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Wenn Kinder schlecht schlafen

08.03.2017


In den DGKJ-Elterninformationen finden Sie weitere Infos und Tipps rund ums Schlafen.

Zum Weltschlaftag am 17. März 2017

Wer zu wenig oder nicht tief genug schläft, fühlt sich nicht wohl und ist weniger leistungsfähig. Für Kinder und Jugendliche gilt das umso mehr. Schlechter Schlaf bei Heranwachsenden begünstigt  neurologische Entwicklungsstörungen, Fettleibigkeit und schlechte Konzentrationsfähigkeit. Krankhafte Störungen sind dabei in den seltensten Fällen schuld an Schlafproblemen. Oft liegt die Ursache eher in ungünstigen Gewohnheiten.

Priv.-Doz. Dr. med. Frank Jochum, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Evangelischen Waldkrankenhauses Spandau, gibt Tipps bei Schlafproblemen.

 

Herr Dr. Jochum, warum schlafen viele Kinder und Jugendliche heutzutage schlecht?

Priv.-Doz. Dr. med. Frank Jochum: Heutzutage stimmt die Atmosphäre oft nicht. Es besteht häufig kein regelmäßiger Tagesablauf. Zusätzlich verbringen viele Kinder zu viel Zeit mit Handys, Tablets und anderen Geräten – oftmals bewegen sie sich dabei wenig,  bleiben  länger wach und werden von den Reizen regelrecht überflutet. Danach fällt es ihnen schwer, zur Ruhe zu kommen.

Und warum ist es gefährlich, wenn Kinder und Jugendliche zu wenig schlafen?

Im Schlaf erholt sich der menschliche Körper, was sehr wichtig ist, insbesondere für das Nervensystem. Wenn Kinder morgens müde sind, beginnt ein gefährlicher Kreislauf: Ihre Reaktionszeiten sind schlechter, die Verletzungsgefahr ist höher und das Erkrankungsrisiko steigt. Wer schlecht schläft, verstärkt auf lange Sicht auch das Risiko, übergewichtig zu werden. 

Wie viel Schlaf brauchen Kinder denn in welchem Alter?

In den ersten Lebenswochen schlafen Babys durchschnittlich 17 Stunden. Bis zum ersten Lebensjahr werden daraus etwa 15 Stunden. Mit vier Jahren werden etwa zwölf Stunden benötigt und mit zehn Jahren neun Stunden. In der mittleren Adoleszenz kommen Jugendliche ungefähr auf achteinhalb, mit der späten Adoleszenz auf durchschnittlich siebeneinhalb Stunden. Das sind aber alles nur Durchschnittswerte. In der Realität kann es zwischen Kurz- und Langschläfern desselben Alters große Abweichungen geben, ohne dass das gleich krankhaft ist. 

Was können Eltern für den besseren Schlaf ihres Nachwuchses tun?

Bei Säuglingen sollten Eltern dem Rhythmus zwischen Nahrungsaufnahme und Schlaf relativ streng folgen. Ab dem Kleinkindalter sind altersangepasste Schlafzeremonien wichtig. Abendessen, vorlesen, schlafen – das wäre beispielsweise ein klassischer Ablauf, der möglichst täglich eingehalten werden sollte. Ausnahmen bestätigen dabei die Regel, das ist klar, aber wenn jeder Tag eine Ausnahme ist, findet der Körper keinen Rhythmus. Außerdem sollten sich Kinder ausreichend bewegen und abends auch nicht zu schwer essen.

Können Schlafstörungen auch organische Ursachen haben?

Die meisten Schlafprobleme können beseitigt werden, wenn die bekannten Schlaftipps beherzigt werden. In seltenen Fällen gibt es aber auch medizinische Ursachen für Schlafstörungen. Im Schlaflabor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Evangelischen Waldkrankenhauses Spandau können wir solchen Dingen auf den Grund gehen. Manche Kinder bekommen aufgrund von Polypen nicht genug Luft und werden deshalb immer wieder wach. Bei Frühgeborenen, die wir hier in unserem Perinatalzentrum behandeln, kann auch das noch nicht ausreichend ausgebildete Gehirn zu Schlafstörungen und Atempausen führen. Wir gehen auch der Frage nach, ob vermeintliche Krampfanfälle vielleicht eigentlich eher Albträume sind oder der Atemantrieb wie beim Möbius-Syndrom fehlt.

 

Tipps für besseren Schlaf von Kindern und Jugendlichen

 

• für ausreichend Bewegung am Tag sorgen
• Medienkonsum zeitlich begrenzen und Geräte rechtzeitig abschalten
• abends nicht zu schwer essen
• täglich wiederkehrende, altersgerechte Rituale anwenden
• Kinder nicht zur Strafe ins Bett schicken, Bett stattdessen zum Wohlfühl-Ort machen
• möglichst täglich zur selben Zeit schlafen gehen

 

Quelle: Evangelisches Waldkrankenhaus Spandau, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Berlin.

 

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