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Krankheiten einfach „ausschalten“?
15.06.2010
Kinder- und Jugendärzte zu neuen Perspektiven durch Biologika
Nach einer aktuellen Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) nimmt die Bedeutung von Biopharmazeutika in der Pädiatrie stetig zu: Um 16% stieg beispielsweise die Verordnung von Biologika an deutschen Kinderkliniken allein von 2008 auf 2009. Der zielgerichtete und rechtzeitige Einsatz von Biologika bei rheumatischen Gelenkerkrankungen oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, besonders Morbus Crohn, ist eine mittlerweile anerkannte Methode bei der Langzeitbehandlung von Kindern und Jugendlichen. Die noch relativ neuen Präparate gehören damit auch in der Kinder- und Jugendmedizin zu den zentralen Medikamentengruppen. Da der Erfahrungsschatz noch begrenzt ist, ist in Fachkreisen ein großer Diskussionsbedarf zu verzeichnen: Der Kinder- und Jugendärztekongress 2010 wird sich daher intensiv mit den Perspektiven der Biologika bzw. Biopharmazeutika in der Pädiatrie befassen.
Prof. Dr. Michael Radke vom Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann, Präsident der DGKJ-Jahrestagung vom 16.-19. September in Potsdam: “Biologika sind bei schwerwiegenden chronischen Krankheiten in der Erwachsenenmedizin schon seit weit mehr als einem Jahrzehnt eine feste Größe. Da neben der Wirksamkeit eines neuen Präparats für Kinder vor allem auch die Arzneimittelsicherheit höchste Priorität hat, werden auf dem Kongress einschlägige Studien und Daten ausgiebig diskutiert und die inzwischen gewonnenen Erfahrungen mit Biologika bei Kindern ausgetauscht.“
Die komplexe Entwicklung von Biologika ist erst durch den enormen Wissenszuwachs der Molekularbiologie über die Entstehung und Ausbreitung von Krankheiten möglich geworden. Biologika sind den Entzündungsreaktionen unter Einbeziehung körpereigener Stoffe nachempfunden, sie werden überwiegend gentechnisch hergestellt und per Injektion oder Infusion verabreicht. Ziel ist die Reduzierung oder gar das Blockieren des Entzündungsverlaufs, wie bei Rheuma und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen: TNFα-Inhibitoren werden in die Entzündungskaskade eingebracht, um sich dort als eingeschleuste Antikörper am entsprechenden Botenstoff anzudocken und den chronischen Entzündungsprozess zu hemmen.
Michael Radke: „Biologika werden heute auch bei Kindern frühzeitiger eingesetzt als noch vor einigen Jahren, um gewebezerstörende Entzündungen bereits zu Beginn einer schweren Krankheit eindämmen zu können. Man versucht, gezielt in die körpereigenen Mechanismen und Funktionen einzugreifen, um den Krankheitsverlauf deutlich zu mildern oder gar stoppen zu können - von einem Ausschalten von Krankheiten im Sinne einer dauerhaften Heilung sind wir aber leider noch weit entfernt.“
Weitere Hauptthemen des Kongresses: Unter der Rubrik „Agenda 2020“ werden Fragen zur zukünftigen medizinischen Versorgung kranker Kinder in Deutschland, Forschungsaufgaben und vor allem auch die Nachwuchsentwicklung diskutiert. Schwerpunkte des Kongresses sind darüber hinaus Prä- und Probiotika in der Pädiatrie, Qualitätskriterien in der Versorgung von Früh- und Neugeborenen, gesunde Ernährung vom Säuglings- bis zum Jugendalter.
Die 106. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) wird vom 16.-19. September in Potsdam-Babelsberg veranstaltet. Erwartet werden mehr als 3.000 Teilnehmer aus Deutschland und den benachbarten europäischen Ländern.
Weitere Informationen: www.dgkj.de und www.dgkj2010.de
Pressekontakt:
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)
Dr. Sybille Lunau | Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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