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Pädiatrische Spezialambulanzen künftig besser abgesichert

01.12.2011

Mit dem heute verabschiedeten Versorgungsstrukturgesetz eröffnen sich für Kinder mit schweren chronischen (und häufig sehr seltenen) Erkrankungen deutliche bessere Perspektiven, denn das Gesetz regelt die Finanzierung von Spezialambulanzen an Universitätskliniken. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) sieht in dem Beschluss einen wichtigen Fortschritt für die Sicherstellung der Versorgung von Menschen mit seltenen Erkrankungen in Deutschland.

Die an schweren chronischen und sog. `Seltenen´ Erkrankungen leidenden Kinder sind auf die Betreuung und medizinische Versorgung durch Spezialambulanzen in Kinderkliniken angewiesen. Nur dort finden sie und ihre Familien das erforderliche Fachwissen und die Erfahrung im Umgang mit ihren speziellen gesundheitlichen Problemen. Neben der primären Betreuung der Krankheit kümmern sich die Teams der Spezialambulanzen auch um die Lebenssituation der Familien, die Sicherstellung unterstützender therapeutischer Maßnahmen wie Krankengymnastik, logopädische Betreuung, psychologische Betreuung  u.v.m. Das Konzept der Spezialambulanz ist die ganzheitliche Betreuung, um die bestmögliche Entwicklung und Gesundheit der betroffenen Kinder und Jugendlichen zu gewährleisten.

Spezialambulanzen für seltene Erkrankungen sind in der Regel an großen Kinderklinken, besonders aber auch an den Universitätskinderkliniken angesiedelt. Die Versorgung der Patienten mit seltenen, komplexen Krankheiten erfordert neben hoher ärztlicher Fachkompetenz den Einsatz modernster diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen, und ist daher mit hohen Kosten verbunden.

Neue Perspektiven für Spezialambulanzen an Uni-Kinderkliniken

Die Notwendigkeit der medizinischen Versorgung von Menschen mit seltenen Erkrankungen ist gesellschaftlicher Konsens, die dafür erforderlichen Aufwendungen werden bisher jedoch nicht ausreichend finanziert – dabei ist die Unterfinanzierung gerade der pädiatrischen Spezialambulanzen an deutschen Universitätskliniken kein Geheimnis. Auf diesen Mangel hat die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) in den letzten Jahren wiederholt aufmerksam gemacht.

Positiv wurde diese Kritik von Seiten der Regierung, insbesondere aber durch das Bundesgesundheitsministerium, aufgenommen. So hat sich v.a. Ulrike Flach, MdB, als gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion schon seit 2010 im Diskurs mit der DGKJ dieser Problematik gewidmet. Den Ambulanzen der Universitätskliniken für Kinder- und Jugendmedizin (nach § 117 SGB V) wird nun erstmals die Möglichkeit gegeben, ihren erhöhten Aufwand ähnlich wie ermächtigte Spezialambulanzen an kommunalen Kinderkliniken gegenüber den Kostenträgern geltend zu machen (durch Ergänzung des § 120, Abs. 2 SGB V).

Für die betroffenen Familien bedeutet dies die Sicherung einer hervorragenden medizinischen Versorgung, und den Universitätskinderkliniken eröffnet es die Möglichkeit, auch in Zukunft hochspezialisierte Versorgung bereitzustellen und weiterzuentwickeln.

DGKJ-Präsident Prof. Zepp: „Dies ist nicht zuletzt dem Engagement der Parlamentarischen Staatssekretärin Ulrike Flach zu verdanken, die sich für eine Lösung der Problematik eingesetzt hat. Die DGKJ möchte dieses herausragende Engagement für Kinder und Jugendliche mit seltenen, komplexen Erkrankungen ausdrücklich würdigen.“

Zur Anpassung des Versorgungsgesetzes:

Die pädiatrischen Ambulanzen der Universitätskliniken nach § 117 SGB V können in Zukunft analog zu den ‚ermächtigten‘ Spezialambulanzen eine Zusatzpauschale mit den Krankenkassen analog § 120, Abs. 1a SGB V verhandeln. Dies wird es  den pädiatrischen Hochschulambulanzen ermöglichen, ihre Leistungen zumindest besser als in der Vergangenheit vergütet zu erhalten. Die Maßnahme sichert die Existenz der Spezialambulanzen an Hochschulen und unterstreicht den erheblichen Mehraufwand in der Versorgung von Kindern auch im Vergleich mit erwachsenen Patienten. Die Ergänzung des §120, Abs. 2, die das Versorgungsgesetz vornimmt, trägt damit zu einer wesentlichen Verbesserung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit schweren chronischen, hochkomplexen und seltenen Erkrankungen bei. Die DGKJ begrüßt diese Regelung nachdrücklich und erkennt damit das Bemühen der Bundesregierung, die Versorgungssituation von chronisch schwer erkrankten Kindern bzw. von Kindern und Jugendlichen mit seltenen Erkrankungen zu verbessern, dankbar an.  

Hintergrund:

Der Gesetzgeber hat vor einiger Zeit die unzureichende Finanzierung der pädiatrischen ‚ermächtigten‘ Spezialambulanzen (nach § 116 in Verbindung mit § 120, Abs. 1 SGB V) anerkannt und hierfür durch Einfügung des § 120, Abs. 1a SGB V ermöglicht, Zusatzpauschalen mit den Kostenträgern zu vereinbaren, die das Leistungsspektrum adäquater widerspiegeln. Die bereits vorliegenden vereinbarten Pauschalen liegen nach einer ersten Erhebung der DGKJ ca. doppelt so hoch wie die normale Vergütung der Institutsambulanzen oder der pädiatrischen Hochschulambulanzen nach § 117 SGB V. Durch die Ergänzung des § 120, Abs. 2 SGB V durch das Versorgungsgesetz können die Verhandlungspartner im Hinblick auf die Vergütung der pädiatrischen Hochschulambulanzen zukünftig auf diese Vereinbarungen nach § 120, Abs. 1a SGB V rekurrieren, wenn es um vergleichbare Leistungen geht.

 

Pressekontakt:

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)
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