Antworten von Bündnis 90/Die Grünen auf die Wahlprüfsteine der DGKJ

Sicherstellung der universitären Kinder- und Jugendmedizin

Welche Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um die universitäre Kinder- und Jugendmedizin in Deutschland nicht nur auf ihrem hohen Niveau zu erhalten, sondern auch in Zukunft international wettbewerbsfähig weiter zu entwickeln?
Welche Lösungsansätze verfolgen Sie, um die durch DRGs nur unzureichend refinanzierten Kosten innovativer Hochleistungsmedizin in der Krankenversorgung sicherzustellen und damit Fortschritt in der medizinischen Versorgung zu erhalten?

Die Finanzierungsprobleme der universitären Kinder- und Jugendmedizin sind von denen der sonstigen Hochschulmedizin nicht zu trennen. Universitätskliniken bilden die wichtigste Schnittstelle zwischen Patientenversorgung und Forschung. Für die Übertragbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Versorgungspraxis leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag. Dies gilt auch für die Kinder- und Jugendmedizin. In ihrer Brückenfunktion sind die Universitätskliniken durch reine Forschungseinrichtungen nicht zu ersetzen. Vor diesem Hintergrund ist unter anderen eine Umstellung der Investitionsfinanzierung erforderlich. Auch die Universitätskliniken müssen ihre Betriebs- und Investitionsmittel „aus einer Hand“ erhalten und die volle Investitionsautonomie haben. Der mit der Föderalismusreform erfolgte Rückzug des Bundes aus der Investitionsfinanzierung ist noch einmal zu überprüfen. Darüber hinaus müssen sie bei den Kosten, die ihnen aus ihrer Rolle als Innovationsmotor erwachsen, entlastet werden.

Thema Generationenübergreifende Prävention

Die Entwicklung und Einführung einer wissenschaftlich begründeten Primärprävention setzt die Finanzierung von Forschung, wie auch Investitionen in Gesundheitsaufklärung und -bildung voraus. Welche Maßnahmen und Mittel werden Sie einsetzen, um Primärprävention im Kindes- und Jugendalter konsequent und nachhaltig zu fördern?

Wir wollen ein Präventionsgesetz. Damit wollen wir die finanziellen und strukturellen Bedingungen für die bessere Förderung der Primärprävention schaffen, Dabei legen wir einen besonderen Schwerpunkt auf die lebensweltorientierte Prävention. Präventionsmaßnahmen müssen im Alltag ansetzen, um auch Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien zu erreichen. Darüber hinaus setzen wir uns für eine eigenständige Kindergrundsicherung ein. Denn auch für Kinder ist Armut das Krankheitsrisiko Nummer eins.

Thema Arzneimittelsicherheit bei Kindern

Welche Priorität räumen Sie der Arzneimittelsicherheit bei Kindern und Jugendlichen ein? Welche Mittel werden Sie hierfür bereitstellen und welche Programme haben sie für eine bessere und sichere medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland vorgesehen?

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, ihre Bedarfe sind deshalb bei der Arzneimittelentwicklung besonders zu berücksichtigen. Wir haben deshalb begrüßt, dass die EU mit ihrer Kinderarzneimittel-Verordnung die Arzneimittelhersteller verpflichtet hat, ihre Produkte auch auf die Anwendbarkeit bei Kindern zu testen: In der Folge ist mittelfristig ein Absinken des „Off-label-use“ von Arzneimitteln in diesen Altersgruppen zu erwarten. Weitere Impulse für die Arzneimittelprüfung bei Kindern und Jugendlichen sind aber erforderlich. Das pädiatrische Netzwerk (PAED-Net) leistet hierzu einen wichtigen Beitrag. Die nächste Bundesregierung muss sich mit den Ländern, den Krankenkassen und der Pharmazeutischen Industrie an einen Tisch setzen, um die Finanzierung dieses Netzwerks langfristig sicherzustellen.

Thema Gesundheitserziehung

Welche Konzepte und Möglichkeiten sehen Sie. um eine stärkere Durchdringung der allgemeinen Ausbildungssysteme (KiTa, Schule) mit Fragestellungen der Gesundheitserziehung zu erreichen?

Kinder müssen frühzeitig lernen, was gut für sie ist und was sie selbst für ihre Gesundheit tun können. Die Vermittlung von Gesundheits- und Ernährungskompetenzen muss deshalb ein fester Bestandteil der schulischen und vorschulischen Bildung werden. Wir fordern den flächendeckenden Ausbau der Ganztagesbetreuung. Nur so lässt sich gewährleisten, dass diese Bildungsangebote auch Risikogruppen oder Kinder mit Migrationshintergrund erreichen. In diesem Zusammenhang müssen Bund und Länder auch dafür sorgen, dass jedes Kind in den Schulen und Kindertagesstätten mindestens ein gesundes warmes Essen am Tag bekommt.