DGKJ-„Kolloquium zur Zukunft der stationären Kinder- und Jugendmedizin“, Teil 2

- Fortsetzung - 

Jochen Scheel, Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland e.V. (GKinD), ging in seinem Vortrag auf mögliche Finanzierungsalternativen pädiatrischer Abteilungen ein. Diese bestünden bei Kinderkliniken und -abteilungen im derzeitigen gesetzlichen Rahmen innerhalb des DRG-Systems kaum noch, allenfalls ließe sich das neue PEPP-System für Kinder- und Jugendpsychiatrien heranziehen. Außerhalb des DRG-Systems ließe sich die Möglichkeit der `besonderen Einrichtung´ nutzen, durch teilstationäre Angebote oder Spezialangebote wie Psychosomatik oder stationäre Sozialpädiatrie. Ambulante Leistungen von Ermächtigungs- und Hochschulambulanzen könnten mit einer (kostendeckenden) Pauschale nach § 120 SGB V oder eingeschränkt in Form von Sozialpädiatrischen Zentren nach § 119 SGB V angesetzt werden.

Als Forderung für die Zukunft nannte Scheel für den stationären Bereich einen Sicherstellungszuschlag (modifizierter § 5 (2) KHEntgG), für den ambulanten Bereich die pädiatrischen Institutsambulanzen (neuer § 118b SGB V).

PD Dr. Burkhard Rodeck, Christliches Krankenhaus Osnabrück und Sprecher des DGKJ-Konvents für fachliche Zusammenarbeit, referierte über Pädiatrische Spezialambulanzen. Herr Rodeck nannte zu Beginn die Ergebnisse der InBa-Studie, die eine mittlere Unterfinanzierung in den Spezialambulanzen der Krankenhäuser von 119 € pro Fall ergab. Ein Dilemma, das durch politische Umsetzung und engagierte Verhandlungen gelöst werden musste.

Mit der Aufnahme von Absatz 1a in §120 SGB V im Rahmen des KH-Finanzierungs-Reformgesetzes und dem Inkrafttreten am 25.3.2009 ergaben sich erstmals Perspektiven für eine korrekte Kostendeckung. Als zusätzliche Strategie erwies sich die Möglichkeit der Musterklage mit dem Ziel der Gleichstellung der EBM-Erlösmöglichkeiten in der Spezialambulanz vs. Praxis (im Februar 2013 erfolgten erstinstanzlich zwei konträre Entscheidungen, beide Seiten haben Berufung eingelegt). Der Verweis auf solche Verfahren könne auch den Widerspruch gegen KV-Bescheide ergänzen.

Herr Rodeck sprach sich nachdrücklich für Verhandlungen aus und appellierte an die Kinderkliniken, möglichst bald zu verhandeln. Orientierung fänden sie u.a. an den Abschlüssen in Hamburg-Altona, MH Hannover und am Christlichen Kinderhospital Osnabrück.

Für anstehende Verhandlungen zu § 120, Abs. 1a SGB V fasste Herr Rodeck folgende Empfehlungen zusammen:

•          kein Abschluss unter tatsächlichem Bedarf (notfalls Schiedsstelle)

•          Informationsaustausch mit GKinD (www.gkind.de)

•          Klinikpauschale statt Einzelambulanzpauschale

•          keine Fallzahlobergrenze

•          Absprache von Verwaltungsspitze mit ermächtigtem Arzt

•          keine Verhandlung im Rahmen von Budgetverhandlungen

Dr. Kirsten Mönkemöller referierte zum Thema „Psychosomatik in der Pädiatrie“ und berichtete über den erfolgreichen Aufbau einer gut ausgestatteten Station für chronisch kranke Kinder und Jugendliche am Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße in Köln. Angesichts einer allgemeinen Verschiebung von akuten zu chronischen Erkrankungen, der Zunahme von psychischen Auffälligkeiten im Sinne einer „neuen Morbidität“ und von sozialen Risikofaktoren sei der Bedarf an psychosomatischer Versorgung von Kindern und Jugendlichen stark angestiegen. Frau Mönkemöller schilderte ausführlich die konzeptuelle und strategische Ausrichtung des Angebots und auch die Notwendigkeit kreativer Lösungen für Finanzierung und Betrieb der Station.

Über die „Sozialpädiatrie im stationären und ambulanten Umfeld“ sprach Dr. Helmut Hollmann, Kinderneurologisches Zentrum der LVR-Klinik Bonn und Vizepräsident der DGSPJ. Die Vergütung der SPZ laufe auf Grundlage des § 119 SGB V in Verb. mit § 43a und den Leistungsdaten nach § 301. Das Entgelt wird zumeist als „Quartals-Behandlungspauschale“ festgesetzt, wobei der bundesweite Median für ambulante Leistungen bei 350 € liegt. Als Problem benannte Herr Hollmann die Refinanzierung der „nichtärztlichen und nichtmedizinischen Leistungen“ über Sozialhilfe-Träger.

Als Ausblick stellte Herr Hollmann die Sozialpädiatrie als strategisch wichtigen Bereich einer Klinik für Kinder- und Jugendmedizin heraus. Ein SPZ bilde die Scharnierfunktion im Übergang ambulante – stationäre Versorgung und zwischen Klinik und Vertragsarzt. Eine sozial- und neuropädiatrische und/oder pädiatrisch-psychosomatische Station sei ein spezifischer Schwerpunkt der interdisziplinären Behandlung durch ein sozialpädiatrisches Team. Herr Hollmann stellte die personellen Voraussetzungen und inhaltlichen Notwendigkeiten dieser stationären Sozialpädiatrie dar, die mit der OPS 9-403 im DRG-System differenziert abgebildet ist, und kam zu dem Schluss, dass sich hier „im Verbund mit einem SPZ sehr gute Möglichkeiten bieten, ein zunehmend wichtiges Leistungsangebot zu etablieren." Die jeweils individuell zu verhandelnden Entgelte seien durchaus relevant.

 

In dem siebenstündigen Kolloquium wurde das Bild des Cockpits gleich mehrfach bemüht: Mehrere Referenten machten die enge Zusammenarbeit unter Piloten zum Leitbild ihrer Beiträge, um das für die gelungene Positionierung einer Kinderklinik unverzichtbar enge Teamwork von Geschäftsführenden / Verwaltungsleiter/-in und Chefarzt/-ärztin zu veranschaulichen. Tatsächlich waren einige Kinderkliniken bei diesem Kolloquium über ihre `Doppelspitze´ vertreten!

Insgesamt stieß die kostenpflichtige Veranstaltung auf große Aufmerksamkeit und musste wegen der starken Nachfrage in größere Räume verlegt werden. Aspekte und Fragen der Finanzierung von Kinderkliniken werden die DGKJ auch weiterhin beschäftigen.

Die Vorträge der Referenten gingen allen Teilnehmern im Nachgang per Mail zu.

 

Dr. Sybille Lunau
DGKJ-Geschäftsstelle

 

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