Ausgezeichnete Kinder- und Jugendärzte: Preise und Ehrungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin

Prof. Dr. Dr. Niethammer
Prof. Dr. Dr. Niethammer
PD Dr. Liebau, Prof. Dr. Wagner
PD Dr. Liebau, Prof. Dr. Wagner
Dr. Kerber, Prof. Dr. Wagner
Dr. Kerber, Prof. Dr. Wagner

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat drei Kinder- und Jugendärzte/innen, die in sehr unterschiedlichen Phasen des wissenschaftlichen Lebens stehen, für ihre herausragenden Leistungen geehrt. Die Preisverleihungen fanden am 13. September 2014 in Leipzig statt, wo die 110. Jahrestagung der DGKJ mit fast 3.000 Teilnehmern veranstaltet wurde.

Otto-Heubner-Preisträger 2014: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Dietrich Niethammer  

„Wir ehren das beeindruckende Lebenswerk eines hoch angesehenen Kinderarztes, Wissenschaftlers und pädiatrischen Onkologen, der sich sehr breit engagiert hat und über die Grenzen der Pädiatrie hinaus größte Anerkennung gefunden hat. Sein erfolgreiches Wirken für die Kinder war stets begleitet von dem Bewusstsein der ethischen Grundlagen ärztlichen Handelns“, so Prof. Dr. Norbert Wagner, Präsident der DGKJ, bei der Übergabe der Otto-Heubner-Medaille am 13. September in Leipzig.

Nach der Preisverleihung im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin konnte Herr Prof. Niethammer die Gratulationen von Weggefährten und auch ehemaliger Schüler entgegennehmen, die heute selbst aktiv die Pädiatrie an Universitätskliniken und in den Fachgesellschaften gestalten.

Der Otto-Heubner-Preis ist die höchste Auszeichnung der DGKJ und als Ehrung eines außergewöhnlichen Lebenswerkes in der Kinder- und Jugendmedizin konzipiert.

Prof. Niethammer wurde 1939 in Leipzig geboren, promovierte nach den Studienjahren in Tübingen, Wien und München 1967 an der Universitäts-Augenklinik in Tübingen. Nach einem Aufenthalt in Kalifornien durchlief er seine Facharztausbildung in Ulm und habilitierte sich 1977. Ein Jahr darauf folgte er dem Ruf auf die Professur für pädiatrische Hämatologie in Tübingen, und 1986 übernahm er ebendort die Professur für Kinderheilkunde. Bis zu seiner Emeritierung 2005 lehrte er in Tübingen.

Prof. Dr. Niethammer gilt als einer der Pioniere der Knochenmark- und Stammzelltransplantation, er war einer der ersten, die eine allogene Knochenmarktransplantation bei einem Kind in Deutschland durchgeführt haben. Neben diesem wissenschaftlich und klinisch prägendem Bereich, für den er zudem einen Sonderforschungsbereich initiieren konnte, hat er weitere Felder der pädiatrischen Versorgung stark geprägt, so z.B. die familienorientierte Rehabilitation in der Kinder-Onkologie. In diesen innovativen Nachsorgekonzepten trat Prof. Niethammer entschlossen dafür ein, nicht nur die Eltern, sondern auch die kranken Kinder als gleichberechtigte Gesprächspartner einzubeziehen.

Die Aktivitäten Dietrich Niethammers während und nach seiner aktiven Zeit als Direktor der Tübinger Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin sind zahlreich, und reichen über die Pädiatrie weit hinaus, z.B. als

·         Generalsekretär der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin,

·         Mitglied der Ethikkommission sowie im wissenschaftlichen Beirat der Bundesärztekammer,

·         Mitglied des Wissenschaftsrates der Bundesrepublik Deutschland und in der Arbeitsgruppe „Medizinische Fakultäten in den neuen Bundesländern“ des Wissenschaftsrates,

·         Mitglied des Gesundheitsforschungsrates am BMBF,

·         Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin und Senior Advisor des Rektors des Wissenschaftskollegs zu Berlin.

In seiner Gratulation hob DGKJ-Präsident Prof. Dr. Norbert Wagner das ethisch begründete ärztliche Handeln und besonders das fachliche Urteilsvermögen des Preisträgers hervor: „Weit über die Pädiatrie und auch die Medizin hinaus ist sein Rat auch heute noch sehr geschätzt“.

Die Otto-Heubner-Medaille wird in Abständen von frühestens 3 Jahren an Persönlichkeiten der Kinder- und Jugendmedizin verliehen, die herausragende Verdienste um das kranke Kind und die Kinderheilkunde erworben haben. Die Auszeichnung kam zuletzt 2011 Prof. Dr. Hansjörg Riehm zu, frühere Preisträger waren Prof. Dr. Dr. h.c. Theodor Hellbrügge (2008) und Prof. Dr. Jürgen Spranger (2004).

Nachwuchs-Förderung: Adalbert-Czerny-Preis für PD Dr. Max Christoph Liebau

PD Dr. Max Christoph Liebau erhielt den Adalbert-Czerny-Preis der DGKJ, mit dem besondere wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendmedizin und ihrer Grenzgebiete ausgezeichnet werden.

Der 37-jährige Kinder- und Jugendarzt aus Köln reichte die Arbeit „Zur molekularen Pathogenese genetischer Nierenerkrankungen des Kindes- und Jugendalters“ ein.

Herr Liebau befasste sich mit der Rolle von Podozyten bei glomerulären Erkrankungen und mit den genetischen und pathopysiologischen Grundlagen von sog. Ziliopathien, die zystischen Nierenerkrankungen zugrunde liegen. Seine wissenschaftlichen Arbeiten wurden bereits in hochrangigen Journalen publiziert. Die Jury, besetzt mit Prof. Dr. Borkhardt, Prof. Dr. Krägeloh-Mann und Prof. Dr. Klein, begründet ihre einstimmige Entscheidung wie folgt: „Inhaltlich imponieren seine Arbeiten durch eine konsistente, grundlagenwissenschaftliche Auseinandersetzung mit der molekularen Grundlage und Pathogenese der genetischen Nierenerkrankungen.“

PD Dr. Liebau ist an der Universitäts-Kinderklinik in Köln tätig und erhielt im März des Jahres seine Venia Legendi für das Fach Kinderheilkunde.

Der Adalbert-Czerny-Preis zeichnet Wissenschaftler, bevorzugt wissenschaftlichen Nachwuchs, für besondere wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Kinderheilkunde aus. Er wird jährlich verliehen und besteht aus der Adalbert-Czerny-Medaille und einem Geldpreis von € 10.000.

Ausgezeichnete Promotion: Dr. Karolin Kerber

Mit der Arbeit „Hochfrequenzoszillationen (80-500 Hz) spiegeln Epileptogenität bei Patienten mit Fokaler Kortikaler Dysplasie“ bewarb sich Karolin Kerber um den Selma-Meyer-Dissertationspreis der DGKJ.

Die 28-Jährige promovierte an der Universität Freiburg und ist derzeit in der Facharztausbildung am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Uniklinikums Eppendorf in Hamburg. Die Jury - Prof. Dr. Berner,  Prof. Dr. Schönau und Prof. Dr. Spiekerkötter - sprach der Arbeit Frau Dr. Kerbers aufgrund ihres pädiatrischen Bezugs und ihrer klinischen Relevanz den DGKJ-Dissertationspreis zu.

Der mit 2.500 Euro dotierte Dissertationspreis der DGKJ trägt den Namen der jüdischen Kinderärztin Selma Meyer, die 1927 als erste Frau zur außerordentlichen Professorin für Kinderheilkunde ernannt worden war.

 

Pressekontakt

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)
Dr. Sybille Lunau | Ref. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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