Antworten der FDP auf die Wahlprüfsteine der DGKJ

Sicherstellung der universitären Kinder- und Jugendmedizin

Welche Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um die universitäre Kinder- und Jugendmedizin in Deutschland nicht nur auf ihrem hohen Niveau zu erhalten, sondern auch in Zukunft international wettbewerbsfähig weiter zu entwickeln?

Die FDP misst der deutschen Hochschulmedizin einen hohen Stellenwert bei und setzt sich dafür ein, diese im Gesamtkontext der Universität zu stärken. Wir müssen ein günstiges Klima für Hochschulen schaffen und wollen in diesem Zusammenhang ein Höchstmaß an Autonomie an finanziellem und personalbezogenem Gestaltungsspielraum sicherstellen sowie für eine solide und transparente staatliche Finanzierungsgrundlage sorgen.
Zudem werden wir uns dafür einsetzen, dass die forschungsbezogene Leistungsfähigkeit der Universitätsmedizin gestärkt wird. Die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sowie die damit verbundene Einwerbung von Drittmitteln gewinnt immer mehr an Bedeutung. Da hierzulande nur Teile der tatsächlichen Forschungskosten der Hochschulen durch Drittmittel gefördert werden, die Infrastrukturkosten bei der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft aber allein die Forschungseinrichtungen tragen, drohen auf Dauer gerade forschungsstarken Hochschulen schwere Belastungen ihrer Grundfinanzierung. Wir wollen daher den 2007 begonnenen Einstieg in die Vollkostenfinanzierung fortsetzen. Die so genannte Overhead-Finanzierung soll von 20 Prozent auf 40 Prozent steigen.

Welche Lösungsansätze verfolgen Sie, um die durch DRGs nur unzureichend refinanzierten Kosten innovativer Hochleistungsmedizin in der Krankenversorgung sicherzustellen und damit Fortschritt in der medizinischen Versorgung zu erhalten?

Der medizinisch-technische Fortschritt muss Patienten zeitnah zugutekommen. An dieser Forderung hat sich auch durch die Umstellung auf das diagnosebezogene Fallpauschalensystem nichts geändert. Es darf nicht dazu führen, dass es zu einer Verschlechterung der Gesundheitsversorgung kommt. Das bedeutet, dass die DRG´s so beschaffen sein müssen, dass sie in der Lage sind, auch innovative Hochleistungsmedizin für die Patienten abzubilden, die diese Leistungen benötigen. Hinzu kommen muss eine zügige und zeitnahe Neubewertung aufgrund von Innovationen, damit schwerstkranken Menschen geholfen werden kann, ohne dass die behandelnden Krankenhäuser hierdurch in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten.

Thema Generationenübergreifende Prävention

Die Entwicklung und Einführung einer wissenschaftlich begründeten Primärprävention setzt die Finanzierung von Forschung, wie auch Investitionen in Gesundheitsaufklärung und -bildung voraus. Welche Maßnahmen und Mittel werden Sie einsetzen, um Primärprävention im Kindes- und Jugendalter konsequent und nachhaltig zu fördern?

Eine Gesamtstrategie muss verhaltensbezogene und verhältnisbezogene Maßnahmen berücksichtigen mit dem Ziel, dass Menschen mehr Verantwortung für ihre eigene Gesundheit und die Gesundheit anderer übernehmen. Darüber hinaus sollen sie besser in die Lage versetzt werden, die Angebote des Gesundheitswesens sachgerecht zu nutzen. Notwendig ist eine Hilfestellung durch kompetente Partner wie Ärzte, Pflegekräfte, Krankenkassen, und Patientenverbände, die sich zur Aufbereitung und Vermittlung der notwendigen Informationen zusammenschließen sollen.
Im Hinblick auf die Kinder ist das Vorbildverhalten der Eltern entscheidend, da die Lebensgewohnheiten von Kindern maßgeblich durch ihre Eltern bestimmt werden. Eine zielgruppenspezifische praxisnahe Information ist eine Grundvoraussetzung für gesundheitsbewusstes Verhalten. Wissen allein reicht aber in vielen Fällen nicht aus. Kindern muss ein gesundes Leben vorgelebt werden. Zudem spielen auch die Lebensumstände eine entscheidende Rolle. Überall dort, wo staatliche Stellen Verantwortung tragen, sind sie deshalb für ein gesundes Umfeld mitverantwortlich. Das gilt ganz besonders in öffentlichen Kindergärten und Schulen.
Damit Kinder sich zu eigenverantwortlichen Bürgern entwickeln können, bedarf es einer frühzeitigen, umfassenden Gesundheitsförderung, die Eigenaktivität, Eigenverantwortung, soziale Verantwortung, Gesundheitsbewusstsein und Lebenskompetenz von klein auf fördert. Um die Entwicklung zu gesundheitsbewusstem Verhalten zu unterstützen, sind geeignete Rahmenbedingungen, eine geeignete Infrastruktur und eine umfassende Informations- und Kommunikationsstrategie notwendig. Wichtige Orte der Prävention sind Familie, Kindergarten und Schule. Auch die Medien spielen in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Sie müssen über ihren Bildungsauftrag bzw. über freiwillige Vereinbarungen stärker in die gesamtgesellschaftliche Verantwortung eingebunden werden.

Thema Arzneimittelsicherheit bei Kindern

Welche Priorität räumen Sie der Arzneimittelsicherheit bei Kindern und Jugendlichen ein? Welche Mittel werden Sie hierfür bereitstellen und welche Programme haben sie für eine bessere und sichere medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland vorgesehen?

Kinder und Jugendliche haben einen Anspruch auf eine Arzneimitteltherapie, die ihren Bedürfnissen entspricht und die sich auf Studienergebnisse für ihre Altersgruppe stützen kann. Ende Januar 2007 ist eine Europäische Verordnung über Kinderarzneimittel in Kraft getreten. Danach können Arzneimittel, die auch zur Behandlung von Kindern geeignet sind, nur zugelassen werden, wenn klinische Studien mit pädiatrischen Patienten durchgeführt worden sind. Das setzt allerdings auch die Bereitschaft von Ärzten, Eltern und Kindern voraus, in größerem Umfang als bisher an klinischen Studien mitzuwirken. Die FDP wird sich dafür einsetzen, dass der in diesem Zusammenhang in Gang gekommene Prozess konstruktiv begleitet wird.

Thema Gesundheitserziehung

Welche Konzepte und Möglichkeiten sehen Sie. um eine stärkere Durchdringung der allgemeinen Ausbildungssysteme (KiTa, Schule) mit Fragestellungen der Gesundheitserziehung zu erreichen?

Die FDP ist der Auffassung, dass gemeinsam mit den Ländern dafür Sorge getragen werden sollte, dass die Informations- und Bildungsangebote in Kindertagesstätten und Schulen im Hinblick auf Ernährung und Gesundheit verstärkt werden. Die Rahmenbedingungen für Bewegungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen sollten gemeinsam mit Ländern und Kommunen verbessert werden.
Die FDP hält es für sinnvoll, im Rahmen der Aus- und Fortbildungsgänge für Erzieher und Lehrer Aspekte der Gesundheitserziehung verstärkt aufzugreifen und zu verankern. Nicht nur diejenigen Pädagogen, die eine systematische Behandlung des Themas Gesundheit im Rahmen des Unterrichts begleiten, müssen in der Lage sein, Fragen zum gesunden Lebenswandel und der Gesundheitsvorsorge informiert und altersgerecht zu behandeln. Grundsätzlich sollte bei allen Pädagogen der vorschulischen und schulischen Bildungseinrichtungen ein entsprechendes Basiswissen vorausgesetzt werden können.
Die Beschäftigung mit Fragen der Gesundheit und Gesundheitsvorsorge sollte jedoch nicht allein auf Kindertagesstätten und Schulen beschränkt bleiben, sondern die Ausgestaltung der gesamten Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen prägen. In diesem Zusammenhang fordert die FDP, dass sich Kindertagesstätten zu „Familienzentren“ weiterentwickeln und in Kooperation mit anderen Institutionen Angebote der Aufklärung und Elternbildung entwickeln und unterbreiten. Es gilt das soziale Umfeld der Kinder und Jugendlichen so zu beeinflussen, dass ein nachhaltiger Effekt zugunsten einer gesünderen Lebensweise spürbar wird.