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Neue Wege in der Epilepsiebehandlung

04.10.2011


Spezialmonitoring in Bielefeld. (c) EVKB/DGKJ

„Unser Ziel in der Behandlung epilepsiekranker Kinder und Jugendlicher ist die Anfallsfreiheit, nicht nur die Linderung der Krankheit“, erklärt Johannes Otte, wissenschaftlicher Leiter des diesjährigen Kinder- und Jugendärztekongresses 2011.

Die Chancen auf ein Leben ohne Anfälle haben sich für Kinder und Jugendliche mit Epilepsien in den letzten 5 Jahren enorm erhöht: dank intensiver Diagnostik, neuer Antiepileptika und neuer Techniken in der Epilepsiechirurgie. Zudem lassen die neuesten Erkenntnisse der Epilepsieforschung, die auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) Ende September vorgestellt wurden, auf weitere Erfolge hoffen. Vom 22.-25. September kamen 2.800 Kinder- und Jugendärzte in Bielefeld zusammen, an einem Ort, der über eines der größten Epilepsiezentren weltweit verfügt, um sich u.a. über die neuesten Erkenntnisse in der Epilepsiebehandlung auszutauschen.

Komplexe Diagnostik
Die Diagnose einer kindlichen Epilepsie setzt eine anspruchsvolle Beobachtung und Analyse der Anfälle voraus, erschwert durch höchst unterschiedliche Anfallsformen. Typische Fälle im neuropädiatrischen Alltag: Ein fieberndes Baby wird eingeliefert, das zu Hause blau anlief und auch kurz Zuckungen zeigte.  Ein Kleinkind stockt inmitten eines Trotzanfalls, verstummt plötzlich und wird steif. Ein junges Mädchen hyperventiliert, fällt schlaff in sich zusammen und verliert für kurze Zeit das Bewusstsein.
Prof. Otte:„Ob hier ein Fieber- oder Affektkrampf, ein psychogener Anfall oder tatsächlich eine Epilepsie vorliegt, muss sorgfältig geklärt werden.  Bei unklaren Fällen zählen wir hier auf ein stationäres Spezialmonitoring über 24 oder gar 48 Stunden mittels EEG, Video und Monitor. Wiederholt sich die Symptomatik ohne Resonanzen im EEG, können wir eine Epilepsie ausschließen – und dies ist bei rund 20% der Kinder der Fall.“

Neue Medikamente
Neue Antiepileptika haben in den letzten Jahren die Aussichten auf ein anfallsfreies Leben deutlich verbessert.  Noch vor wenigen Jahren war die Suche nach dem passenden Medikament häufig langwierig und von Fehlschlägen begleitet, da Antiepileptika höchst unterschiedlich wirksam sind. Mittlerweile hat die personalisierte Medizin auch in der Epilepsietherapie Einzug gehalten – ein enormer Fortschritt für die betroffenen Kinder und Jugendlichen: „Heute ist die genetische Diagnostik eines Kindes mit Epilepsie genauso selbstverständlich wie die Auswertung des klinischen Befundes, des EEG und der Bildgebung.  Die genetische Klassifizierung in Typen lässt eine sichere Prognose zu, welches Medikament greifen wird“, so Prof. Dr. Johannes Otte. Mit diesem steten Wissenszuwachs kann die konservative medikamentöse Behandlung  wesentlich gezielter ansetzen. Trotz dieser Erfolge ist auch heute die antiepileptische Therapie bei etwa 20% der Patienten nicht erfolgreich. 

Neue Techniken der Epilepsiechirurgie
Häufig sind es die ganz Kleinen, deren Epilepsie sich als therapieresistent erweist. Einige der meist 1- bis 3-Jährigen können von den Fortschritten der Epilepsie-Chirurgie profitieren. Bei bestimmten Krankheitsbildern verzeichnet  dieser Bereich hohe Erfolgsquoten: Die genaue Markierung des epileptogenen Herds durch Monitoring, EEG und Bildgebung ermöglicht gezielte und schonende operative Eingriffe. In Bielefeld-Bethel werden bei weitem die meisten epilepsiechirurgischen Eingriffe in Europa vorgenommen. Neue, resektionsminimierende Konzepte werden entwickelt, und für die meisten Kinder sind die Aussichten auf eine Dauerheilung ohne wesentliche neurologische Folgen gut.  
 
Pressekontakt:
Prof. Dr. Johannes Otte
über
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)
Dr. Sybille Lunau, Ref. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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