Mitteilung der AG Transition

Mitteilung der AG Transition der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)

Mitglieder: Dr. Frank Bösebeck, Rotenburg (Deutsche Gesellschaft für Neurologie); Prof. Dr. Gesine Hansen, Hannover (DGKJ); Prof. Dr. Berthold Hauffa, Essen (DGKJ); PD Dr. Arpad von Moers, Berlin (DGKJ, für die Neuropädiatrie); Prof. Dr. Martin Reincke, München (DGIM); PD Dr. Burkhard Rodeck (DGKJ); Prof. Dr. Britta Siegmund (DGIM). Ständige Sachverständige: Dr. Silvia Müther, Berliner Transitionsprogramm.

Die Transition aus der pädiatrischen Betreuung in die Betreuung durch einen Erwachsenenmediziner erfolgt meist in der späten Adoleszenz, d.h. in einem Zeitraum mit hoher Vulnerabilität. Wird diese Transition nicht gut vorbereitet und begleitet, kommt es oft zu Behandlungsabbrüchen oder -unterbrechungen mit zum Teil erheblichen negativen Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf und damit auch zu gravierenden sozioökonomischen Konsequenzen. Bereits 2009 wurde vom Sachverständigenrat  zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen die Betreuung chronisch kranker Jugendlicher in der Übergangsphase als mangelhaft bewertet und Empfehlungen zur Verbesserung ausgegeben. Dies wurde 2011 durch die Bundesärztekammer unterstützt. Von Seiten des Gesetzgebers wie auch der Kostenträger fehlt aber bislang  eine flächendeckende Anerkennung dieser besonderen Betreuungssituation. Es existieren zwar einzelne regionale fachspezifische Einzellösungen, jedoch fehlt eine fächerübergreifende Struktur, die den Prozess der Transition nicht nur begleitet und absichert, sondern auch die dafür notwendigen Maßnahmen vergütet.

Zur Lösung dieser Problematik wurde durch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) im Jahr 2012 die Arbeitsgruppe Transition gegründet und Anfang 2013 um die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) erweitert. Im gleichen Jahr hat sich die Deutsche Gesellschaft für Transitionsmedizin e.V. gegründet, die mit der AG Transition im  engen Austausch steht. Diese Gesellschaft versteht sich als Interessenvertretung des interdisziplinären Teams, welches zur Betreuung und Begleitung der Betroffenen notwendig ist. Der Jahreskongress der Gesellschaft sorgt für einen regelmäßigen Austausch aller Interessierten und Involvierten. Weitere Informationen sind erhältlich unter www.transitionsmedizin.de.

Grundsätzlich gibt es verschiedene Patientengruppen, die in die Erwachsenenmedizin transitieren:

1. Jugendliche mit chronischen Erkrankungen, die in der Erwachsenenmedizin bekannt sind (z.B. Diabetes mellitus, Asthma bronchiale, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Epilepsie, von Hypothalamus und Hypophyse ausgehende Hormonstörungen),

2. Patienten mit in der Erwachsenenmedizin weitgehend unbekannten Erkrankungen (z.B. zystische Fibrose, seltene Stoffwechselerkrankungen),

3. Patienten mit psychomentalen und statomotorischen Retardierungen, die auch im Erwachsenenalter keine Autonomie gewinnen können.

Das Berliner TransitionsProgramm (BTP), das von den DRK-Kliniken Berlin im Rahmen einer Förderung durch die Robert Bosch Stiftung zunächst für die Erkrankungen Epilepsie und Diabetes Typ 1 für die Region Berlin/Brandenburg erarbeitet wurde, eignet sich von der Grundstruktur für einen fach- und indikationsübergreifenden und zudem überregionalen Einsatz. Innerhalb dieses Modellprogramms wurden Strukturelemente wie Transitionsgespräche, gemeinsame Sprechstunden, Fallkonferenzen und ein Sektor übergreifendes Fallmanagement etabliert, seit Mitte 2009 erprobt und fachübergreifende und krankheitsspezifische Materialien (Transitions-Heft, Epikrise, Fragebögen, Infobroschüre) erarbeitet. Die Vergütung des Programms wird aktuell von Kostenträgern im Rahmen von Selektivverträgen oder als Einzelfallentscheidung übernommen. Das Modellprogramm wird auf andere Erkrankungen aus dem rheumatologischen Formenkreis, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, aus dem Bereich der Nephrologie und seltene Muskelerkrankungen ausgedehnt. Zusätzlich erfolgt eine überregionale Ausweitung auf andere Bundesländer.

Die Arbeitsgruppe ist mit verschiedenen Entscheidungsträgern der Gesundheitspolitik (Gemeinsamer Bundesausschuss, Ärztekammern, Krankenkassen etc.) in einen Dialog eingetreten, um die Struktur und die Finanzierungsmöglichkeiten eines einheitlichen Transitionskonzeptes ausgehend vom Berliner TransitionsProgramm zu klären.

Bzgl. der Finanzierung ist eine Verankerung einer definierten Transitionsleistung im § 43 SGB V angestrebt, hinsichtlich der Anbindung des Transitionsmanagements an eine bundesweit operierende Organisationseinheit ist die AG Transition in einem vielversprechenden Dialog mit dem Bundesverband „Bunter Kreis“.

Die AG Transition der großen Fachgesellschaften sieht sich als Vertreter für alle Disziplinen, die sich mit dem Thema Transition befassen, steht gern für Rückfragen bereit und bittet zudem um Informationen aus allen Bereichen, um politisch effektiv handeln zu können.

 

Korrespondenzadresse:

Priv.-Doz. Dr Burkhard Rodeck
Christliches Kinderhospital Osnabrück GmbH
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin
Johannisfreiheit 1, 49074 Osnabrück
E-Mail: b.rodeck(at)ckos.de