Personalia

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Nachruf auf Prof. Dr. med. Friedrich Manz

17.11.2015

Im Alter von 74 Jahren ist nach langer und tapfer ertragener Krankheit im Oktober 2015 Prof. Dr. med. Friedrich Manz verstorben. Die deutsche Kinder- und Jugendmedizin und die deutsche Ernährungsmedizin verlieren damit einen herausragenden Kinderarzt und Ernährungswissenschaftler.

Nach seinem Medizinstudium und der Medizinalassistentenzeit erhielt er seine pädiatrische Ausbildung in Bonn und Heidelberg. 1980 habilitierte er sich in Heidelberg und wurde 1983 zum apl. Professor ernannt. Er nahm kurz darauf seine Tätigkeit am Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund auf, das er von 1983-1998 stellvertretend leitete und von 1999-2001 selbst die Leitung übernahm. Er hat durch seine tiefe Verbundenheit mit der Ernährungsmedizin das Institut wesentlich geprägt und seine wissenschaftliche Ausrichtung mitgestaltet. Ihm ist es wesentlich zu verdanken, dass das FKE zum Referenzinstitut für Kinderernährung in Deutschland geworden ist.

Sein Weitblick hat ihn zum Vater der international hoch angesehenen DONALD-Studie gemacht, die 1985 als prospektive Längsschnittstudie begann und Säuglinge bis in das Erwachsenenalter untersuchte. Heute können wir aus dem Schatz dieser Studie lernen, welche qualitativen und quantitativen Ernährungsgewohnheiten bei Säuglingen, Kindern, Jugendlichen bis in die kleinsten Details in den letzten 30 Jahren in Dortmund vorgelegen haben. Mit genauen anthropometrischen Messungen aller Probanden sowie deren Ernährung bei gleichzeitiger Konservierung von 24 Stunden Urinproben konnten er und seine Mitarbeiter am FKE kontinuierlich wichtige gesundheitspolitisch relevante Fragen dokumentieren. So hat er als Mitbegründer und Mitglied des Arbeitskreises Jodmangel und mit der Einführung der Jodurie-Analytik in der DONALD-Studie wesentlich dazu beigetragen, den Jodmangel in Deutschland aufzuzeigen und die inzwischen etablierte Jodsalzprophylaxe einzuführen.

Sein wissenschaftliches Interesse war weit gefächert. Als ausgewiesener pädiatrischer Nephrologe hat er sich intensiv mit der Nephrocalcinose, Hypercalciurie und Magnesiumausscheidung sowie seltenen Stoffwechselkrankheiten beschäftigt. Außerdem hat er intensiv über den Säure-Basen-Haushalt von Frühgeborenen gearbeitet und durch die Entdeckung der „drohenden späten metabolischen Azidose“ („incipient late metabolic acidosis) zur besseren Zusammensetzung von Frühgeborenennahrungen beigetragen. Aus den Ernährungs- und Urindaten der DONALD-Studie hat er einen Algorithmus zur Schätzung der renalen Molenlast entwickelt, der international angewendet wird. Auch für die quantitative Erfassung des Flüssigkeitsstatus von Kindern hat er einen heute international anerkannten Algorithmus entwickelt.

Prof. Manz war 15 Jahre Mitglied der Ernährungskommission der DGKJ.

Die Vollendung seines vielfältigen pädiatrischen und ernährungswissenschaftlichen Lebenswerkes findet sich in seinen Buch: „Wenn Babys reden könnten“. Neben einer Fundgrube für historische Literatur über die Säuglingsforschung stellte er den Säugling als empfindliches Individuum in den Vordergrund seiner Betrachtungen. Die 2. Auflage seines Buches konnte er kurz vor seinem Tod noch abschließen.

Wir betrauern den Verlust eines universal ausgebildeten Kinderarztes, eines engagierten akademischen Lehrers und Wissenschaftlers, der es verstanden hat, sein umfassendes ernährungsphysiologisches Grundverständnis zur Erarbeitung von heute wesentlichen Konzepten in der Ernährungsmedizin von Kindern in die praktische Anwendung in Klinik und Praxis umzusetzen. Damit hat er das Verständnis für die Ernährungsmedizin von Kindern in hervorragender Weise erweitert und bereichert. Seine hohe Kompetenz und seine stets freundlich-menschliche Art haben ihn zu einem ausgewiesenen Brückenbauer zwischen Pädiatrie und Ernährungsmedizin gemacht, und er genoss dadurch national wie international ein hohes Ansehen in beiden Wissenschaftsgebieten.

Die deutsche Kinder- und Jugendheilkunde und die deutsche Ernährungsmedizin werden ihm daher stets ein ehrenvolles Andenken bewahren.

 

Prof. Dr. Dr. h.c. Michael J. Lentze,  Tiflis / Bonn

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