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Meldungsarchiv
Pädiatrische Kompetenz für Notaufnahme von Kindern unabdingbar
27.04.2010
Betr.: Notfallbehandlung: Zentral und interdisziplinär. Artikel im DÄ vom 19.2.2010.
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) als wissenschaftlicher Dachverband der Pädiatrie unterstützt die Position, dass ein eigener Facharzttitel „innerklinische Notfallmedizin“ nicht sinnvoll ist. In einer Notaufnahme, in der auch Kinder versorgt werden, ist pädiatrische Kompetenz unabdingbar. Insoweit deckt sich die Einschätzung der DGKJ mit der Stellungnahme in o.g. Artikel.
Die DGKJ weist darüber hinaus allerdings nachdrücklich darauf hin, dass Kinder aus folgenden Gründen in pädiatrischen Notaufnahmen besser versorgt sind:
- Mehr als 90% der Notfallbehandlungen im Kindesalter stellen nicht Polytraumata oder primäre Reanimationen dar, sondern präsentieren sich als akute pädiatrische Standardsituationen wie Dehydratation bei Gastroenteritis insbesondere im Säuglingsalter, obstruktive Bronchitis und Dyspnoe oder fieberhafte Infekte mit unklarem Fokus. Die pädiatrische Notaufnahme nimmt genau die Zuordnung dieser Differenzialdiagnosen in ihr Blickfeld. Schwersterkrankte Kinder (z.B. Meningitis, Status epilepticus, unklarer Bewusstseinsverlust) werden in vielen Kinderkliniken unmittelbar vom pädiatrischen Intensivteam auf der Kinderintensivstation versorgt. Diese kindorientierte Logistik hat sich bewährt, wie die exzellenten Ergebnisse der medizinischen Versorgung durch Kinder- und Jugendärzte eindrucksvoll belegen.
- In den meisten Krankenhäusern mit Kinderkliniken werden daher pädiatrische Notaufnahmen vorgehalten, denen im Unterschied zu zentralen Notaufnahmen bisher selten prozessuale Defizite nachgesagt werden. Kinder sind die drittgrößte Gruppe von Patienten in der Notfallbehandlung.
- Das Kind als Patient soll von erfahrenem Kinderkrankenpflegepersonal betreut werden. Dieses ist in den zentralen Notaufnahmen in der Regel nicht rund um die Uhr sichergestellt.
- Kinder benötigen eine kindgerechte Ausstattung im Krankenhaus. Warte- und Behandlungszonen zentraler Notaufnahmen gerade in Großstädten sind häufig soziale Brennpunkte (Alkoholmissbrauch, traumatisierte und emotional erregte Patienten, psychiatrisch Erkrankte). Den Belangen von Kindern wird in diesen Notaufnahmen nicht hinreichend Rechnung getragen.
- Eine stationäre Aufnahmestation in der Notaufnahme für alle Altersgruppen unter Einschluss von Kindern vor der Verlegung in die Kinder- und Jugendklinik erlaubt keine fachgerechte Behandlung. Bereits 1997 haben die Gesundheitsminister der Länder den Beschluss gefasst, Kinder nur in entsprechend geeigneten Krankenhausabteilungen für Kinder stationär zu betreuen.
Zusammenfassend empfiehlt die DGKJ dringlich, den Bedürfnissen erkrankter Kinder Rechnung zu tragen und exzellent funktionierende pädiatrische Notaufnahmen zu erhalten. Das viel gehörte Kostenargument darf nicht dazu führen, dass Kinder unter Bedingungen, die nicht kindgerecht sind und ohne das pädiatrisch qualifizierte Fachpersonal im medizinischen Notfall versorgt werden.
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)
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