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Kinder-Neuroonkologe erhält Deutschen Krebspreis

22.03.2013


Prof. Dr. Stefan Pfister aus Heidelberg wurde am 21. März 2013 für sein Projekt der genomweiten Sequenzierung kindlicher Hirntumoren mit dem Deutschen Krebspreis ausgezeichnet.

Hirntumoren haben Leukämien als häufigste Krebstodesursache für das Kindes- und Jugendalter mittlerweile abgelöst: Kindliche Hirntumoren betreffen 0,5 von 100.000 Kindern und sind hoch-aggressive Krebserkrankungen – sie führen die Statistik der an Krebs verstorbenen 0- bis 18-Jährigen an. 

Wegen der enormen biologischen Heterogenität der kindlichen Hirntumoren untereinander und innerhalb der einzelnen Tumoren wird inzwischen gezielt auf eine `Personalisierte Krebsmedizin´ geschaut, die die belastenden Therapien so weit wie möglich dem einzelnen Patienten anpasst, erläutert Prof. Dr. Stefan Pfister, Abteilung Pädiatrische Neuroonkologie am DKFZ Heidelberg und Abteilung für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätskinderklinik Heidelberg. Seine Abteilung ist im „PedBrain Tumor Research Project“ im Rahmen des Internationalen Krebsgenomkonsortiums (ICGC) für das Sequenzieren der genomischen DNA von Hirntumoren im Kindesalter sowie der Kontroll-DNA aus Blutzellen desselben Patienten verantwortlich und untersucht damit genomweit die tumorspezifischen Veränderungen im Medulloblastom und pilozytischen Astrzytom, den beiden am häufigsten auftretenden pädiatrischen Hirntumoren mit insgesamt rund 300 Fällen pro Jahr in Deutschland.

Mittels Hochdurchsatzsequenzierung analysiert das Team um Prof. Pfister den klonalen Ursprung von Tumoren mit dem Ziel, Rückschlüsse auf zelluläre Subpopulationen innerhalb eines Tumors und auf ihren Einfluss auf klinische Parameter ziehen zu können. Die gemäß dieser Faktoren entwickelten Risiko-Kategorisierungen umfassen dann  z.B. auch die Wahrscheinlichkeiten eines Rezidivs oder von Therapieresistenzen und können in Zukunft über die Intensität der individuellen Therapie bestimmen.

Um die komplexen genetischen und epigenetischen Ursachen kindlicher Hirntumoren charakterisieren zu können, werden jeweils 300 Tumorproben mit der gleichen Anzahl von gesunden Proben desselben Patienten abgeglichen, um die individuellen krebsspezifischen Veränderungen zu definieren.

Ebenfalls im Blick der Forschergruppe sind die tumorspezifischen Veränderungen im Nervenwasser oder Blutplasma, denn sie, so Pfister, könnten diagnostische Hinweise auf Minimale Resterkrankung (MRD) und mögliche Resistenzmechanismen geben.

„Bereits jetzt zeigen die Forschungsergebnisse unmittelbare Auswirkungen auf das Design neuer Studien, sowohl was die Auswahl zielgerichteter Medikamente für frühe klinische Studien angeht, als auch bezüglich der Verwendung molekularer Biomarker in Phase III-Studien“, sagt Prof. Dr. Pfister. 

Aus der Jurybegründung des Deutschen Krebspreises 2013: „Er wies für den häufigsten Hirntumor bei Kindern, das pilozystische Astrozytom, eine zentrale Veränderung nach und konnte entscheidende Unterschiede dieser Tumoren belegen. Seine Forschungsergebnisse haben unmittelbaren Einfluss auf die Behandlung und die Einschätzung des Behandlungserfolges dieses Tumors.“

Das vor 3 Jahren begonnene PedBrain wird vom Deutschen Krebsforschungszentrum koordiniert, bis 2015 von BMBF und Deutscher Krebshilfe mit 15 Millionen Euro gefördert und ist eines der Projekte des International Cancer Genom Consortiums (ICGC), das bei seinem Start 2008 als eines der „größten und ehrgeizigsten biomedizinischen Forschungsvorhaben seit dem Humanen Genomprojekt“ angekündigt wurde. Über das ICGC stehen der forschenden Öffentlichkeit die Sequenzierdaten von 50 verschiedenen Tumortypen zur Verfügung.

Prof. Dr. Stefan Pfister (38) ist seit zehn Jahren Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin DGKJ.

Ausführliche Informationen:  www.pedbraintumor.org

Aktuelle Publikationen zum Projekt :

1) Sturm D, Witt H, Hovestadt V, Quang D-AK, Jones DT, Konermann C, Pfaff E, Sill M, Bender S, Kool M, Becker N, Zucknick M, Hielscher T, Xiao-Yang L, Fontebasso AM, Ryzhova M, Tönjes M, Albrecht S, Jacob K, Wolter M, Ebinger M, Schuhmann MU, van Meter T, Frühwald MC, Hauch H, Pekrun A, Radlwimmer B, Niehues T, von Komorowski G, Dürken M, Kulozik AE, Madden J, Donson A, Foreman NK, Drissi R, Fouladi M, Scheurlen W, von Deimling A, Monuranu C, Roggendorf W, Herold-Mende C, Unterberg A, Kramm CM, Felsberg J, Hartmann C, Milde T, Witt O, Lindroth AM, Schwartzentruber J, Faury D, Fleming A, Zakrzewska M, Liberski PP, Zakrzewski K, Zapatka M, Hauser P, Garami M, Klekner A, Bognar L, Morissy S, Cavalli F, Taylor MD, Wiestler B, Wick W, van Sluis P, Koster J, Versteeg R, Volkmann R, Mikkelsen T, Aldape K, Reifenberger G, Collins VP, Majewksi J, Korshunov A, Lichter P, Plass C*, Jabado N*, Pfister SM* Hotspot mutations in H3F3A and IDH1 define distinct epigenetic and biological subgroups of glioblastoma. Cancer Cell. 2012 Oct 16;22(4):425-37

2) Jones DT*, Jäger N*, Kool M, Zichner T, Hutter B, Sultan M, Cho YJ, Pugh TJ, Hovestadt V, Stütz AM, Rausch T, Warnatz HJ, Ryzhova M, Bender S, Sturm D, Pleier S, Cin H, Pfaff E, Sieber L, Wittmann A, Remke M, Witt H, Hutter S, Tzaridis T, Weischenfeldt J, Raeder B, Avci M, Amstislavskiy V, Zapatka M, Weber UD, Wang Q, Lasitschka B, Bartholomae CC, Schmidt M, von Kalle C, Ast V, Lawerenz C, Eils J, Kabbe R, Benes V, van Sluis P, Koster J, Volckmann R, Shih D, Betts MJ, RussellRB, Coco S, Paolo Tonini G, Schüller U, Hans V, Graf N, Kim YJ, Monoranu C, Roggendorf W, Unterberg A, Herold-Mende C, Milde T, Kulozik AE, von Deimling A,Witt O, Maass E, Rössler J, Ebinger M, Schuhmann MU, Frühwald MC, Hasselblatt M, Jabado N, Rutkowski S, von Bueren AO, Williamson D, Clifford SC, McCabe MG, PeterCollins V, Wolf S, Wiemann S, Lehrach H, Brors B, Scheurlen W, Felsberg J, Reifenberger G, Northcott PA, Taylor MD, Meyerson M, Pomeroy SL, Yaspo ML, Korbel JO, Korshunov A, Eils R*, Pfister SM*, Lichter P*. Dissecting the genomic complexity underlying medulloblastoma. Nature. 2012 Jul 25. doi: 10.1038/nature11284. [Epub ahead of print] PubMed PMID: 22832583

3) Schwartzentruber J, Korshunov A, Liu XY, Jones DT, Pfaff E, Jacob K, Sturm D, Fontebasso AM, Quang DA, Tönjes M, Hovestadt V, Albrecht S, Kool M, Nantel A, Konermann C, Lindroth A, Jäger N, Rausch T, Ryzhova M, Korbel JO, Hielscher T, Hauser P, Garami M, Klekner A, Bognar L, Ebinger M, Schuhmann MU, Scheurlen W, Pekrun A, Frühwald MC, Roggendorf W, Kramm C, Dürken M, Atkinson J, Lepage P, Montpetit A, Zakrzewska M, Zakrzewski K, Liberski PP, Dong Z, Siegel P, Kulozik AE, Zapatka M, Guha A, Malkin D, Felsberg J, Reifenberger G, von Deimling A, Ichimura K, Collins VP, Witt H, Milde T, Witt O, Zhang C, Castelo-Branco P, Lichter P, Faury D, Tabori U, Plass C, Majewski J*, Pfister SM*, Jabado N*. Driver mutations in histone H3.3 and chromatin remodelling genes in paediatric glioblastoma. Nature. 2012 Jan 29;482(7384):226-31. doi: 10.1038/nature10833.

4) Rausch T, Jones DT, Zapatka M, Stütz AM, Zichner T, Weischenfeldt J, Jäger N, Remke M, Shih D, Northcott PA, Pfaff E, Tica J, Wang Q, Massimi L, Witt H, Bender S, Pleier S, Cin H, Hawkins C, Beck C, von Deimling A, Hans V, Brors B, Eils R, Scheurlen W, Blake J, Benes V, Kulozik AE, Witt O, Martin D, Zhang C, Porat R, Merino DM, Wasserman J, Jabado N, Fontebasso A, Bullinger L, Rücker FG, Döhner K, Döhner H, Koster J, Molenaar JJ, Versteeg R, Kool M, Tabori U, Malkin D, Korshunov A, Taylor MD, Lichter P*, Pfister SM*, Korbel JO*. Genome sequencing of pediatric medulloblastoma links catastrophic DNA rearrangements with TP53 mutations. Cell. 2012 Jan 20;148(1-2):59-71. PubMed PMID: 22265402; PubMed Central PMCID: PMC3332216.

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