DGKJ-Mitgliederbefragung 2009

Auswertung

Zum ersten Mal in der Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin wurde eine schriftliche Mitgliederbefragung durchgeführt. Von den 14359 DGKJ-Mitgliedern (Stand 01.06.09) haben 1472 den Fragebogen ausgefüllt. Das entspricht einem Anteil von 10,3%. Dieser Wert ist für eine schriftliche Befragung sehr beachtlich, und wir möchten allen Teilnehmern herzlich danken. Um wichtige Impulse für die Ausgestaltung der weiteren Arbeit zu erhalten, sollte die Befragung vor allem Antworten auf folgende Fragen bringen:

  • Wird die Arbeit der DGKJ aus Sicht der Mitglieder den Bedürfnissen des Faches Kinder- und Jugendmedizin gerecht?
  • Werden die Erwartungen an eine wissenschaftliche Fachgesellschaft erfüllt?
  • Wie bewerten die Mitglieder die Informationsangebote der DGKJ?
    Wie werden das gesundheitspolitische und das medizinisch-issenschaftliche Engagement unserer Fachgesellschaft bewertet?
  • Welche neuen Ziele sollte sich die DGKJ in Zukunft stellen und welche zusätzlichen Leistungen und Angebote werden für die Zukunft gewünscht?

Wie wird die DGKJ den in der Satzung definierten Zielen gerecht und welchem Ziel wird die oberste Priorität zugeordnet?

Nach Meinung unserer Mitglieder wird die DGKJ dem Zweck, die wissenschaftlichen Grundlagen für die bestmögliche kinderärztliche Versorgung der Bevölkerung zu erarbeiten, am besten gerecht. Dieses Ziel wird gleichzeitig auch als das bedeutendste angesehen. Am wenigsten wird aus Sicht der Mitglieder für die Pflege der internationalen Zsammenarbeit auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendmedizin getan. Allerdings wird diesem Ziel auch die geringste Priorität beigemessen. Die Tabelle 1 zeigt, dass die Bewertung der Zielerreichung die Präferenz der einzelnen Ziele widerspiegelt. Insgesamt weisen die Ergebnisse darauf hin, dass die DGKJ die Schwerpunkte ihrer Arbeit bezüglich der Zielerreichung richtig gesetzt hat.

In welchem Maß sollte sich die DGKJ in den in §2 der Satzung definierten Aufgabenbereichen engagieren?

Bei den Antworten zu dieser Frage gestaltet sich das Bild etwas differenzierter. In keinem der genannten Aufgabenbereiche ist ein geringeres Engagement als bisher gewünscht. Ganz deutlich zeigt sich jedoch der Wunsch nach Ausweitung von Aktivitäten im Bereich der Interessenvertretung in der Politik, bei der Erarbeitung von Stellungnahmen und Leitlinien sowie bei der Aus-, Weiter- und Fortbildung. Dies definiert der Vorstand als eine klare Handlungsempfehlung für die Ausrichtung der zukünftigen Arbeit.

Besonders überrascht haben uns die Angaben zur Unbekanntheit von einzelnen Tätigkeitsfeldern. So antworteten ca. 14% der Teilnehmer, eine Beteiligung der DGKJ an internationalen Tagungen sei ihnen unbekannt. Hier erschließen sich Reserven für die Berichterstattung über unsere Arbeit. Auch die Tatsache, dass bei jeweils 6% der Teilnehmer die Förderung der Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften und die Interessenvertretung in der Politik unbekannt sind bzw. 5% die Preisausschreibungen der DGKJ nicht kennen, kann nicht zufriedenstellend für uns sein.

Sehr gut informiert sind hingegen die Mitglieder über die Herausgabe der Monatsschrift Kinderheilkunde, die Unterstützung für Aus-, Weiter- und Fortbildung und die Erarbeitung von Stellungnahmen und Leitlinien (Diagramm 1). Das im Diagramm 1 dargestellte gewünschte zukünftige Engagement wird durch die Angaben zu den aus Sicht der Mitglieder zu wenig berücksichtigten Themen und den Erwartungen an die DGKJ unterstrichen.

Was wird in der Arbeit der DGKJ noch zu wenig berücksichtigt und wie sind die weiteren Erwartungen an die DGKJ?

Die genannten Inhalte lassen sich in 5 Hauptpunkte zusammenfassen:

(1) Die Teilnehmer der Befragung fordern eine deutlich stärkere Vertretung der DGKJ in der Öffentlichkeit. So wird vor allem betont, dass die Positionierung der Pädiatrie in der Politik, in den Medien und innerhalb der anderen Fachgebiete besonders in der Erwachsenmedizin unzureichend ist. Der Wunsch nach einem verstärkten politischen Engagement steht dabei an erster Stelle. Nach Meinung der Teilnehmer nimmt die DGKJ bisher zu wenig oder oft nicht zeitnah genug Stellung zu allgemein gesundheitspolitischen Themen, wie z.B. Armutsrisiko durch Kinder, Kinderschutz und Kindesmisshandlung, Drogenmissbrauch, Ethik in der Pädiatrie etc.

(2) Die Entwicklung neuer Leitlinien, die Erarbeitung von wissenschaftlichen Stellungnahmen zu den unterschiedlichsten Themen und die Erstellung von Therapiestandards sind weitere wesentliche Punkte, die verstärkt zu berücksichtigen sind. Dabei wird auch eine Zusammenführung von Behandlungsleitlinien aus den einzelnen Fachgesellschaften gewünscht.

(3) Die Aus-, Fort- und Weiterbildung nimmt bisher nach Meinung der Teilnehmer einen zu geringen Stellenwert ein.

(4) Zu wenig Bedeutung sehen die Mitglieder der nationalen aber auch internationalen Zusammenarbeit zwischen den einzelnen pädiatrischen Gesellschaften und interdisziplinären Fachgruppen beigemessen. Hier wird eine intensivere Zusammenarbeit und z.T. eine Bündelung der Partikularinteressen der Subspezialitäten erwartet.

(5) Sich stärker als bisher für die Belange der Assistenzärzte einzusetzen, ist ein weiterer häufig genannter Punkt.

Die Befragung reflektiert die Erwartung der Mitglieder, dass die DGKJ vor allem ihre Aktivitäten auf dem Gebiet der politischen Arbeit aber auch der wissenschaftlichen Wahrnehmung ausbauen sollte. Für uns stellt sich die Frage, ob diese Aufgaben mit der gegenwärtigen Organisationsform realisierbar sind, oder eine Änderung z.B. in Form eines hauptamtlichen Präsidenten oder eines hauptamtlichen Sprechers sinnvoll erscheint?

Welche Organisationsstrukturen werden für die zukünftige Entwicklung befürwortet?

36% der Befragten möchten den Status quo mit einem von der Mitgliederversammlung gewählten ehrenamtlichen Präsidenten und einer vom Vorstand bestellten Geschäftsführung beibehalten. 31% sprechen sich neben einem ehrenamtlichen von der Mitgliederversammlung gewählten Präsidenten und einer vom Vorstand bestellten Geschäftsführung zusätzlich für einen von der Mitgliederversammlung gewählten hauptamtlichen Sprecher aus, während 13% zusätzlich einen hauptamtlich vom Vorstand bestellten Sprecher begrüßen würden. Ein hauptamtlich von der Mitgliederversammlung gewählter Präsident und eine vom Vorstand bestellte Geschäftsführung sind für 20% der Teilnehmer eine Alternative in der Organisationsstruktur (Diagramm 2).

Wie das Diagramm 2 zeigt, spricht sich die Mehrheit der Teilnehmer der Befragung für eine ehrenamtliche Präsidentschaft aus. Allerdings wird eine Anpassung bzw. Erweiterung der Organisationsstrukturen gewünscht. In welcher Form und in welchem Zeitrahmen dies geschehen kann, ist nun in den Gremien der DGKJ zu erarbeiten.

In welchem Umfang wird einer Erhöhung der Mitgliedsbeiträge ausschließlich bedingt durch eine Änderung in der Organisationsstruktur zugestimmt?

Für eine Änderung der Organisationsstruktur würden 35% der Befragten eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge um bis zu 30 Euro akzeptieren, 33% um bis zu 10 Euro, 9% bis zu 50 Euro. 23% würden keine Beitragerhöhung, die ausschließlich durch eine Änderung der Organisationsstrukturen bedingt ist, akzeptieren.

Von diesen 23% haben 67% angegeben, den Status quo beibehalten zu wollen, während 27% zusätzlich einen hauptamtlichen Generalsekretär und 6% einen hauptamtlichen Präsidenten wünschen. An dieser Stelle muss jedoch betont werden, dass eine Änderung der Organisationsstrukturen sich ohne Zweifel auf die finanzielle Situation der DGKJ auswirken, und eine zusätzliche Erhöhung der Mitgliedsbeiträge dann nicht vermeidbar sein wird.

Wie werden das Informationsangebot und der Austausch innerhalb der DGKJ beurteilt?

Eine Änderung der Organisationsstrukturen allein ist noch kein Garant für eine erfolgreichere Arbeit. Auch die Informationsangebote und der Austausch innerhalb der DGKJ sind auf die Bedürfnisse der Mitglieder auszurichten. Aus diesem Grund liefert die Bewertung der Homepage der DGKJ, der Rubrik „Gelbe Seiten“ der Monatsschrift Kinderheilkunde, der Mitgliederversammlung und der DGKJ-Geschäftsstelle uns wichtige Impulse für unsere Arbeit (Diagramm 3).

Die Einschätzung, wie im Diagramm 3 verdeutlicht, zeigt uns, dass in der Ausgestaltung unserer Angebote noch Verbesserungspotentiale liegen, die wir gern in unserer täglichen Arbeit berücksichtigen. Dem Wunsch nach mehr Informationen über die Arbeit der DGKJ wird z.B. durch einen quartalsmäßigen Newsletter begegnet.

Sollen die DGKJ-Jahrestagungen zukünftig an drei bis vier festen Veranstaltungsorten durchgeführt werden?

 Die Ausrichtung der Jahrestagung ist eine wesentliche Aktivität der DGKJ. Mit dem Ziel, eine größere Sichtbarkeit und eine größere Wissenschaftlichkeit der DGKJ-Jahrestagung zu erreichen, wird eine Neuausrichtung der Jahrestagung diskutiert. In diesem Kontext steht auch die Empfehlung, die Austragungsorte auf drei bis vier Städte zu konzentrieren.

Diesem Vorschlag stimmen 58% der Befragten zu. Dieses Votum wird als Grundlage dienen, um ein Konzept mit drei bis vier festen Standorten zu erarbeiten. Hier zeigt sich, wie wichtig für unsere Gesellschaft das Feedback der Mitglieder ist. Ebenso verhält es sich mit der Auswertung der Antworten auf die Fragen zur Monatsschrift Kinderheilkunde, dem Publikationsorgan der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.

Wie wird die Zeitschrift Monatsschrift Kinderheilkunde eingeschätzt?

In einem Umfeld einer sich stark verändernden Publikationslandschaft wollten wir den Lesern Gelegenheit geben, ihre Meinung zur Qualität und zum Inhalt mitteilen zu können. Denn für das Herausgeberboard und den Verlag zählt die Meinung der Leser, um die Zeitschrift als interessante und moderne Organzeitschrift weiter zu entwickeln. In der Umfrage haben 87% der Befragten die Zeitschrift mit sehr gut bis gut bewertet und damit die Zeitschrift in ihrem jetzigen Gesicht überaus positiv eingestuft. Beliebteste Rubriken sind dabei das Schwerpunktthema einer jeden Ausgabe („Leitthema“) und die Konsensuspapiere.

Bei der Frage der Auswahl der Leitthemen gab es einige eindeutige Favoriten wie Allergien, Haut- und Infektionskrankheiten, pädiatrische Notfälle und Erkrankungen der Atmungsorgane.

In den letzten Jahren hat die Zeitschrift den Schwerpunkt der Weiter- und Fortbildung verstärkt, gleichzeitig ist sie weiterhin die einzige deutschsprachige Fachzeitschrift für pädiatrische Originalarbeiten. Wir wollten wissen, wie wichtig den Mitgliedern der Impact Faktor der Zeitschrift ist. Dabei zeigte sich, dass 68% der Befragten den Impact Faktor als wichtig bis sehr wichtig bewerten, doch 32% ist er unwichtig. Die Mehrheit der Befragten bevorzugt dabei die Veröffentlichung der Originalarbeiten in deutscher Sprache, für Print und Online sprachen sich jeweils die Hälfte aus.

Die Umfrage hat wesentliche Hinweise und Anregungen für die weitere Ausgestaltung der Arbeit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin geliefert. Erkenntnisse daraus werden uns bei unseren zukünftigen  Aktivitäten begleiten. Auch werden viele der Vorschläge und Hinweise in die Tat umgesetzt werden können.

Herzlichen Dank an alle Mitglieder, die an der Mitgliederbefragung teilgenommen haben. Wir freuen uns jederzeit auf weitere Meinungen und Anregungen.