Meldungsarchiv

Gedenken, Erinnern und Mut in der Gegenwart

27.01.2014


"Im Gedenken der Kinder. Die Kinderärzte und die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit" heißt eine Gast-Ausstellung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), die am 27. Januar im Dokumentationszentrum des Pfalzklinikums in Klingenmünster eröffnet wird.

An der Eröffnung werden auch DGKJ-Mitglieder teilnehmen. Eine Grußbotschaft des Ausstellungskurators, Privatdozent Dr. Thomas Beddies, wird im Namen der DGKJ verlesen.

Ab 29. Januar ist die Ausstellung für alle Interessierten zugänglich.

Gedenkfeier

Pfalzklinikum-Geschäftsführer Paul Bomke ruft die Menschen der Region dazu auf, am 27. Januar um 14 Uhr an der Gedenkstätte auf dem Friedhof des Pfalzklinikums der Opfer der NS-Psychiatrie zu gedenken. An der Kranzniederlegung nehmen auch Manfred Petry, Vorsitzender des Beirats für Gedenkarbeit beim Bezirksverband Pfalz, Franz-Josef Wagner, Vorsitzender des Landesverbands der Psychiatrieerfahrenen, sowie Landrätin Theresia Riedmaier teil. Anschließend findet in der Kirche des Pfalzklinikums ein Gottesdienst statt. Pfarrer Joachim Geiling vom ökumenischen Team der Klinikseelsorge wird gemeinsam mit jungen Patienten eine Brücke aus der Vergangenheit ins Heute und in die Zukunft schlagen. Musikalisch wird sich neben der Organistin Ortrud Barthels auch die ST-Band einbringen. Die Musiker kommen aus dem Pfalzinstitut – Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Pfalzklinikums. Im Anschluss wird die Ausstellung zu Krankenmorden an Kindern und Jugendlichen eröffnet. Danach können sich die Besucher über ihre Eindrücke austauschen.

Zur Ausstellung

Etwa 10.000 Kinder fielen während des Nationalsozialismus Tötungsaktionen zum Opfer. Erstmals wird die erschütternde Exposition zu den Krankenmorden in einem Krankenhaus gezeigt, bisher war sie vor allem in musealen und kulturellen Einrichtungen zu sehen. Die Ausstellung ist ein Ergebnis der Auseinandersetzung von Kinder- und Jugendmedizinern mit dem menschenverachtenden Wirken ihrer Berufskollegen während der NS-Zeit. 2010 wurde sie in Potsdam zum ersten Mal gezeigt, anschließend im Berliner Dokumentationszentrum "Topographie des Terrors". Bevor das möglich wurde, hatte die historische Kommission der DGKJ umfangreich recherchiert. An der wissenschaftlichen Aufarbeitung der so genannten Kinder-"Euthanasie" waren auch Dr. Maike Rotzoll vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Universität Heidelberg sowie der Leiter der Gedenkstätte Hadamar, Privatdozent Dr. Georg Lilienthal, beteiligt. Beide gehören dem Ausschuss für Gedenkarbeit des Pfalzklinikums an.

In der Ausstellung findet sich zwar kein Hinweis auf Tötungen von Kindern in der "Heil- und Pflegeanstalt" Klingenmünster, wo insgesamt etwa 2000 Opfer der NS-Psychiatrie beklagt werden. Aber auch pfälzische Kinder und Jugendliche, die als körperlich und/oder geistig schwer behindert galten, gehören zu den Opfern. Sie wurden in eine der 36 bis jetzt bekannten "Kinderfachabteilungen" gebracht, die der Forschung an jungen Menschen dienten, um sie anschließend zu töten. Diese "Fachabteilungen" befanden  sich zum Beispiel in Eichberg/Eltville, Wiesloch oder Stuttgart. Dr. Thomas Beddies, der ein Buch zur Ausstellung herausgegeben hat, schreibt im Flyer zur Exposition: "Die Ausstellung zeigt, dass es Ärztinnen und Ärzten bei der Tötung in der Regel nicht um die schmerzlose Beendigung individuellen Leidens ging, sondern entsprechend der nationalsozialistischen Rassenideologie um die 'Befreiung' des Allgemeinwesens von 'Ballastexistenzen', deren Leben nur dann verlängert wurde, wenn sie noch 'der Wissenschaft dienen' konnten. Dies geschah im Alltag, mitten in Deutschland, unter Beteiligung niedergelassener Ärzte und staatlicher Ämter, in Krankenhäusern und wissenschaftlichen Institutionen. "

"Heute denen helfen, die anderswo bedroht sind"

Dr. Michael Brünger, Chefarzt des Pfalzinstituts und Geschäftsführendes Mitglied des Ausschusses für Gedenkarbeit des Pfalzklinikums, wird am 27. Januar in die Ausstellung einführen. Er wünscht der Ausstellung, die bis April gezeigt wird, viele interessierte Besucher. „Bilder und Texte zeigen die Opfer in Würde. Es sind die Lebensgeschichten der Kinder, die uns erschüttern“, sagt Dr. Brünger.

„Wir laden zur Auseinandersetzung mit einem bedrückenden Kapitel deutscher Geschichte ein. Damit wir den Verbrechen, die  Kindern und Jugendlichen angetan wurden, nicht hilflos gegenüber stehen, wollen wir Zusammenhänge aufzeigen und gemeinsam nach Wegen suchen, wie wir heute in unserem Alltag ersten Anzeichen von Abwertung, Ausgrenzung und Entwürdigung anderer mutig entgegentreten können." Damit greift er auch den  Leitgedanken auf, den Landtagspräsident Joachim Mertes anlässlich des diesjährigen Holocaust-Gedenktages über die zentrale Veranstaltung in Mainz stellt: Heute denen helfen, die anderswo bedroht sind.

Gleich mehrere Ausstellungen bietet das Land 2014 an, 75 Jahre nach dem Beginn der Verfolgung und der Rettungsversuche von jüdischen Kindern und Jugendlichen.

  • Die Ausstellung in Klingenmünster ist vom 29. Januar  bis 25. April jeweils mittwochs von 15 bis 16.30 Uhr sowie an jedem 2. Sonntag der Monate Februar, März und April (9.2., 9.3., 13.4.) von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Bei Interesse an einer Führung können Termine erfragt oder vereinbart werden. Für Kinder und Jugendliche bieten speziell geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter altersgerechte Einführungen in die Ausstellung an und stehen anschließend im Dokumentationszentrum als Ansprechpartner zur Verfügung. Weitere Informationen zu den Inhalten der Ausstellung: www.im-gedenken-der-kinder.de
  • Inhaltliche und organisatorische Informationen: www.pfalzklinikum.de ; www.ns-psychiatrie-pfalz.de
  • Download Info-Flyer zur Ausstellung

Presseanmeldung zur Vernissage / Medienkontakt:

Sabine Röhl
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit  
Pfalzklinikum für Psychiatrie und Neurologie
Weinstraße 100 76889 Klingenmünster
Fon: 06349/900-1640; Fax:06349/900-1699

sabine.roehl(at)pfalzklinikum.de

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