Prof. Dr. Wolfgang Rascher zum 60. Geburtstag

02.01.2010

Laudationes zum „runden“ Geburtstag listen Lebenslauf und Verdienste auf und enden gewöhnlich in einer Würdigung des Erreichten. Die Vita von Wolfgang Rascher bietet reichlich Material.

Geboren am zweiten Tag des Neuen Jahres 1950 in Bad Neuenahr hat er nach Abitur in Köln sein Medizinstudium zunächst in Köln begonnen und den klinischen Teil des Medizinstudiums in Heidelberg fortgesetzt. Nach Staatsexamen und Medizinalassistentenzeit erfolgte eine insgesamt viereinhalbjährige, wissenschaftliche Tätigkeit am Pharmakologischen Institut der Universität Heidelberg, die den weiteren Lebensweg entscheidend geprägt hat. In der Rückschau zeigt sich immer wieder, wie wichtig gerade für den jungen Mediziner die „Infektion“ mit der Neugier und der Strukturiertheit wissenschaftlichen Denkens ist.

1982 trat Wolfgang Rascher als Assistenzarzt in die Universitätskinderklinik Heidelberg ein. Er wandte sich früh der pädiatrischen Nephrologie unter Leitung von Prof. Schärer, einem Pioniers dieses Gebiets, zu und führte seine pharmakologischen Arbeiten in zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen zur Nierenfunktion und Blutdruckregulation weiter. 1987 wechselte er an die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Essen als leitender Oberarzt der Abteilung für pädiatrische Nephrologie. 1993 wurde er zum C4 Professor und Leiter der Abteilung für allgemeine Pädiatrie und Neonatologie in Gießen berufen. 1998 erfolgte der Ruf auf den Lehrstuhl für Kinderheilkunde der Universität Erlangen-Nürnberg verbunden mit der Funktion als Direktor der Kinder- und Jugendklinik.

Er ist Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler Fachgesellschaften, neben der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin unter anderem der European Society of Pediatric Research, der International Pediatric Nephrology Association und der International Society of Hypertension. Der Ehrenmitgliedschaft in der ungarischen pädiatrischen Gesellschaft seit 1994 folgte die Ernennung zum Ehrendoktor der Universität Pecs, Ungarn in 2004.

Das Publikationsverzeichnis listet über 400 Originalarbeiten beginnend mit den frühen Publikationen in der Heidelberger Pharmakologie, in der sich zahlreiche Namen als Koautoren (u.a. Prof. Groß, Prof. Ganten, Prof. Schönig) finden, die Pharmakologie und Innere Medizin in den nächsten Dekaden in Deutschland prägen sollten. Der Hauptschwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit, immer mit klinischem Bezug, liegt bis heute in der Regulation des Salz- und Wasserhaushalts, des Blutdrucks, der vasoaktiven Peptide, der fetalen Programmierung in der klinischen Pharmakologie sowie der  Pharmakovigilanz.

Bei aller Fokussierung auf klare wissenschaftliche Fragestellungen deckt Wolfgang Rascher damit ein breites Spektrum von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Forschung ab. Es ist daher nicht verwunderlich, dass er zahlreiche nationale und internationale wissenschaftsadministrative Aufgaben wahrgenommen hat, u.a. Fachgutachter der Deutschen  Forschungsgemeinschaft, als Mitglied der Zulassungskommission des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie als Mitglied der Pediatric Expert Group der EMEA und außerordentliches Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Nicht zuletzt ist Wolfgang Rascher Mitglied der Kommission für Arzneimittelsicherheit im Kindesalter (KASK) sowie der Hochschulkommission der DGKJ und war mit der Ausrichtung der 103. Jahrestagung der DGKJ 2007 in Nürnberg auch als Kongressveranstalter außerordentlich erfolgreich. 

In die Gratulation zum Geburtstag möchte ich jedoch ganz persönlich meine frühen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Wolfgang Rascher einfließen lassen. Als junge Assistenten, er etwas älter und erfahrener, waren wir beide an der Universitätskinderklinik in Heidelberg getragen von den von Horst Bickel klar gesetzten Anforderungen und Förderungen des wissenschaftlichen Profils. Hinzu kamen allerdings auch das Kümmern um das kranke Kind und der kollegiale Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als prägender Einfluss. Die Intensivstation ist eine besondere Phase der Ausbildung. Wolfgang Rascher und ich haben beide sehr lange auf der Intensivstation unter  Personalausstattungen „gedient“, die heute keinem Arbeitszeitgesetz mehr standhalten würden. Teamarbeit und die Notwendigkeit, sich aufeinander verlassen zu müssen, waren essentiell, um den Anforderungen hinsichtlich Patientenzahl und -spektrum, vom kleinsten Frühgeborenen bis zum erwachsenen Patienten zu entsprechen. Wolfgang Rascher war ein Partner, wie man ihn sich in diesen Stresszeiten nur wünschen kann. Die Übergaben klar strukturiert, das Wesentliche ans Herz gelegt, das Unwesentliche und Offensichtliche hat nicht die wirklichen Probleme verschleiert. Geradlinig, engagiert, verlässlich, neugierig und innovativ in der Forschung, dabei ein humorvoller und menschlicher Partner, dies ist Wolfgang Rascher bis heute geblieben. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin ist Dir, lieber Wolfgang, in großem Dank und herzlichem Glückwunsch für die kommenden Dekaden verbunden.

Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin

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