Kopflausbefall (Pediculosis capitis): ein Ratgeber für Kinderärzte und Betroffene

Erreger und Biologie / Übertragungsweg und Ansteckung
Vorkommen, Häufigkeit, Risikofaktoren / Klinische Symptomatik
Diagnose /Dauer der Ansteckungsfähigkeit
Therapie
Maßnahmen bei einer Epidemie / Zusammenfassung
Anhang / Literatur / Autorenhinweis

Erreger und Biologie

Läuse sind blutsaugende, flügellose Insekten. Sie können nicht fliegen und nicht springen. Die Kopflaus (Pediculus humanus capitis) und die Kleiderlaus (Pediculus humanus corporis) sind eng miteinander verwandt und morphologisch und genetisch sehr ähnlich.

Die Kopflaus hat sich perfekt an den menschlichen Kopf adaptiert: Die Endglieder der sechs Beine sind zu Klauen umgeformt, mit denen sich die Laus hervorragend an einem Haar festhalten und entlang laufen kann. Auf glatten Oberflächen können sich Kopfläuse nur schlecht fortbewegen. Sie leben ausschließlich auf dem menschlichen Kopf und können weder Haus- noch Wildtiere befallen.

Wie andere Insekten vermehren sich Kopfläuse über Eier. Diese werden mit einer wasserunlöslichen Substanz nah am Haaransatz an ein Haar gekittet. Adulte Läuse leben zwischen drei und vier Wochen. Die Weibchen produzieren in dieser Zeit bis zu 200 Eier. Von der Anheftung eines Eis an ein Haar bis zur Präsenz einer fortpflanzungsfähigen Laus vergehen minimal 17 und maximal 21 Tage. 

Im Gegensatz zu anderen Insekten machen Läuse nur eine inkomplette Metamorphose durch, das heißt, es gibt kein Larven- und kein Puppenstadium. Die aus dem Ei schlüpfende Nymphe sieht bereits wie eine erwachsene Laus aus, ist nur deutlich kleiner. 99 Prozent der Nymphen schlüpfen innerhalb von sieben bis neun Tagen; weniger als 0,1 Prozent erst nach 10 Tagen. Deshalb erfolgt die zweite Behandlung frühestens am siebten und spätestens am zehnten Tag (siehe unten). Jeweils im Abstand von drei Tagen entwickeln sich das zweite und das dritte Nymphenstadium. Spätestens nach neun Tagen nach dem Schlüpfen der Nymphen (und 21 Tage nach der Eiablage) sind fortpflanzungsfähige Adulte auf der Kopfhaut präsent. Nach dem Schlüpfen der Nymphen bleiben die leeren Eihüllen (Nissen) am Haar kleben. Sie entfernen sich mit dem wachsenden Haar peut-à-peut vom Haaransatz. 

Während die ersten beiden Nymphenstadien stationäre Parasiten sind, nutzen ältere Nymphen und adulte Läuse jede sich bietende Gelegenheit für einen Wirtswechsel.

Kopfläuse benötigen alle zwei bis drei Stunden Blut. Sie können außerhalb des menschlichen Kopfes nur kurze Zeit überleben. Fallen sie vom Kopf, sind sie bereits nach wenigen Stunden so dehydriert, dass sie keinen Speichel mehr produzieren, und deshalb auch kein Blut mehr saugen können. Untersuchungen australischer Forscher haben gezeigt, dass dehydrierte Kopfläuse absterben, selbst wenn sie mit fremder Hilfe wieder auf einen Kopf gelangen.

Läuse atmen über ein simpel aufgebautes Atemwegssystem. Sie haben an jeder Längsseite sieben Atemöffnungen, so genannte Stigmen (Durchmesser etwa 10 μm), die in Tracheen übergehen. Über die Tracheen werden die Organe der Laus mit Sauerstoff versorgt und überschüssige Flüssigkeit in Form von Wasserdampf abgegeben. Das Atemwegssystem ist eine therapeutische Achillesferse der Parasiten (siehe unten).

Schlüsselinformationen

  • Läuse können sich nur auf dem menschlichen Kopf vermehren
  • Aus den Eiern entwickeln sich über drei Nymphenstadien erwachsene Läuse (frühestens nach 17, spätestens nach 21 Tagen)
  • Läuse benötigen alle drei bis vier Stunden Blut; außerhalb des Kopfes sterben sie rasch ab.

Übertragungsweg und Ansteckung

Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt der Haare zweier Personen. Haben die Haare engen Kontakt, findet die Ansteckung in wenigen Augenblicken statt. Besteht Kopfhaarkontakt zwischen Personen über eine längere Zeit (beispielsweise, wenn Kinder in einem Bett zusammen schlafen), so wechseln Läuse innerhalb von Stunden mehrfach den Wirt.

Untersuchungen in Australien haben gezeigt, dass gemeinsam benutzte Kopfbedeckungen für die Übertragung von Kopfläusen keine Rolle spielen: die Kopfbedeckungen von 1.000 untersuchten Kindern enthielten keine einzige Laus, während von den Köpfen dieser Kinder 5.000 Läuse isoliert wurden. Möbel, Fußböden und textile Strukturen in 118 Klassenzimmern waren ohne Kopfläuse, obwohl bei 446 von 2.230 Schülern dieser Klassen ein Kopflausbefall mit insgesamt 14.000 Parasiten nachgewiesen werden konnte. Selbst bei schwer infestierten Kindern mit mehr als hundert Kopfläusen ließ sich nach dem Verlassen des Bettes nur in Einzelfällen eine Kopflaus auf dem Kopfkissen identifizieren. Zusammengefasst bedeutet dies, dass die Übertragung von Kopfläusen über inerte Oberflächen infektionsepidemiologisch von zu vernachlässigender Bedeutung ist. Das schließt nicht aus, dass im Einzelfall eine Übertragung durch gemeinsam benutzte Haarutensilien (Kamm, Bürste) oder Kopftextilien (Mütze, Kopftuch) erfolgen kann.

Schlüsselinformationen

  • Kopfläuse werden durch Kopf-zu-Kopf-Kontakt übertragen
  • Eine Übertragung durch Textilien ist theoretisch denkbar, spielt aber praktisch keine Rolle

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