Personalia

Hier erscheinen aktuelle Personalmitteilungen, wie z.B. Laudationes, Habilitationen, Berufungen, Neubesetzungen etc.
Sie sind herzlich aufgefordert, uns entsprechende Meldungen zu schicken.

Adalbert-Czerny-Preis 2009 für Dr. Frank Rutsch

06.09.2009

Die Wendung von einer krankheitsbezogenen Wissenschaft hin zur zell- und molekularbiologischen Forschung prägt die Pädiatrie seit etlichen Jahren. Gestern Abend eröffnete der Kinder- und Jugendärztekongress in Mannheim mit der Auszeichnung eines herausragenden Erfolgs für diesen Forschungsbereich: Für die Entschlüsselung einer neuen genetischen Erkrankung im Vitamin-B12-Stoffwechsel wurde Frank Rutsch aus Münster mit dem Adalbert-Czerny-Preis der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) ausgezeichnet.

Frank Rutsch befasste sich in seiner Arbeit mit dem Vitamin-B12-Stoffwechsel. Dieses Vitamin, auch Cobalamin genannt, wird über die Nahrung (z.B. Fleisch, Fisch, Eier) aufgenommen, gelangt über Transportproteine durch die Darmzellen hindurch ins Blut und über die Zellrezeptoren in die Lysosomen der bedürftigen Gewebezellen. Hier müsste der Stoff wieder freigesetzt werden, um seine Versorgungsfunktionen für Zellteilung, Blutbildung und für das Nervensystem voll erfüllen zu können. Rutsch: „Eben diese Freisetzung des Cobalamins aus den Lysosomen geschieht bei dem erforschten CblF-Defekt nicht, der Vitamintransport ist gestört. Die betroffenen Patienten leiden daher schon im Säuglingsalter unter Gedeihstörungen, Entwicklungsverzögerung und Anämie und werden durch ein Überangebot von Vitamin-B12 behandelt.“

Rutschs Forschungsarbeit entschlüsselt eine Erkrankung, die bisher an weltweit nur 12 Patienten beschrieben wurde, aber vermutlich gibt es etliche nicht erkannte Fälle diese Defekts, was auf die sehr aufwändige Diagnostik zurückzuführen ist. Mit seinen Erkenntnissen über den CblF-Defekt trägt Rutsch darüber hinaus zu einem wesentlich besseren Verständnis der zelleigenen Proteine und der zellulären Transportsysteme bei und schafft dadurch völlig neue  Perspektiven für die Erforschung komplexer Stoffwechselerkrankungen. Rutsch betont, dass eine solche Arbeit nur in Kooperation mit anderen Wissenschaftlern zu schaffen sei, und verweist auf seine Zusammenarbeit mit Forscherteams aus Deutschland, Kanada, Frankreich und der Schweiz.

Den Adalbert-Czerny-Preis verleiht die DGKJ an Forscher aus dem wissenschaftlichen  Nachwuchs, deren innovative Arbeit eine herausragende Leistung darstellt. Genau dies ist, so die Jury in ihrer Begründung, bei Priv.-Doz. Dr. med. Frank Rutschs Veröffentlichung zum CblF-Defekt der Fall. Rutsch (43) ist Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Münster,  Leiter der Poliklinik und Mitarbeiter des dortigen Stoffwechselzentrums. Seit 2001 ist er auch forschend tätig.

zurück zur Liste