Otto-Heubner-Preis an Prof. Dr. Hansjörg Riehm

28.09.2011


Prof. Dr. Hansjörg Riehm auf der DGKJ-Jahrestagung 2011

Aus der Laudatio von DGKJ-Präsiedent Prof. Dr. Zepp:


Nach 2008 verleiht die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin erneut den Otto-Heubner-Preis. Diese besondere Würdigung kann in Abständen von frühestens drei Jahren durch die Gesellschaft vergeben werden und ist ein Ereignis, das einem DGKJ Präsidenten bestenfalls ein einziges Mal zuteilwerden kann. Seit der ersten Preisverleihung 1916 an Prof. von Pfaundler wurde der Otto-Heubner-Preis lediglich zweiundzwanzigmal verliehen. Mit dem Preis wird eine Persönlichkeit geehrt, die durch besondere wissenschaftliche Leistungen auf einem Gebiet der Kinder- und Jugendmedizin Erkenntnisse des Faches wesentlich gefördert, neue Erkenntnisse erschlossen oder zu deren Erschließung entscheidend beigetragen hat.


Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin würdigt in diesem Jahr Herrn Prof. Hansjörg Riehm mit dem Otto-Heubner-Preis für seine Verdienste um die Entwicklung der pädiatrischen Hämato-Onkologie in Deutschland. Prof. Riehm hat die Leukämietherapie von Kindern und Jugendlichen in Deutschland maßgeblich geprägt und diese weltweit beeinflusst.


Prof. Riehm wurde 1933 in Herrenberg in Württemberg geboren. Er absolvierte sein Medizinstudium in Tübingen, Kiel, Innsbruck und Berlin und legte das Staatsexamen in Tübingen ab. Nach dem Studium war er zunächst am Pathologischen Institut der FU Berlin, später zur Weiterbildung im Fach Kinderheilkunde an der TU München tätig. Von 1967 bis 1969 war er wissenschaftlicher Assistent am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York, einer der herausragenden Forschungsstätten auf dem Gebiet der Onkologie. 1972 habilitierte er sich mit der Arbeit “Mechanismen der zellulären Resistenz gegen antineoplastische Antibiotika in in-vitro Untersuchungen“.


Ab 1973 war Herr Kollege Riehm Leiter der Abteilung für Hämatologie und Onkologie an der Kinderklinik der FU Berlin, seit 1984 als Direktor der Abteilung für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie an der Medizinischen Hochschule Hannover tätig.


Im Jahr 2010 widmete die hochangesehene Zeitschrift Leukemia Hansjörg Riehm eine ganze Ausgabe und ich möchte aus dem Editorial ausschnittsweise zitieren:
"This monogram is dedicated to Professor Hansjörg Riehm whose monumental contributions had a major role in making childhood ALL [acute lymphoblastic leukemia] a highly curable disease. In the late 1960s and early 1970s, the first cures of childhood ALL were produced by treatment regimens that consisted of a three-drug remission induction (...)

However, the majority of patients treated with these regimens eventually relapsed and died from their disease. At the same time, Dr Riehm, a young pediatric oncologist in Germany, developed a new regimen for treating childhood ALL (…) Remarkably, this approach Ied to cure rates of over 50%. Dr Riehm was able to convince investigators in three German centers to run a pilot trial of his regimen, which he dubbed 'BFM' for BerIin, Frankfurt and Münster, the three centers running the trial. Today, BFM-type therapy is used in the United States, Canada, Europe, South America, Australia, New Zealand, the Middle East and Asia."


Herr Kollege Mau führte in seiner Laudatio zur Verleihung der Ehrenmitgliedschaft im Jahr 2002 aus:
„Die Idee, die kindlichen bösartigen Erkrankungen initial mit einer maximalen Therapie zu behandeln (…) ist ein Meilenstein der Medizingeschichte. Eine Vielzahl von Kindern verdankt ihm so indirekt wie natürlich auch direkt ihr Leben“, – ich kann es auch heute nicht prägnanter in Worte fassen.


Es ist für die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin eine große Ehre und Freude, anlässlich der 107. Jahrestagung in Bielefeld den Otto-Heubner-Preis an Hansjörg Riehm für seine außergewöhnlichen, epochalen Verdienste auf dem Gebiet der pädiatrischen Hämatologie und Onkologie zu verleihen. Herzlichen Glückwunsch!


Prof. Dr. Fred Zepp
Präsident

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