2015 Eröffnungsrede DGKJ-Präsident Prof. Dr. Mayatepek (Teil 1)

(DGKJ) Eröffnung DGKJ 2015

Die 20-minütige Rede von DGKJ-Präsident Prof. Dr. Ertan Mayatepek im Rahmen der Eröffnungsfeier der 111. Jahrestagung stand ganz im Zeichen der aktuellen und zukünftigen Herausforderungen der Kinder- und Jugendmedizin.

Zu Beginn begrüßte er alle Teilnehmer der gemeinsamen Tagung, neben den Tagungspräsidenten auch die Präsidenten der mitveranstaltenden Gesellschaften und Verbände. Im Anschluss gedachte er der Mitglieder, deren Tod seit der letzten Jahrestagung in Leipzig bekannt geworden ist. Stellvertretend würdigte er einige der verstorbenen Kolleginnen und Kollegen, die sich in besonderer Weise um die Pädiatrie und unsere Gesellschaft verdient gemacht hatten. Er sprach den Angehörigen sein Beileid aus und betonte, dass die Verstorbenen in ehrendem Angedenken gehalten werden.

In seiner weiteren Ansprache ging er darauf ein, dass die diesjährige gemeinsame Jahrestagung im Zeichen der ganzheitlichen Gesundheitsforschung und -versorgung stehe. Eine sehr wichtige Berufsgruppe sei in diesem Rahmen die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege.

Neues Pflegeberufegesetz

Prof. Mayatepek erläuterte, dass die Gesundheits- und Sozialminister sowie die Kultusminister der Länder zur Zeit zusammen mit den zuständigen Bundesministerien dabei seien, die Zusammenführung der Ausbildung der einzelnen Pflegeberufe (Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege) zu einer 3-jährigen „generalisierten Ausbildung“ zu regeln. Die Umsetzung hätte zur Konsequenz, dass die neuen Pflegefachfrauen und -männer, wie diese dann heißen sollen, in Zukunft nicht mehr die fachlichen Kompetenzen haben können, die ein Absolvent in der Kinderkrankenpflege heute aufweist. Es bestünde aus seiner Sicht die große Gefahr, dass es im Rahmen einer Generalisierung der Berufsausbildung zu einem Verlust der Expertise „Gesundheits- und Kinderkrankenpflege“ und zu einen weiter Fachkräftemangel in der ambulanten und stationären Kinderkrankenpflege kommen wird. Er führte aus, dass auch weiterhin eine Gesundheits- und Kinderkrankenpflege benötigt wird, die über fundiertes Fachwissen und Handlungssicherheit im Umgang mit Kindern und Jugendlichen in den verschiedenen Entwicklungsphasen und komplexen Familiensystemen verfügt. Der Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland fordere zu Recht eine sowohl quantitativ als auch qualitativ angemessene Schwerpunktsetzung in der „Gesundheits- und Krankenpflege“ während der theoretischen und praktischen Berufsausbildung. Erfahrungen aus der Schweiz zeigten allerdings, dass die Generalisierung zu einer deutlichen Verschlechterung der Qualität in der Pflege geführt habe, was dort inzwischen zu Bestrebungen zu einer Umkehr nach sich zöge. Aus Sicht der Patienten und zur Aufrechterhaltung der Qualität gäbe es also durchaus auch Gründe, die „Gesundheits- und Kinderkrankenpflege“ in der pflegerischen Erstausbildung zu erhalten und den Kinderkrankenpflegeberuf weiter aufzuwerten.

Sichere Arzneimittel für Kinder

Im Weiteren ging Prof. Mayatepek darauf ein, dass die unzureichende Sicherheit im Bereich der Arzneimitteltherapie für Kinder und die off label Therapie seit vielen Jahren ein Thema in der ambulanten aber vor allem auch stationären Kinder- und Jugendmedizin ist. Erkenntnisse über die Wirkung von Arzneimitteln bei Kindern lägen jedoch unverändert nur für eine sehr begrenzte Zahl von Arzneimitteln vor. Besonders dramatisch stelle sich die Situation in der Neonatologie dar. Kinder müssten immer wieder mit Medikamenten behandelt werden, die nur an Erwachsenen untersucht und überprüft wurden. Weder in der Kinder- und Jugendmedizin noch in der Pharmakologie sei in den letzten Jahren eine international sichtbare Forschungsaktivität im Bereich der pädiatrischen Pharmakotherapie und insbesondere Pharmakovigilanz zu beobachten. Dies bedürfe dringend einer Verbesserung.

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