Antworten von DIE LINKE auf die Wahlprüfsteine der DGKJ

Sicherstellung der universitären Kinder- und Jugendmedizin

Welche Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um die universitäre Kinder- und Jugendmedizin in Deutschland nicht nur auf ihrem hohen Niveau zu erhalten, sondern auch in Zukunft international wettbewerbsfähig weiter zu entwickeln?

Welche Lösungsansätze verfolgen Sie, um die durch DRGs nur unzureichend refinanzierten Kosten innovativer Hochleistungsmedizin in der Krankenversorgung sicherzustellen und damit Fortschritt in der medizinischen Versorgung zu erhalten?

Für DIE LINKE steht im Vordergrund, dass sich die Gesundheitsversorgung an dem individuellen Bedarf der Patientinnen und Patienten ausrichtet und nicht nach ökonomischen Kriterien. Das gilt auch für die universitären Kinderkliniken. Sie sind zum einen durch die Unterbewertung in der Pädiatrie als auch durch die mangelnde Abbildung der Kostenstrukturen der Universitätsklinika benachteiligt. Hier muss zusammen mit dem INEK nach neuen Lösungen gesucht werden, damit die aufwendigen Leistungen der Kinderheilkunde realistisch im Fallpauschalenkatalog abgebildet werden.

Generationenübergreifende Prävention

Die Entwicklung und Einführung einer wissenschaftlich begründeten Primärprävention setzt die Finanzierung von Forschung, wie auch Investitionen in Gesundheitsaufklärung und -bildung voraus. Welche Maßnahmen und Mittel werden Sie einsetzen, um Primärprävention im Kindes- und Jugendalter konsequent und nachhaltig zu fördern?

Aus Sicht der LINKEN muss eine moderne Gesundheitspolitik darauf ausgerichtet sein, Gesundheitsressourcen zu stärken und Krankheiten zu vermeiden. Deshalb wollen wir Gesundheitsförderung und Prävention flächendeckend und dauerhaft verankern. Damit sie die sozial-, geschlechts- und migrationsbedingten Ungleichheiten von Gesundheitschancen verringern können, müssen sie so früh wie möglich ansetzen. Denn die Ursachen der meisten rankheiten liegen in früheren Lebensjahren, sodass die gesundheitliche Lage im Kindesalter langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit eines Menschen haben kann. Für eine wirksame Präventionspolitik müssen Gesundheitsförderung und Prävention in den Lebenswelten der Menschen ansetzen, also dort, wo sie leben, spielen und arbeiten.

Arzneimittelsicherheit bei Kindern

Welche Priorität räumen Sie der Arzneimittelsicherheit bei Kindern und Jugendlichen ein? Welche Mittel werden Sie hierfür bereitstellen und welche Programme haben sie für eine bessere und sichere medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland vorgesehen?

Tatsächlich wurden mehr als 50% der heute für Kinder verordneten Medikamente nicht zu diesem Zweck geprüft und zugelassen. Da in der Regel keine Zulassungsstudien für Minderjährige betrieben werden, müssen Kinder mit "off-Label"- Medikamenten behandelt werden. Dies ist ein nicht haltbarer Zustand, der im Zweifelsfall schwere haftungsrechtliche Konsequenzen haben würde.
DIE LINKE setzt sich dafür ein, dass in der Pädiatrie verwendete Medikamente auf ihre Zulassung überprüft werden und Präparate ohne Zulassung in Zusammenarbeit mit der EMEA nachträgliche Zulassungsprüfungen erhalten. In den Fällen, bei denen ein Off-Label-Präparat nur selten an Kinder und Jugendliche verschrieben wird, muss über eine europäische Kostenübernahme des Zulassungsverfahrens beraten werden.

Gesundheitserziehung

Welche Konzepte und Möglichkeiten sehen Sie, um eine stärkere Durchdringung der allgemeinen Ausbildungssysteme (KiTa, Schule) mit Fragestellungen der Gesundheitserziehung zu erreichen?

Gesundheitsförderung und Prävention führen in Deutschland nach wie vor ein Schattendasein. Deshalb setzt sich DIE LINKE für ein Präventionsgesetz ein, das die Ziele und Aufgaben von Gesundheitsförderung und Prävention ebenso bestimmt wie die Organisationsstruktur und Vorgaben für die Finanzierung. In den Mittelpunkt eines solchen Präventionsgesetzes gehört für uns, dass Gesundheitsförderung und Prävention vor allem dazu beitragen, die sozial-, geschlechts- und migrationsbedingten Ungleichheiten von Gesundheitschancen zu verringern. Denn in Deutschland leben Personen mit niedrigem Sozialstatus im Schnitt zehn Jahre kürzer als Personen mit hohem Sozialstatus. Hier benötigen wir gesundheitsförderliche Lebens-, Arbeits-, Bildungs- und Wohnbedingungen für alle Menschen und erfolgreiche Projekte vor Ort.
Moderne Gesundheitsförderung und Prävention müssen aus unserer Sicht in den Lebenswelten der Menschen ansetzen, also dort, wo sie leben, spielen und arbeiten. Deshalb ist aus unserer Sicht dringend erforderlich, eine deutliche Stärkung der lebensweltbezogenen Prävention vorzunehmen. Zudem sind Strategien zu entwickeln, wie partizipative Entscheidungsstrukturen von der Konzeption von Projekten und Programmen der Gesundheitsförderung und Prävention bis hin zur Qualitätssicherung gewährleistet werden.
Aufklärung und Information allein verfügen dagegen nur über eine geringe Reichweite, da sie den Alltag der Menschen ausblenden und die Ursachen gesundheitlicher Ungleichheiten nicht angehen. Gesundheit muss kontinuierlich im Lebensalltag gefördert werden und sollte deshalb im Alltag bspw. von Kindertagesstätten oder Schulen verankert werden. Im Vordergrund sollte dabei die Stärkung der Lebens- und Sozialkompetenzen der Menschen stehen.