Diagnose

In Mitteleuropa haben Kinder meist weniger als zehn Kopfläuse. Bei verwahrlosten Kindern, beispielsweise in Entwicklungsländern, sind dagegen mehrere Hundert Läuse nicht selten. Je weniger Kopfläuse auf einem Kinderkopf sind, desto schwieriger ist der Nachweis.

Die Diagnose wird durch den Nachweis von Nymphen, adulten Läusen oder entwicklungsfähigen Eiern gestellt. Entwicklungsfähige Eier sind gräulich-bräunlich, mit einem Deckel (Operculum) verschlossen und haften weniger als einen cm vom Haaransatz entfernt. Bei einer Größe von 1 - 3,5 mm und einer häufig transparenten oder hautfarbenen Chitinhülle sind insbesondere die Nymphen ohne Lupe nur schwer zu erkennen. Eine aktive Infestation liegt vor, wenn Läuse oder embryonierte Eier präsent sind. Die ausschließliche Präsenz von Eihüllen (Nissen) zeigt eine früher durchgemachte Infestation an.

Die beiden zur Diagnose der Pediculosis capitis validierten Methoden sind die visuelle Inspektion und das systematische Auskämmen. Beim feuchten Auskämmen wird das Haar vorab mit einer Haarpflegespülung durchfeuchtet, mit einem normalen Kamm in Strähnen gelegt und dann systematisch mit einem Lauskamm ausgekämmt bis die Haarpflegespülung ausgekämmt ist (Zinkenabstand 0,2 mm; parallele Zinken aus hochwertigem Kunststoff oder Metall). Der Kamm wird so geführt, dass er von der Kopfhaut aus zu den Haarspitzen heruntergezogen wird. Nach jedem Kämmen wird die Pflegespülung auf einem weißen Tuch oder Küchenkrepp ausgestrichen. Die mit dem Kamm erfassten Kopfläuse werden so sichtbar. Wird das diagnostische Auskämmen systematisch durchgeführt, so ist dies gleichzeitig eine therapeutische Maßnahme

Bei der visuellen Inspektion werden Kopfhaut und Haare systematisch untersucht, entweder mit bloßem Auge oder mit Hilfe einer Lupe.

Differentialdiagnostisch sind Eihüllen (Nissen) von Schuppen und eingetrockneten Resten von Haargel, Haarspray oder Haarhülsen (Überbleibsel der inneren Wurzelscheide) abzugrenzen. Eier bzw. Eihüllen kleben in einem spitzen Winkel an einem Haar, haben alle dieselbe ovale Form und lassen sich auch mit einem Läusekamm nur schwer entfernen. Artefakte und Schuppen sind dagegen von unregelmäßiger Form und können leicht abgestreift werden.

Das feuchte Auskämmen ist die Methode der Wahl, um eine aktive Infestation zu erkennen (Sensitivität = 91 Prozent; Sensitivität visuelle Inspektion = 29 Prozent) zu erkennen. Wenn es darum geht, die Häufigkeit einer kürzlich durchgemachten Infestation (Präsenz von ausschließlich Eihüllen oder nicht entwicklungsfähigen Eiern) in einer Bevölkerungsgruppe zu bestimmen, ist die visuelle Inspektion dem feuchten Auskämmen überlegen (Sensitivität 86 Prozent versus 68 Prozent).

Schlüsselinformationen

  • In Mitteleuropa haben Kinder meist weniger als zehn Kopfläuse
  • Die zuverlässigste Methode, um eine aktive, also behandlungsbedürftige, Infestation zu erkennen, ist das systematische feuchte Auskämmen aller Haare
  • Die visuelle Inspektion übersieht jedes dritte behandlungsbedürftige Kind

Dauer der Ansteckungsfähigkeit

Personen sind ansteckungsfähig, sobald sie mobile Läuse auf ihrem Kopf haben. Da die Infestation in der Regel erst durch Präsenz der charakteristischen Symptome erkannt wird, und bei einem Erstbefall die Symptome mit einer Latenz von vier bis sechs Wochen auftreten (siehe oben), ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Patient bereits vor der Diagnosestellung die Parasiten auf andere Personen in der Familie, dem Spielkreis oder dem Kindergarten übertragen hat.

Umgehend nach der Behandlung mit einem wirksamen Medikament besteht keine Ansteckungsfähigkeit mehr. Kinder können also die Gemeinschaftseinrichtung sofort nach der Durchführung einer adäquaten Therapie besuchen.

Schlüsselinformationen

  • Nicht erkannte Patienten haben während der Inkubationszeit vermutlich bereits andere Personen angesteckt
  • Umgehend nach der Behandlung kann die Gemeinschaftseinrichtung wieder besucht werden


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