Maßnahmen bei einer Epidemie / Zusammenfassung

Wie Untersuchungen gezeigt haben, sind entweder unbehandelte asymptomatische Träger von Kopfläusen dafür verantwortlich, dass in einer Einrichtung immer wieder neue Fälle auftreten bzw. die Epidemie über Monate weiter schwelt oder die Parasiten werden durch Besucher/Neuzugänge in die betreffende Einrichtung wieder einschleppt.

Die Grundprinzipien zur Bekämpfung einer Epidemie sind:

  • Alle Kontaktpersonen des Indexfalles bzw. der bereits diagnostizierten Kinder (Familie, Spielkreis, Kindergarten, Schulklasse, Freund) werden auf Kopflausbefall mit der Methode des feuchten Auskämmens untersucht (wegen der geringen Sensitivität ist die visuelle Inspektion nicht geeignet).
  • Die Behandlung erfolgt mit einem Produkt mit nachgewiesenermaßen hoher Wirksamkeit gegen adulte Läuse und Eier
  • Die Behandlung aller Personen mit Kopflausbefall (Familie, Spielkreis, Freunde, etc.) erfolgt synchron, also am gleichen Tag
  • Personen, bei denen wahrscheinlich ebenfalls eine Pediculosis capitis vorliegt (Geschwisterkinder, Teilnehmer eines Spielkreises, enge Freundinnen eines erkrankten Mädchens), können auch ohne vorheriges Auskämmen behandelt werden, wenn ein sicher nicht toxisches und nachweislich hoch wirksames Produkt gegen Läuse und Eier eingesetzt wird

Dieses Vorgehen verhindert, dass asymptomatische Träger von Kopfläusen unerkannt unbehandelt bleiben.

Maßnahmen der Eltern

Wird bei einem Kind Kopflausbefall festgestellt, sind die Eltern gemäß § 34 Abs. 5 IfSG verpflichtet („Mitwirkungspflicht“), der Gemeinschaftseinrichtung, die ihr Kind besucht, Mitteilung zu machen. Den Eltern muss klar sein, dass das rasche Erkennen aller Kinder mit Kopflausbefall eine Voraussetzung für die erfolgreichen Maßnahmen einer Epidemie ist.

Da Kopfläuse sich nur auf dem menschlichen Kopf ernähren und vermehren können, sind Reinigungs- und andere hygienische Maßnahmen von untergeordneter Bedeutung. Kämme, Haarbürsten, etc. können in heißer Seifenlösung gereinigt, Schlafanzug, Bettwäsche und Leibwäsche gewechselt und Kopfbedeckungen und Schals bei > 50° C maschinell gewaschen oder für 40 Minuten in einem Wäschetrockner behandelt werden. Die Maßnahmen dienen dem häuslichen Wohlbefinden, beruhen aber nicht auf infektionsmedizinischen Notwendigkeiten. Auf die Anwendung von Insektizid-Sprays ist aus toxikologischen Gründen zu verzichten.

Aufgaben der Einrichtung

Die Leitung einer Gemeinschaftseinrichtung ist nach § 34 Abs. 6 IfSG verpflichtet, das zuständige Gesundheitsamt über einen durch die Eltern mitgeteilten oder in der Einrichtung selbst festgestellten Kopflausbefall mit Nennung des Namens des Patienten zu benachrichtigen. Sie leitet eigenverantwortlich die Maßnahmen ein, die geeignet sind, eine Weiterverbreitung des Kopflausbefalls in der Einrichtung zu verhindern. Die Eltern müssen über das Auftreten der Parasiten in der Einrichtung, beispielsweise durch einen Aushang, informiert werden. Die Einrichtung soll die Eltern auffordern, alle Kinder der Familie und sich selbst mittels feuchten Auskämmens zu untersuchen und dies der Einrichtung schriftlich bestätigen. Die Einrichtung sollte Rückmeldungen über durchgeführte Untersuchungen und Behandlungen registrieren, um infektionsepidemiologische Lücken erkennen und schließen zu können. Ziel ist, alle infestierte Kinder oder Jugendliche im Umfeld der betroffenen Einrichtung zeitnah zu identifizieren und eine wirksame Behandlung einzuleiten.

Wird eine Pediculosis capitis während des Besuchs einer Einrichtung zufällig entdeckt, so braucht das betreffende Kind nicht sofort nach Hause geschickt werden. Es ist allerdings darauf zu achten, dass Haar-zu-Haar-Kontakt mit anderen Personen vermieden wird. Sinnvollerweise trägt das betroffene Kind vorübergehend eine Kopfbedeckung. Die Eltern des Kindes werden von der Einrichtung informiert, dass noch am selben Tag eine wirksame Behandlung durchgeführt werden muss. Die Eltern müssen die Durchführung der Behandlung bestätigen (ob dies mündlich oder schriftlich erfolgen soll, richtet sich nach den örtlichen Gepflogenheiten). Sofort nach der Behandlung kann das Kind die Gemeinschaftseinrichtung wieder besuchen.

Rolle des Gesundheitsamtes

Aus der im § 34 IfSG vorgeschriebenen Benachrichtigungspflicht durch die Einrichtung ergibt sich für das Gesundheitsamt die Aufgabe durch Information, Empfehlen von geeigneten Maßnahmen und der Veranlassung diagnostischer Untersuchungen einen Beitrag zur schnellen Beendigung der Epidemie in einer Einrichtung zu leisten. Je nach Lage kann es sinnvoll sein, dass die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes direkt mit den Erziehungsberechtigten der betroffenen Klasse/Kindergartengruppe (z. B. im Rahmen von Elternabenden) kommunizieren.

Kinderarzt

In der Routine einer kinderärztlichen Praxis ist es nicht möglich, bei einem Verdachtsfall die Diagnose durch die Methode des feuchten Auskämmens zu bestätigen. Die Kosten für eine lege artis durchgeführte diagnostische Untersuchung werden von den Krankenversicherungen auch nicht erstattet. Es empfiehlt sich, den Aussagen der Mutter/des Vaters Glauben zu schenken und die Behandlung mit einem sicher nicht toxischen und nachweislich gegen Läuse und Eier wirksamen Produkt zu verordnen. Ob der Kinderarzt bei einer Erstinfektion verpflichtet ist, die lege artis Durchführung der Behandlung zu bescheinigen, ist im Infektionsschutzgesetzt (IfSG) nicht klar geregelt. Eine mögliche Interpretation des entsprechenden Paragraphen ist, dass die „Sorgeberchtigten“ der Einrichtung bestätigen, dass eine Behandlung korrekt durchgeführt wurde.

Laut Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses erstatten die gesetzlichen Krankenversicherungen die Dimeticon-haltigen Kopflausmittel NYDA®, Jacutin® Pedicul Fluid, Dimet®20 und EtoPril® bei Kindern bis zum vollendeten 12. Lebensjahr und bei Kindern  mit Entwicklungsstörungen bis zum 18. Lebensjahr.

Zusammenfassung

Die Pediculosis capitis ist die zweit häufigste infektiöse Kinderkrankheit in der Gruppe der Acht - bis Elfjährigen. Kopfläuse sind auf den menschlichen Kopf spezialisiert. Ein Tierreservoir gibt es nicht. Die Übertragung erfolgt durch direkten Haar-zu-Haar-Kontakt. Eine Übertragung durch Textilien ist theoretisch denkbar, spielt aber praktisch keine Rolle. Kopfläuse können außerhalb des menschlichen Kopfes nur kurze Zeit überleben. In Deutschland ist die Inzidenz 87,5/1.000 Kinder/Jahr für Mädchen und 31,9/1.000 Kinder/Jahr für Jungen. Kopflausbefall tritt in Form von Kleinepidemien auf: Familie, Spielkreis, Kindergarten, Schulklasse. Mädchen sind deutlich häufiger betroffen als Jungen. Die Inzidenz steigt nach Ende der Sommerferien an. Kopflausbefall ist kein Hinweis auf mangelnde Körperhygiene. Eine juckende Kopfhaut, erythematöse Papeln und Quaddeln sind die typischen Symptome. Symptome treten bei einer Erstinfestation nach vier bis sechs Wochen auf, bei einer Reinfestation nach 24-48 Stunden. Bis zu drei Viertel der Infestierten entwickelt keine Symptome. Die zuverlässigste Methode, um eine aktive, also behandlungsbedürftige, Infestation zu erkennen, ist das systematische feuchte Auskämmen aller Haare. Nicht erkannte Patienten haben während der Inkubationszeit vermutlich bereits andere Personen angesteckt. Umgehend nach der Behandlung kann die Gemeinschaftseinrichtung wieder besucht werden.

Dimeticone sind die Mittel der Wahl. Der rasche Wirkungseintritt und das physikalische Wirkprinzip der Dimeticone machen die Entwicklung resistenter Parasitenpopulationen extrem unwahrscheinlich.

Die Grundprinzipien bei einer Epidemie sind:

  • Alle Kontaktpersonen des Indexfalles bzw. der bereits diagnostizierten Kinder (Familie, Spielkreis, Kindergarten, Schulklasse, Freund) werden auf Kopflausbefall mit der Methode des feuchten Auskämmens untersucht (wegen der geringen Sensitivität ist die visuelle Inspektion nicht geeignet).
  • Die Behandlung erfolgt mit einem Produkt mit nachgewiesenermaßen hoher Wirksamkeit gegen adulte Läuse und Eier
  • Die Behandlung aller Personen mit Kopflausbefall (Familie, Spielkreis, Freunde, etc.) erfolgt synchron, also am gleichen Tag

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