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Kinder- und Jugendärztekongress in Leipzig eröffnet

11.09.2014

Heute Abend wird Deutschlands größter Kinder- und Jugendärztekongress eröffnet: Bis Sonntagmittag werden bis zu 3.000 Teilnehmer im Leipziger Congress Center erwartet.

„Wir Kinder- und Jugendärzte sind Fürsprecher der Kinder und müssen uns zu Wort melden!“ – Mit dieser programmatischen Aussage fordert Prof. Dr. Norbert Wagner mehr gesellschaftliches und politisches Augenmerk für die Bedürfnisse und Belange des kranken Kindes. Und so wird der Auftakt des dreitägigen Kongresses auch die politischen Aspekte der Versorgung kranker Kinder und Jugendlicher in Deutschland aufgreifen. Umso mehr, als sich viele Kinderkliniken in einer existenzbedrohenden Finanzlage befinden, die eine angemessene Versorgung kranker Kinder und Jugendlicher in einigen Regionen gefährdet. Anlass genug, so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, dass die Pädiatrie im Interesse der Kinder politisch aktiv ist, z.B. im Rahmen der Informationskampagne „Rettet die Kinderstation“ (www.rettet-die-kinderstation.de) und im Diskurs mit der Politik. Eine solche Begegnung bietet sich gleich zum Start der Tagung: In Leipzig wird die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit, Annette Widmann-Mauz, zu den Kinder- und Jugendärzten sprechen.

Während des 3-tägigen Kongresses stehen jedoch inhaltliche Fragen der Kinder- und Jugendmedizin im Vordergrund: Prof. Dr. James Beck aus Jena hat als Tagungspräsident drei Themen ins Zentrum des Fachprogramms gestellt, die in den nächsten Tagen mit besonderer Intensität diskutiert werden.

Transition: Wenn junge Patienten erwachsen werden

Dank moderner Therapien erleben es immer mehr Kinder, beispielsweise mit Herzfehlern oder mit anderen schweren angeborenen Erkrankungen, erwachsen zu werden. „Diese Erfolgsgeschichten entstammen hochspezialisierten klinischen Entwicklungen in der Kinder- und Jugendmedizin. Eine Folge ist nun, dass inzwischen jedes Jahr 120.000 dieser Patienten mit dem Erreichen des Erwachsenenalters nun auch Erwachsenenmediziner für die anspruchsvolle Versorgung suchen“, erläutert James Beck. Der Übergang von Heranwachsenden mit chronischen Erkrankungen aus der Betreuung in speziellen Zentren der Kinder- und Jugendmedizin in die Erwachsenenmedizin ist oft mit Problemen behaftet. Beck: „Der Verlust der vertrauten Umgebung, die andere Sprache des Erwachsenenmediziners, das andere Herangehen an eine Krankheit und die weniger umfassende und weniger untereinander abgestimmte Versorgung erschwert die Weiterbetreuung, die gerade bei diesen Patienten so wichtig ist.“

Für diese Übergangsphase, in der typischerweise die Krankheitseinsicht gering ist und daher das Risiko für eine gesundheitliche Verschlechterung durch einen Arztwechsel besonders hoch ist, erarbeiten die beteiligten Berufsgruppen derzeit nachhaltige Konzepte, damit der Übergang immer besser gelingt.

Kinder-Notfälle: Aktuelles Wissen, schnelles Handeln

Schwer verletzte oder erkrankte Kinder in Lebensgefahr sind eine Herausforderung nicht nur für die medizinische, sondern auch für die emotionale und menschliche Kompetenz in Klinik und Praxis. Die DGKJ-Jahrestagung setzt sich ausführlich und auf verschiedenen Ebenen mit dem Schwerpunktthema „Notfälle im Kindes- und Jugendalter“ auseinander. Das umfangreiche Programm liefert aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung – u.a. zur aktuellen Sepsistherapie -, bietet aber auch Simulationstrainings, Veranstaltungen zum Stress beim Kindernotfall oder Diskussionen über interdisziplinäre Konzepte für die kompetente Versorgung kritisch kranker Kinder.

Innovationen in der Kinder- und Jugendmedizin

Die teilnehmenden Kinder- und Jugendärzte werden sich über neue Perspektiven und Therapieansätze ihres Fachs austauschen können. Ein breites Themenspektrum gewährleistet dabei allein schon die Tatsache, dass in diesem Jahr gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) 7 pädiatrische Fachgesellschaften und Verbände tagen: die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin, die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie, der Berufsverband Kinderkrankenpflege, die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, die Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie, die Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie und die AG Pädiatrische Radiologie.

So werden sich in Leipzig Kinder-Rheumatologen auch mit der Medikamentengruppe der Biologika befassen, die große Fortschritte für rheumakranke Kinder und Jugendliche mit sich brachten und die die Behandlung von Kindern mit schweren Formen der juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA) gravierend veränderten. Auch für die Kinder-Onkologie werden die bisherigen Erfahrungen mit Blick auf Chancen und Grenzen biologischer Medikamente thematisiert werden.

Aus Sicht der Kinder-Infektiologen verstärkt die aktuelle Debatte um neuartige Epidemien und um multiresistente Keime die Notwendigkeit eines Umdenkens zugunsten einer modernen, zeitgemäßen Kinder-Infektiologie. Die Sozialpädiatrie wird die starke Prävalenz neuer Morbiditäten wie Verhaltensauffälligkeiten, ADHS und psychischer Probleme von Kindern und Jugendlichen aufgreifen und Möglichkeiten der Prävention diskutieren.

Das Kongressprogramm: www.dgkj2014.de

 

Pressekontakt

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)
Dr. Sybille Lunau | Ref. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Chausseestr. 128/129 | 10115 Berlin
Tel.: 030/3087779-14 | presse(at)dgkj.de
www.dgkj.de|  www.dgkj.de

 

www.rettet-die-kinderstation.de

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