Therapie

Drei unterschiedliche therapeutische Ansätze werden genutzt: die mechanische Entfernung von Kopfläusen mittels Läusekamm, die topische Anwendung eines Pedikulozids und die orale Behandlung. Generell gilt, dass nur eine aktive Infestation behandelt wird. Träger von ausschließlich Nissen (Eihüllen) stellen kein Infestationsrisiko dar und bedürfen keiner Behandlung. Lässt sich das in der Praxis nicht differenzieren, ist die Behandlung mit einem sicher nicht toxischen Produkt angeraten.

Mechanische Entfernung

Die mechanische Behandlung einer Pedikulose mittels Läusekamm ist eine seit alters her praktizierte, zuverlässige Methode. Um sicher alle Parasiten zu entfernen, muss das Haar vier Wochen lang zwei Mal pro Woche ausgekämmt werden. Dies verlangt eine gute Compliance von Patient und Mutter/Vater und ist in Familien mit mehreren Kindern wenig praktikabel. Kämme mit Stahlzinken eignen sich für alle Haartypen, inklusive sehr langem und dicken Haar. Kämme aus Kunststoff eignen sich besonders für kurzes Haar. Sinnvollerweise wird das Auskämmen mit einer anderen Methode kombiniert.

Topisch wirksame Substanzen

Grundsätzlich wird die Therapie nach sieben bis neun Tagen wiederholt.

Neurotoxisch wirkende Pedikulozide

Neurotoxisch wirkende Pedikulozide sind Insektizide auf der Basis von Organophosphaten (Malathion), Carbamaten (Carbaryl), Pyrethrum (natürlicher Chrysanthemenextrakt) oder synthetischen Pyrethroiden wie Allethrin, Permethrin, Deltamethrin und Permethrin. Der massenhafte Einsatz von neurotoxisch wirkenden Pedikuloziden hat weltweit zur Entwicklung resistenter Parasitenpopulationen geführt. In Großbritannien beispielsweise sank die Wirksamkeit von Permethrin von 97 % in den 1990er Jahren auf 13 % in 2013. Weitere Argumente, die gegen den Einsatz von neurotoxisch wirkenden Pedikuloziden sprechen, sind:

  • Pyrethroide werden über die Haut resorbiert; auch Zusatz-/Hilfsstoffe werden unter toxikologischen Gesichtspunkten als bedenklich betrachtet
  • Pyrethrum und Pyrethroide können eine Allergie auslösen bzw. eine existierende Allergie auf Chrysanthemen verstärken
  • Werden die Produkte akzidentell über den Mund aufgenommen, sind neurologische Komplikationen wie Paralyse und Polyneuropathie möglich
  • Frühere Anwendung von neurotoxisch wirkenden Pedikuloziden erhöht möglicherweise das Erkrankungsrisiko für Leukämie

Unter Experten besteht Einvernehmen, dass neurotoxisch wirkende Pedikulozide nicht länger zur Behandlung einer Pediculosis capitis eingesetzt werden soll, insbesondere, da wirksame und sicher untoxische Alternativen zur Verfügung stehen (siehe unten).

Pedikulozide auf pflanzlicher Basis

Pedikulozide Präparate auf pflanzlicher Basis enthalten ätherische Öle, mit oder ohne pflanzliche Fettsäuren. Die ätherischen Öle sind in der Regel komplexe Einzelstoffmischungen. Nur für ein  Produkt aus Kokosöl- und -derivaten (Aesculo® Gel L) und einem Extrakt aus Samen des Neem-Baums (LICENER® Shampoo) wurde die Wirksamkeit in klinischen Studien untersucht. Die klinischen Studien zu LICENER® Shampoo wurden allerdings nicht lege artis durchgeführt (keine Randomisierung, keine Verblindung). Eine Aussage über die Wirksamkeit ist deshalb nicht möglich.

Ob Pedikulozide auf pflanzlicher Basis ähnlich wirken wie neurotoxisch wirkende Pedikulozide und/oder ein physikalisches Wirkprinzip haben, ist nicht eindeutig geklärt. Von einigen ätherischen Ölen ist bekannt, dass sie ein allergenes Potential haben. Andere wirken hautirritierend.

Verschiedene Hersteller propagieren die Anwendung von Phythotherapeutika als Repellent, um eine Infestation (beispielsweise bei einer Epidemie) zu vermeiden. Die postulierte präventive Wirkung ist nicht durch Daten belegt.

Physikalisch wirkende Pedikulozide

Eine neue Generation von topisch applizierbaren Pedikuloziden enthält Dimeticone und wirkt rein physikalisch. Dimeticone sind farblose polymere Verbindungen aus Silizium und Sauerstoff. Die Kriech- und Spreiteigenschaften von Dimeticonen hängen von der Länge des Kettenmoleküls und anderen molekularen Merkmalen ab. Dimeticone sind biochemisch inert und werden nach oraler Aufnahme oder Applikation auf die Haut nicht resorbiert. Sie gelten als sicher untoxisch.

Dimeticone mit einer geringen Oberflächenspannung können in kurzer Zeit mikroskopisch kleine Oberflächen komplett bedecken. Sie kriechen über den Chitinkörper der Laus, dringen in das Atemwegssystem ein und verdrängen den Sauerstoff, den der Parasit zum Atmen benötigt.

Die derzeit in Deutschland auf dem Markt befindlichen Dimeticon-haltigen Pedikulozide sind in der Tabelle zusammengefasst. Alle Produkte sind als Medizinprodukte zugelassen. Die Produkte unterscheiden sich in den physiko-chemischen Eigenschaften des eingesetzten Dimeticons, der Dimeticonkonzentration, der Zusammensetzung aus Dimeticonen unterschiedlicher Kettenlänge, dem eingesetzten Lösungsmittel und der Beimischung von Zusatzstoffen wie Rizinus- oder Kokosnussöl, die ihrerseits eine pedikulozide Wirkung haben. Nur für die Produkte NYDA® und EtoPril/Hedrin® liegen publizierte Daten vor. NYDA® zeigte eine klinische Wirksamkeit von 97 %, bei EtoPril® schwankte die Wirksamkeit zwischen 70 % und 92 % in Abhängigkeit vom Studienort.

Für NYDA® und Jacutin® Pedicul Fluid ist in in-vitro-Studien eine hohe ovizide (abtötende) Wirkung (98 % bzw. 100 %) belegt. Dimeticone, die nachgewiesenermaßen eine hohe Wirkung gegen Läuse und Eier haben, brauchen theoretisch nur einmal angewandt werden. Andere Dimeticon-haltige Produkte haben keine ovizide Wirkung bzw. eine ovizide Wirkung ist nicht untersucht. Die Wirksamkeit auf Eier hängt stark von den physiko-chemischen Merkmalen des eingesetzten Dimeticons ab. Der rasche Wirkungseintritt und das physikalische Wirkprinzip der Dimeticone machen die Entwicklung resistenter Parasitenpopulationen extrem unwahrscheinlich. Dimeticone, insbesondere solche, die Cyclomethicon als Lösungsmittel enthalten, sind leicht entflammbar. Während der Einwirkzeit des Produkts müssen die Haare unbedingt von Zündquellen (z. B. Zigaretten, gasbetriebene Warmwasserbereiter, Föhn) ferngehalten werden.

Orale Behandlung mit Ivermectin

Ivermectin ist ein sehr wirksames Breitspektrumantihelminthikum, das auch auf blutsaugende Läuse und Krätzemilben wirkt. Die Dosierung ist 200 µ/kg mit einer Wiederholungsbehandlung nach 8 - 10 Tagen. Kopfläuse nehmen die Substanz über das Blut auf und sterben innerhalb von 12 - 18 Stunden. Ivermectin ist in Deutschland nicht für die Indikation Pediculosis capitis zugelassen. Es bietet sich im Einzelfall als Alternative bei polyparasitierten Kindern (intestinale Helminthen und Kopflausbefall und/oder Krätze) an. Kinder mit < 15 kg Körpergewicht dürfen nicht mit Ivermectin behandelt werden.

Schlüsselinformationen

  • Pedikulozide mit neurotoxischem Wirkungsprinzip sind nicht empfehlenswert
  • Die Datenlage für Pedikulozide auf pflanzlicher Basis ist bis auf zwei Ausnahmen nicht ausreichend
  • Dimeticone sind die Mittel der Wahl
  • Die Wirksamkeit der Dimeticonprodukte ist unterschiedlich; für zwei Produkte ist eine hohe Wirksamkeit durch adäquate Studien nachgewiesen
  • Eine Behandlung mit Ivermectin bietet sich an, wenn das Kind gleichzeitig mit unterschiedlichen Ektoparasitosen infestiert ist oder zusätzlich intestinale Helminthen hat

Weiter