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Meldungsarchiv
Grußwort des DGKJ-Präsidenten
23.12.2011
Liebe Mitglieder der DGKJ, verehrte Kolleginnen und Kollegen,
Das Weihnachtsfest steht vor der Tür und ein für die deutsche Kinder- und Jugendmedizin ereignisreiches Jahr geht zu Ende. Für mich bedeutet der Jahreswechsel auch das Ende meiner Amtszeit als Präsident der DGKJ und ich möchte unseren letzten Newsletter 2011 gerne nutzen, um Ihnen allen für das Vertrauen und die Unterstützung, die ich durch viele von Ihnen in den vergangenen drei Jahren erfahren habe, zu danken. Mein ganz besonderer Dank gilt den Mitarbeiterinnen unserer Geschäftsstelle in Berlin, die die Vorstandsarbeit und ganz besonders den Präsidenten jederzeit vertrauensvoll und mit höchstem Engagement begleitet haben – es hat große Freude gemacht mit Ihnen allen zusammenzuarbeiten.
Die DGKJ ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft und ein Fokus unserer Aktivität liegt dementsprechend auch auf der Bearbeitung pädiatrischer Themen in Forschung und Krankenversorgung. Dies kann jedoch nicht losgelöst von aktuellen gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Entwicklungen geschehen. In einer Zeit der zunehmenden Ökonomisierung medizinischer Versorgungsstrukturen und -angebote ist es geradezu die Pflicht der wissenschaftlichen Fachgesellschaft die Weiterentwicklung des Faches und die Ein- und Überführung des medizinischen Fortschrittes in die allgemeine Patientenversorgung sicherzustellen und gesellschaftlich zu verankern. Konsequent haben wir uns daher in den vergangenen Jahren intensiv gesundheitspolitischen Themen zugewandt. Unser Arbeitsprogramm umfasst Fragen der sicheren Arzneimitteltherapie im Kindes- und Jugendalter, die Folgen des Gendiagnostikgesetzes und die Sicherstellung eines weiterhin zuverlässigen Neonatalscreenings, die Entwicklung belastbarer Transitionsmodelle zwischen Pädiatrie und Erwachsenenmedizin, die gesellschaftliche Verankerung moderner Präventionsmedizin und die Förderung der Gesundheitsbildung schon ab dem frühen Lebensalter – um nur einige zu nennen.
Zunehmend Raum hat die Diskussion um Konzepte und Kriterien der Qualitätsentwicklung und –sicherung in der Krankenversorgung eingenommen. Die teilweise auch in der Laienpresse geführte Auseinandersetzung um Grundbedingungen der medizinischen Versorgung von Risikoneugeborenen ist für die öffentliche Wahrnehmung unserer Profession nicht glücklich gewesen. Gemeinsam mit dem Vorstand der DGKJ plädiere ich dafür, dass diese für unser Handeln höchstrelevanten Fragen zunächst innerhalb der wissenschaftlichen Fachgesellschaft beraten werden. Auch wenn wirtschaftliche Erwägungen aus dem Medizinalltag nicht mehr fortzudenken sind, muss es zukünftig unser Bestreben sein, die Familien in diesem Land mit gut konsentierten und vor allem patientenorientierten Betreuungskonzepten zu unterstützen. Die von der DGKJ initiierten Expertenforen haben das Ziel diese wichtige Diskussion innerhalb der Konventgesellschaften sowie zwischen Fachleuten und betroffenen Verbänden zu moderieren und zu befördern. Ich würde mich sehr freuen, wenn diese Plattform für eine sachbezogene Auseinandersetzung nicht nur Ihr Interesse sondern auch Ihre aktiv Mitarbeit und Unterstützung finden würde.
Erstmals in der Geschichte der DGKJ haben wir uns auch konkret berufspolitischen Aufgaben gewidmet. Pädiatrische Spezialambulanzen stellen einen tragenden Pfeiler gerade in der Betreuung von Menschen mit seltenen komplexen Krankheiten dar. Die unzureichende Finanzierung dieser Versorgungseinrichtungen bei zunehmender Verknappung der Ressourcen im Gesundheitswesen hat in den letzten Jahren einen existenzbedrohenden Charakter angenommen. In Ergänzung zum erfolgreichen Engagement von GKinD für pädiatrische Ermächtigungsambulanzen hat die DGKJ sich für die Sicherstellung der pädiatrischen Hochschulambulanzen eingesetzt. Es ist für uns ein großer Erfolg und Motivation für unsere zukünftige Arbeit, dass es gelungen ist, mit Unterstützung des Bundesgesundheitsministeriums, im gerade verabschiedeten Versorgungsstrukturgesetz die Gleichstellung der Hochschulambulanzen mit pädiatrischen Ermächtigungsambulanzen nach §120 1a SGBV festzuschreiben. Dies eröffnet den Universitätskliniken einen neuen Weg zumindest einen Teil der bislang nicht finanzierten Kosten moderner Spezialambulanzen in Verhandlungen mit den Kostenträgern zu kompensieren. Auch in Zukunft wird die DGKJ die Entwicklungen im Gesundheitswesen aufmerksam beobachten und, wenn erforderlich, laut und deutlich die Interessen unserer Mitglieder vertreten.
Es ist grundsätzlich festzustellen, dass die gesellschaftliche Bedeutung und die öffentliche Wahrnehmung der DGKJ als kompetente Fachvertretung in den vergangen Jahren deutlich gewachsen sind. In diesem Sinne haben wir die die Weiterentwicklung der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin als zentrales Organ für die Interessenvertretung aller mit der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen befassten Initiativen intensiv gefördert. Um der Aufgabe der DGKJ als wichtiger Gesprächspartner von Öffentlichkeit und Gesundheitspolitik noch besser gerecht zu werden, haben wir Ihrem Votum folgend, den Generalsekretär der DGKJ etabliert, der ab 2012 die Arbeit des Präsidenten und des Vorstandes tatkräftig unterstützen wird.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Rahmenbedingungen für eine verantwortungsvolle Kinder- und Jugendmedizin in Deutschland sind erheblichen, für die Zukunft unseres Faches tiefgreifenden Veränderungen unterworfen. Dies betrifft natürlich wirtschaftliche vor allem aber auch inhaltliche Aspekte, die sich u.a. aus dem rasant zunehmendem Wissenszuwachs und den daraus resultierenden neuen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten ergeben. Damit wachsen auch die Aufgaben einer wissenschaftlichen Fachgesellschaft. Für mich ist die Arbeit im Vorstand der DGKJ eine attraktive und spannende Herausforderung gewesen, die ich mit Ihrer Unterstützung und natürlich auch kritischen Begleitung gerne angenommen habe. Mit Freude reiche ich nun den Stab an unseren Kollegen Norbert Wagner weiter, wissend dass die DGKJ mit ihm einen kompetenten, verantwortungsvollen und hochengagierten Präsidenten berufen hat.
Ihnen allen wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest im Kreise Ihrer Lieben, erholsame Tage zum Jahreswechsel und alles Gute und Gesundheit für die Zukunft im neuen Jahr.
Ihr
Fred Zepp