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Berliner Gedenktafel für Prof. Dr. Heinrich Finkelstein

03.08.2016

(c) DGKJ
StSin Dunger-Löper, Dr. Lennert (Bild: DGKJ)

Am 1. August wurde am Ort des ehemaligen Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhauses in Berlin eine Gedenktafel zur Erinnerung an Prof. Dr. Heinrich Finkelstein enthüllt. Staatssekretärin Hella Dunger-Löper sprach ein Grußwort, die Laudatio hielt Dr. Thomas Lennert, Kinder- und Jugendarzt und Mitglied der Historischen Kommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.

Heinrich Finkelstein (1865 – 1942) wuchs auf in Leipzig, studierte zunächst Geologie in München und nahm 1888 das Studium der Medizin in seiner Heimatstadt Leipzig auf. 1892 zum Doktor der Medizin promoviert, folgte er seinem Lehrer Otto Heubner nach Berlin und war ab 1894 in der Charité tätig, wo er sich 1899 habilitierte. 1918 übernahm er die Leitung des Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhauses als Ärztlicher Direktor und wirkte dort bis zu seiner Emeritierung am 1. März 1933.

Finkelstein, der 1913 auch zum Präsidenten der damaligen Gesellschaft für Kinderheilkunde gewählt wurde, beeinflusste die Entwicklung der Kinderheilkunde in Deutschland entscheidend. Sein „Lehrbuch der Säuglingskrankheiten“ wurde zum Standardwerk in der Pädiatrie. Mit seinen Forschungen trug er maßgeblich zur Reduktion der Säuglingssterblichkeit bei. Insbesondere in dem von ihm betreuten Waisenhaus gelang es ihm binnen weniger Jahre, die Säuglingssterblichkeit von 95% auf 4% zu senken.

Mit dem Beginn der Nazi-Diktatur erschwerte sich für den jüdischen Pädiater Heinrich Finkelstein jegliche Berufsausübung; 1934 wurde ihm die Kassenzulassung entzogen und 1936 die Lehrbefugnis aberkannt. 1939 floh er ins Exil nach Santiago de Chile, wo er 1942 verstarb.

Dr. Karl-Josef Eßer
DGKJ-Generalsekretär

 

 

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