2015 Eröffnungsrede DGKJ-Präsident Prof. Dr. Mayatepek (Teil 3)

(DGKJ) Eröffnung DGKJ 2015, Prof. Dr. Zimmer, Tagungspräsident

Er forderte, dass die Besonderheiten, die sich insbesondere aus den altersabhängigen Anforderungen an die Versorgung von Kindern und Jugendlichen ergeben – wie im aktuellen Gesetzesentwurf formuliert – für alle kindlichen und jugendlichen Patienten gelten müsse. Auch bei der zukünftigen Vergütung der Notfallversorgung sei darauf zu achten, dass an jedem Krankenhaustandort mit einer kindermedizinischen Abteilung auch eine eigenständige Notaufnahme für Kinder und Jugendliche aufrechterhalten werden sollte.

Er führte weiter aus, dass der geplante Sicherstellungszuschlag derzeit keinen Unterschied zwischen der Versorgung Erwachsener und Kinder vorsieht. Dabei sei die stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen schon heute strukturell mit der der Erwachsenen nicht vergleichbar. Er ging auf einige der Gründe ein (u.a. fixe Vorhaltekosten, breites Leistungsspektrum, sehr hoher Anteil von Akutversorgung, hohe Notfallquote). Bei der nun geplanten Gesetzesänderung  sei zu befürchten, dass einzelne Krankenhäuser ihre defizitären kindermedizinischen Abteilungen schließen werden. Dies würde vor allem in bevölkerungsarmen Regionen der Bundesrepublik Deutschland dazu führen, dass eine stationäre fachärztliche Behandlung von Kindern nicht mehr in zumutbarer Entfernung gegeben sei. Von Seiten der Kinder- und Jugendmedizin wird daher ein Versorgungszuschlag Kindergesundheit vorgeschlagen, um die angemessene Versorgung von kranken Kindern durch Kinderärzte, Kinderchirurgen sowie Kinderkrankenpflege im Krankenhaus zu gewährleisten.

Forschungsnetz zur Verbesserung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

Abschließend ging Prof. Mayatepek auf die bisherigen Gespräche mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung ein, zur Realisierung einer nationalen Forschungsinstitution für Kinder- und Jugendmedizin. Im aktuellen Koalitionsvertrag sei die Kinder- und Jugendmedizin als ein Beispiel für die Lebensalter bezogene Gesundheitsforschung explizit erwähnt. Das BMBF arbeite aktuell an der Entwicklung eines entsprechenden Förderkonzepts. Ziel müsse es sein, eine langfristige gesicherte institutionelle Forschungsförderung für die Kinder- und Jugendmedizin zu erreichen.

Er führte dezidiert aus, dass die Kinder- und Jugendmedizin ein eigenständiger Bereich ist, der in keinster Weise von den bestehenden Gesundheitszentren abgedeckt wird. Dem müsse daher zeitnah in einem ersten Schritt durch Einrichtung eines Forschungsnetzes Kinder- und Jugendmedizin Rechnung getragen werden. Ziel sei es, ein breit angelegtes und innovatives Forschungsprogramm zu realisieren, das über die traditionellen Fächergrenzen hinaus die strategisch bedeutsamen Forschungsgebiete der Kinder- und Jugendmedizin umfassend und nachhaltig bearbeitet.

Er betonte ausdrücklich, dass die Grundlagenforschung dabei ein unverzichtbares Grundgerüst eines Forschungsnetzes Kinder- und Jugendmedizin sein muss. Die Kenntnisse der genetischen, molekularen und zellbiologischen Grundlagen der normalen menschlichen Entwicklung und auch die Identifizierung der Ursachen von Fehlentwicklungen bilden die Basis für eine Translation in die klinische Anwendung. Ebenso unverzichtbar sei aber auch ein Versorgungsforschungs-Ansatz.

Als nächster Schritt sollte dann nach erfolgreicher Etablierung eines Forschungsnetzes und selbstverständlich nach international wissenschaftlicher Evaluation ein Gesundheitszentrum für Kinder- und Jugendmedizin realisiert werden. Langfristiges Ziel sollte die Etablierung eines Instituts nach dem Vorbild des Institutes of Child Health sein.

Prof. Mayatepek betonte, dass es für die aufgeführten Themen und Ziele weiterhin notwendig sei die politischen Aktivitäten für die Kinder- und Jugendmedizin fortzusetzen. Dabei müsse die Kinder- und Jugendmedizin nach außen unbedingt ein einheitliches Bild abgeben. Er lud alle herzlich ein, sich aktiv einzubringen und dabei gemeinsam die Zukunft der Kinder- und Jugendmedizin mitzugestalten.

Am Ende überbrachte er die freudige Nachricht, dass die Leitlinien Kinder- und Jugendmedizin, die wissenschaftlichen begründeten Standards für ärztliches Handeln, ab sofort für alle DGKJ-Mitglieder kostenfrei online zur Verfügung stehen.

Er dankte Prof. Zimmer und Prof. Wudy und dem gesamten Gießener Team für die Vorbereitung und Organisation der diesjährigen Jahrestagung. Sein Dank galt auch den Kongresspräsidenten der mit ausrichtenden Gesellschaften sowie dem Team der Kongressorganisation. Er wünschte allen Besuchern gute Vorträge und Seminare, interessante Gespräche und nachhaltige Eindrücke.