Die DGKJ in anderen Organisationen

In loser Folge stellen wir die Aktivitäten der DGKJ in anderen Organisationen – Vereinen/Verbänden, Gremien, Arbeitsgruppen – vor. 

Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) „Mehr Sicherheit für Kinder e. V.“

Kindersicherheit – der Schutz des Kindes vor Vergiftungen, Stürzen oder Verbrennungen scheint ein überschaubarer Bereich zu sein: Sichere Produkte, ein kindersicheres Umfeld sowie die Aufmerksamkeit und die altersgemäße Aufsicht durch Erwachsene tragen zur (möglichst) unfallfreien Kinderzeit bei.

Wie weit jedoch das Arbeitsfeld der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) „Mehr Sicherheit für Kinder e.V.“ mit der allgemeinen Gesundheitspolitik und der gesamtgesellschaftlichen Situation verknüpft ist, zeigen die Aktivitäten des Vereins, der sich 2002 aus einem schon seit fünf Jahren bestehenden Aktionsbündnis gründete.

Ziel der BAG ist die Aufklärung und Prävention von Kinderunfällen, wobei die Bundesarbeitsgemein­schaft ihren Schwerpunkt im Themenfeld „Zuhause & Freizeit“ sieht, der in den ersten Lebensjahren für die meisten Kinder das bestimmende Umfeld bildet und, anders als die Bereiche Schule oder Verkehr, nur selten von Präventionsmaßnahmen erfasst wird.

Präsidentin des Vereins ist die Kinderchirurgin Dr. Stefanie Märzheuser von der Berliner Charité. Unter den Mitgliedsorganisationen ist die Ärzteschaft gut vertreten: Neben der DGKJ und dem BVKJ sind auch die Gesellschaften der Kinderchirurgie und der Sozialpädiatrie aktive Mitglieder der Bundesarbeitsgemeinschaft. Delegierte der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin ist Dr. Gabriele Olbrisch, DGKJ-Geschäftsführeri

Politische Arbeit

„Lobby gegen Kinderunfälle“, so beschreibt die BAG ihre öffentlichkeitswirksame Tätigkeit, mit der sie die politische Aufmerksamkeit für die Prävention von Kinderunfällen erhöhen will. Auf der Tagesordnung stehen Aktivitäten für ein gesetzliches Verbot von Lauflernhilfen, die EU-Spielzeugrichtlinie oder der mit dem Bundesministerium für Gesundheit entwickelte politische Aktionsplan für mehr Kindersicherheit.

Aufklärungsarbeit

Kinder unter drei Jahren sind mehr als alle anderen Altersgruppen von Unfällen im Heim- und Freizeitbereich betroffen. Während die Unfallzahlen bei den älteren Kindern gesunken sind, ist bei Säuglingen und Kleinkindern aktuell wieder ein Anstieg zu verzeichnen. Der Aufklärungsbedarf junger Eltern ist groß, und die Bundesarbeitsgemeinschaft sieht im beratenden Gespräch zwischen Kinder- und Jugendarzt und Eltern einen zentralen Beitrag zur Kindersicherheit. Hierfür stehen besondere Materialien bereit: Die Bonner Geschäftsstelle berät gern über die größtenteils kostenfreien Faltblätter und Broschüren, stellt aber darüber hinaus den Fachkreisen auch besondere Datensammlungen und Vortragsfolien zur Verfügung und unterstützt bei fachlichen Fragen.

„Kindersicherheitstag“

Seit 10 Jahren ist der 10. Juni „Kindersicherheitstag“ – 2010 wird die sicher bekannteste Kampagne der BAG von einem besonders umfangreichen Programm begleitet. Leitthema der diesjährigen Kampagne unter dem Motto „Laufen. Springen. Klettern. Sicher geht das!“ ist wie schon vor 10 Jahren der Sturz, noch immer die häufigste Unfallursache in allen Altersstufen (50-60% aller Unfälle).

Ausblick

Vor 10 Jahren, so Martina Abel, Geschäftführerin der BAG,  habe sich die Arbeit auf das Erkennen und Abwenden möglicher Gefahrenquellen konzentriert. Projekte wie „Riesenküche“ oder „Haus der Gefahren“ förderten diese Aufklärungsarbeit für einen kindersicheren Haushalt. Zukünftig werde sich die Bundesarbeitsgemeinschaft aber zunehmend mit der Risikokompetenz von Kindern befassen, die sich nur ausbilden könne, wenn Eltern und Erzieher den Kindern auch Freiräume für eigene, altersgerechte Erfahrungen ermöglichen.

Das umfangreiche Informations- und Aktionsangebot der Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder“ wird mittels etlicher Förderer aus Industrie und Wirtschaft ermöglicht. Die Wahrung der sachlichen Objektivität wird nicht nur bei Äußerungen zur Produktsicherheit sehr aufmerksam beachtet und zählt wie die fachliche Kompetenz und wissenschaftliche Basis der Arbeit zu den Qualitätskriterien, die die BAG für sich in Anspruch nimmt. Das breit angelegte Netzwerk von Mitgliedern und Förderern soll sich in den nächsten Jahren weiter verstärken.

Wie andere Organisationen, die sich mit der Gesundheitsförderung befassen, sieht sich die BAG vor der Hürde, neben den ohnehin gut informieren Eltern auch Problemfamilien und andere schwierige Zielgruppen zu erreichen. Ein weiteres Thema wird die Qualitätssicherung in der Unfallprävention sein. Hierfür entwickelt eine mit Mitgliedern und externen Experten besetzte Arbeitsgruppe Standards für Maßnahmen und Publikationen.

Die Mitgliedschaft der DGKJ in der BAG ist nicht mit einem hohen Mitgliedsbeitrag verbunden, dafür unterstützt die DGKJ die wichtige Arbeit der BAG ideell sehr nachdrücklich, so Frau Olbrisch, die bei Bedarf die notwendige kinderärztliche Expertise vermittelt.

Aktuelle Informationen zur Produktsicherheit, eine Eltern-Hotline, Datensammlungen und Informationsbroschüren, ein Wissenslexikon und spezielle Projekte für KiTa und Schule – die sehr umfangreiche Webseite der BAG ist zu finden unter www.kindersicherheit.de

Merkblätter und Broschüren zur Kindersicherheit

Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder“: Sicherer Haushalt, sicher bei Sport und Spiel - die BAG bietet in ihrem Bestellservice diverse Publikationen (die meisten kostenfrei bzw. gegen Kostenbeteiligung) an: www.kindersicherheit.de oder Tel. 0228/68834-0.

Kassenärztlichen Vereinigungen: In vielen Kinder- und Jugendarztpraxen werden die  „Merkblätter Kinderunfälle“ bei den „U“s verteilt, die bei der zuständigen KV erhältlich sind.

 Dr. Sybille Lunau, DGKJ-Geschäftsstelle

(Beitrag aus: Monatsschrift Kinderheilkunde, 5/2010)