hohen Versorgungsstandard der Kinder- und Jugendmedizin in Deutschland erhalten und weiterentwickeln. Ich möchte die Leser ermuntern, hierzu einen aktiven Beitrag als Mitglied der DGKJ zu leisten.
Prof. Dr. Fred Zepp
Präsident der DGKJ