Antworten Die Linke

 

zum Fragenkatalog der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.

Politische Forderungen der Kinder- und Jugendmedizin

- Arzneimittel

DIE LINKE unterstützt die Forderung nach sicheren Arzneimitteln für Kinder. Es sind vorwiegend zwei Hemmnisse, die bislang verhindern, dass alle Arzneimittel, die bei Kindern angewendet werden, auch für Kinder zugelassen sind. Zum einen ist für die Pharmaindustrie oft finanziell nicht interessant, Arzneimittel für Kinder zuzulassen, da einem recht hohen Aufwand nur eine geringe Gewinnerwartung gegenübersteht. DIE LINKE setzt sich daher für die Stärkung der staatlichen Arzneimittelforschung ein, um eine gute Versorgung bei weniger lukrativen Erkrankungen und Patientengruppen zu sichern. Zum anderen ist es zur Zulassung von Arzneimitteln für Kinder notwendig, Arzneimittelstudien an Kindern durchzuführen. Dies ist ethisch problematisch und hier muss der Schutz der Kinder in solchen Studien absoluten Vorrang haben. Dieser ist durch entsprechende Ethikkommissionen und Einzelfallprüfungen sicherzustellen.

- Prävention

Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche können aus unserer Sicht einen wichtigen Bestandteil der Gesundheitsförderung und –erhaltung von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen darstellen. Dazu muss ihre Qualität gesichert sein, ihr Nutzen evaluiert und die Untersuchungen müssen entsprechend weiterentwickelt werden. Es ist sicherzustellen, dass die durch Vorsorgeuntersuchungen oder Schuleingangsuntersuchungen erhobenen Diagnosen und Hinweise adäquat berücksichtigt und Kinder mit Gesundheitsproblemen oder anderen Handicaps entsprechend gefördert werden. Wenn sich Gesundheitsprobleme und Entwicklungsrückstände bereits manifestiert haben, ist das Kind buchstäblich schon im Brunnen. Für DIE LINKE kommt daher der Gesundheitsförderung und nichtmedizinischen Primärprävention eine große Bedeutung zu, die deutlich früher ansetzt und verhindern hilft, dass überhaupt Gesundheitsprobleme entstehen.

- Soziale Prävention

Im Zentrum der Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen stehen für uns moderne Konzepte zur Gesundheitsförderung und nichtmedizinischen Primärprävention. Dabei ist die Lebenslaufperspektive zu beachten, die besagt, dass Gesundheitsstörungen im Lebenslauf aufeinander aufbauen und von Eltern an Kinder weitergegeben werden. Die Förderung der Kindergesundheit beginnt daher bei der Förderung der Gesundheit der Erwachsenen und die Förderung der Gesundheit der Erwachsenen beginnt bei den Kindern. Ein wichtiger Ansatz im Hinblick auf Gesundheitsförderung und Prävention ist der Lebensweltansatz. Zentrale Idee dieses Ansatzes ist es, die Menschen vor Ort in ihren Lebenswelten zu erreichen. Diese Lebenswelt sollen sie nach ihren Maßgaben verändern und so gesundheitsförderlichere Umgebungen schaffen. Vor allem geht es auch darum, den Menschen Selbstwirksamkeitserfahrungen zu ermöglichen, also ihnen positive Erfahrungen mit Anforderungen zu ermöglichen oder erfahrbar zu machen, dass sie die Umwelt in ihrem Sinne verändern können. Positive Selbstwirksamkeitserfahrungen führen zu selbstbewussten Menschen, die für ihre eigenen Bedürfnisse eintreten auch in Bezug auf ihre Gesundheit. Die Selbstwirksamkeitserwartungen werden besonders stark im Kindes- und Jugendalter geprägt, daher muss diese Altersgruppe im Besonderen in den Fokus genommen werden.

- Forschungszentrum für Kindergesundheit

DIE LINKE unterstützt die Forderung nach einem staatlichen Forschungszentrum für Kindergesundheit. Krankheiten von Kindern sind seltener, meist eher akut und daher weniger lukrativ für die Pharmaindustrie. Die Erforschung der Kindergesundheit findet daher nicht ausreichend statt. Daher ist es sinnvoll, mit staatlichen Mitteln die Erforschung der Kindergesundheit und von Erkrankungen im Kindesalter voranzubringen.

- Transition

Um den Übergang von chronisch kranken Jugendlichen und Jugendlichen mit seltenen Erkrankungen von der Kinder- und Jugendmedizin zu anderen Arztgruppen möglichst gut zu gestalten, ist es notwendig, diesen Prozess frühzeitig und langfristig einzuleiten. Da dieser Übergang immer wieder vorkommen wird, ist es sinnvoll, Netzwerke von Kinder- und Jugendärzten und Fachärzten zu bilden und einen intensiven Austausch beziehungsweise eine gute Übergabe der Ärztinnen und Ärzte zu etablieren. Solche Netzwerke sind in die Förderung von Ärztenetzen einzubeziehen. In besonderen Fällen sollte auch der Einsatz von Case Managerinnen und Case Managern ermöglicht werden, die den Übergang im Interesse des Jugendlichen begleiten.

- Stationäre Versorgung der Kinder und Jugendlichen in Zukunft

DIE LINKE tritt dafür ein, dass Kinder und Jugendliche vorrangig in Fachabteilungen und Fachkliniken für Kinder und Jugendliche behandelt werden. Die Sicherung der Kinderkliniken und Spezialambulanzen für Kinder muss zeitnah im Zuge einer dringenden Reform der Krankenhausfinanzierung geschehen, die einer guten Versorgung gerecht wird. DIE LINKE setzt sich zudem für eine Bedarfsplanung ein, in der die Sektoren der stationären und ambulanten Versorgung überwunden und gemeinsam geplant werden. Die Ausgestaltung der Versorgung muss kleinräumig erfolgen und sich nach dem Bedarf richten, der wissenschaftlich festzustellen ist. Die gesetzliche Krankenversicherung muss das finanzieren, was für eine angemessene medizinische Versorgung notwendig ist. Mit der der solidarischen Finanzierung durch eine Bürgerinnen- und Bürgerversicherung der LINKEN werden Spielräume geschaffen, eine hochwertige Versorgung für alle zukunftssicher zu finanzieren.