Antworten von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

 

auf die Wahlprüfsteine für die Bundestagswahl 2013 von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.

Arzneimittel

Die Beteiligung von Kindern an Klinischen Prüfungen ist aus guten Gründen stark eingeschränkt. Die Verbesserung der Qualität und der Sicherheit der Arzneimittelversorgung von Kindern muss deshalb auch auf anderen Wegen erfolgen. Für sinnvoll halten würden wir zum Beispiel ein Forschungsprogramm, das sich der Frage widmet, wie Kinder Arzneimittel „verstoffwechseln“, um daraus Rückschlüsse auf mögliche Dosierungen zu ziehen.

Prävention

Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen halten wir eine derartige Ausweitung für kaum realisierbar. Weit in das Alltagsleben und -verhalten der Kinder hinein reichende Fragestellungen, die ihr Sozialverhalten, die Beziehung zu ihren Eltern oder ihren Medienkonsum betreffen, sind im Rahmen einer kinderärztlichen Untersuchung zuverlässig nicht zu erheben. Sollte es Hinweise auf eine Gefährdung des Kindeswohls geben, sind selbstverständlich die notwendigen Schritte einzuleiten.  Auch Warnsignale, die auf Defizite und Probleme hinweisen, die unterhalb dieser hohen Schwelle liegen, sollten gegenüber den Kindern und Eltern angesprochen werden. Zuverlässig diagnostizieren lassen sie sich aber nicht.

Soziale Prävention

Wir teilen Ihren multiprofessionellen und über die Gesundheitsversorgung im engeren Sinne hinausgehenden Ansatz. Allerdings setzen wir einen stärkeren Akzent auf die Weiterentwicklung und Vernetzung bereits bestehender Strukturen. So treten wir dafür ein, Kindertageseinrichtungen zu Eltern-Kind-Zentren zu machen, die mit vernetzten Informations-, Beratungs- und Schulungsangeboten Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder unterstützen. Dieses „Aufsetzen“ auf bereits Bestehendes favorisieren wir, weil völlig neue Einrichtungen oft erhebliche Probleme haben, nicht nur von den Adressaten, sondern auch von den Entscheidungsträgern vor Ort dauerhaft angenommen werden. Und dies wäre auch deshalb erforderlich, weil über Modellprojekte hinaus die Regelfinanzierung kommunaler oder regionaler Einrichtungen keine Bundesaufgabe ist.

Forschungszentrum für Kindergesundheit

Die Versorgungsforschung hat sich in Deutschland erst in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren zu einem eigenständigen Forschungsgebiet entwickelt. Damit ist ihre Geschichte deutlich kürzer als in vielen anderen Ländern. Das macht sich auch an der noch unzureichenden Forschungsinfrastruktur bemerkbar. Angesichts der steigenden Anforderungen auch an die Qualität der Gesundheitsversorgung müssen der Aufbau und die Förderung entsprechender Strukturen zu einem der zentralen Felder der Forschungspolitik werden. In diesem Zusammenhang halten auch wir die Versorgungsforschung im Bereich der Kindergesundheit für einen der vordringlich zu unterstützenden Bereiche.

Transition

Der Übergang von der Kinder- und Jugendmedizin in die Erwachsenenmedizin ist für junge Erwachsene mit chronischen Erkrankungen eine besonders sensible Phase. In Deutschland findet diese Übergangsphase erst wenige Jahren etwas Aufmerksamkeit. Dementsprechend groß sind die Versorgungsdefizite. Deshalb beobachten wir Modellprogramme, wie das „Berliner Transitionsprogramm“ mit großer Aufmerksamkeit. Eine Übernahme in die Regelversorgung wird zu erwägen sein.

Stationäre Versorgung der Kinder und Jugendlichen in Zukunft

Die Finanzierungsprobleme der Kinderkliniken und Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin unterschieden sich nicht grundsätzlich von denen allgemeiner Krankenhäuser und anderer Abteilungen. Dementsprechend gelten für ihre künftige Finanzierung ähnliche Anforderungen: Der Orientierungswert muss die Personal- und Sachkosten der Krankenhäuser sachgerecht abbilden. Für die regionale Versorgung unverzichtbare, aber nicht vollumfänglich wirtschaftlich zu betreibende  Häuser,  müssen Sicherstellungszuschläge erhalten. Um deren Vereinbarung auf Bundesebene zu beschleunigen, ist eine unmissverständliche gesetzliche Vorgabe mit Fristsetzung an die Verhandlungspartner erforderlich. Darüber hinaus muss in der nächsten Legislaturperiode die Investitionsfinanzierung grundlegend zu verändern. Wir schlagen vor, dass sich Länder und Krankenkassen die Investitionskosten teilen können. Auf jeden Euro, den die Länder bereitstellen, sollen die Krankenkassen einen Euro drauflegen.