Personalia

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Nachruf auf Herrn Prof. Dr. med. Otto Hövels

10.03.2015


Prof. Dr. Otto Hövels (1921 -2014)

Geboren am 26.03.1921 in Mühlheim/Ruhr, gestorben am 30.09.2014 in Frankfurt/Main

Otto Hövels war einer jener Menschen, deren Lebenslauf durch die politischen Entwicklungen des Dritten Reichs geprägt wurde. Ganze Abiturklassen seines Geburtsjahrgangs 1921 waren an der Front ausgelöscht worden. Die wenigen Studenten der Humanmedizin, die überlebten, übernahmen 1945 im zerstörten Deutschland ein schweres Erbe. Ausgestattet mit einer Not-Approbation und meist ohne hinreichende Bezahlung ermöglichten sie in den zerbombten Kliniken den Wiederaufbau der darniederliegenden Universitätsmedizin. Die deutsche medizinische Wissenschaft, vor allem auch die Pädiatrie, war von den Entwicklungen der westlichen Welt völlig abgekoppelt. Es galt, neue Standards zu entwickeln. Nicht nur die alltäglichen und vertrauten Ernährungsstörungen und Infektionskrankheiten waren zu berücksichtigen, sondern vielmehr jetzt auch  die tiefgreifenden Veränderungen und neuen Erkenntnisse unserer Wissenschaft, die zu einer Differenzierung  des Faches in viele Spezialgebiete geführt hatte.

Als Prof. Dr. Otto Hövels 1965 das Ordinariat für Pädiatrie in Frankfurt übernahm, hatte er dies klar erkannt. Er war einer der ersten, der das Departmentsystem einführte und den Leitern der Sektionen volle Verantwortung übertrug. Dabei sah er sich als primus inter pares, getragen von sozialdemokratischem Grundverständnis, tiefer protestantischer Religiosität,  Humanität und Bescheidenheit.

Daneben aber legte er innerhalb der Klinik Wert auf preußische Disziplin. Mit der 68er Bewegung hatte er wenig Schwierigkeiten, sondern meisterte sie souverän, was ihm in der Fakultätsversammlung bisweilen Ärger und bei seinen altvorderen Kollegen den Beinahmen „roter Otto“  einbrachte.

Die Öffnung des Krankenhauses für die ganztägige Besuchszeit war ihm eine Herzensangelegenheit (bis 1969 hatten die Eltern lediglich 2x / Woche 1 Stunde Besuchserlaubnis!). Im Zuge der Neustrukturierung war `OH´ maßgeblich an der Paraphierung des Hessischen Hochschulgesetzes und des Universitätsgesetzes beteiligt und auch der erste Dekan (1971- 1975) der neustrukturierten medizinischen Fakultät. Auch war er einer der ersten,  der für Prüfungen das multiple choice system einführte und für die Pädiatrie perfektionierte.

Seine Reden zeigten profunde Kenntnisse nicht nur in seinem eigentlichen Fach, sondern darüberhinaus in klassischer Mythologie und deutscher Klassik und Romantik, und waren zudem gelegentlich mit selbstgezimmerten humorvollen Gedichten angereichert. Hingegen waren seine Amtshandlungen in den entsprechenden Sitzungen mit größter Präzision so vorbereitet, dass den Mitgliedern außer Zustimmung nichts anderes übrig blieb.

Nach seiner Emeritierung 1985 war er im gleichen Jahr einmal gar nicht bescheiden gewesen, sondern hatte er einen grandiosen Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde in der neuen „Alten Oper“ in Frankfurt inszeniert.

Die wissenschaftlichen Arbeiten des OH, seine mannigfaltigen Verdienste um die Kinderhilfestiftung und seine vielfältigen Ehrungen  mögen hier unerwähnt bleiben (oder: nicht weiter aufgeführt werden). Genannt werden soll aber, dass er als Mitglied des Vorstands des Clementine-Kinderhospitals eine Festschrift zum 150-jährigen Jubiläums dieser Klinik (1995) veranlasst hat. In dieser wurde zum ersten Mal auf das Schicksal jüdischer Kinderärzte aufmerksam gemacht und damit deutschlandweit eine historische Aufarbeitung angestoßen. Dank seiner mentalen Stärke gelang es ihm, die zunehmenden Gebrechen des Alters hinzunehmen. Er klagte nie, las weiter auch seine Lieblingspoeten wie Paul Gerhardt, Matthias Claudius und Wilhelm Busch und harrte gelassen der kommenden Dinge.

Seine Schüler:

Prof. Dr. med. Jürgen Dippell, ehem. Direktor des Clementine Kinder-Hospital, Frankfurt am Main

Dr. med. Karl-Hartmut Mörschel, Kinderarzt, Ruegissberg, Schweiz

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