Im Gedenken der Kinder. Die Ausstellung 2011 in Potsdam

Vom 28. Januar bis 13. März 2011 zeigte das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) in Potsdam die Gastausstellung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) „Im Gedenken der Kinder. Die Kinderärzte und die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit“, die in Zusammenarbeit mit der Brandenburgischen Historischen Kommission und dem Institut für Geschichte der Medizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin erarbeitet wurde. 

Über siebzig Jahre nach dem Beginn systematischer Tötungen von geistig und körperlich behinderten Menschen 1939/40 erinnert die Ausstellung an das dunkle Kapitel der „Kinder-Euthanasie“ während der Zeit des Nationalsozialismus. Auf der Grundlage der nationalsozialistischen Rassenideologie wurden in Deutschland auch an Kindern und Jugendlichen medizinische Verbrechen begangen. Über 10.000 von ihnen fielen bis 1945 den verschiedenen Programmen zur Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ zum Opfer. 

Dies geschah im Alltag, mitten in Deutschland, unter Beteiligung niedergelassener Ärzte und staatlicher Ämter in Krankenhäusern und wissenschaftlichen Instituten. Mehr als 5.000 Kinder und Jugendliche wurden allein in „Kinderfachabteilungen“ – eigens für die Tötung geschaffenen Einrichtungen in Krankenhäusern und Heil- und Pflegestätten – gequält und ermordet. Kinder wurden aber auch Opfer der Gasmordaktion „T4“ und der systematischen „Niederführung“ durch Hungerkost in Anstalten und Heimen, sie wurden für medizinische Experimente missbraucht und ihre Organe nach dem Tod für Forschungszwecke verwendet. Die Ausstellung zeigt, dass es Ärztinnen und Ärzten bei der Tötung in der Regel nicht um die schmerzlose Beendigung individuellen Leidens ging, sondern entsprechend der nationalsozialistischen Rassenideologie um die „Befreiung“ das Allgemeinwesens von "Ballastexistenzen", deren Leben nur dann verlängert wurde, wenn sie noch "der Wissenschaft dienen" konnten. 

Die Ausstellung zeigte 30 großformatige Bild-/Texttafeln, ergänzt durch eine Medienstation, eine interaktive Karte, originale Sequenzen eines Propagandafilmes und eine Hörstation mit Briefen von Opfern und Tätern. 

Kurator der Ausstellung war PD Dr. Thomas Beddies, Mitglied der Historischen Kommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Medizin im Zentrum für Human- und Gesundheitswissenschaften der Charité. - Die Schau stand unter der Schirmherrschaft der Ministerin für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg, Anita Tack. 

Die Ausstellung wurde durch ein fachbezogenes Vortragsprogramm ergänzt. 

Weitere Informationsmaterialien:

Ausstellungs-Flyer 

Sonderheft der Monatsschrift Kinderheilkunde