DGKJ-Kolloquium 2014

Managementstrategien für Chefärztinnen und –ärzte
Bericht über das DGKJ-Kolloquium am 7. November 2014 in Berlin

Über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet erreichten trotz Bahnstreiks das DGKJ-Kolloquium in Berlin, das Einblicke geben sollte in unterschiedliche Strukturen und Strategien des Klinikmanagements. DGKJ-Präsident Prof. Dr. Norbert Wagner wies in seiner Einführung darauf hin, dass das ökonomische Denken schon längst eingezogen sei in die Anforderungen der ärztlichen Klinikleitung.

Das Ziel, eine dauerhafte Refinanzierung und adäquate Ausstattung des stationären Kinder- und Jugendmedizin zu sichern, verlangt eine Annäherung der `Parallelwelten´ von ärztlicher und kaufmännischer Klinikleitung. Der DGKJ-Workshop stellte in sieben Einzelbeiträgen die unterschiedlichen Sichtweisen und Strukturen des Klinikmanagements in der Pädiatrie vor:

Mit Videosimulationen zunächst misslungener Gespräche zwischen Chefarzt und Geschäftsführer gab Prof. Dr. Wolfgang Kölfen von den Städtischen Kliniken Mönchengladbach einen schwungvollen Einstieg in sein Thema: Das erfolgreiche Gespräch mit einer Krankenhaus-Geschäftsführung. Für ein gelungenes Gespräch ist die Vorbereitung auf die Person des Gesprächspartners unverzichtbar („Mit welchem Geschäftsführer werden Sie verhandeln?“), ebenso sollten bereits im Vorfeld konkrete Zeitschienen, kompromissfähige Ziele sowie ein „Rückzugsplan“ durchdacht werden. So könne sich z.B. die notwendige Investition in die Ausstattung einer Abteilung nicht nur als Forderung, sondern auch als klare Win-/Win-Situation mit medizinischem und kaufmännischem Nutzen darstellen. In der Diskussion mit dem Publikum riet Prof. Kölfen dazu, regelmäßige Gespräche mit der kaufmännischen Leitung einzufordern, um die Kommunikation zu fördern.

Einen Perspektivwechsel nahm Manuel Berger vor, Regionalgeschäftsführer der Helios Region West und Klinikgeschäftsführer in Wuppertal: Welche Erwartung hat die Geschäftsführung an den Chefarzt/die Chefärztin? Die ärztliche Leitung müsse eine Fehlerkultur vorleben, unbedingt konfliktfähig und interdisziplinär veranlagt sein, betonte Berger. Zudem müsse der Chefarzt als Treiber für Qualitätssicherung und –zuwachs fungieren, und er sollte darüber hinaus auch Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung tragen, „Unternehmer im Unternehmen“ sein, so der Referent. Er vertrat den Standpunkt, dass die DRGs auch für die Pädiatrie ein zwar sehr hartes, aber - da für alle gleich - faires Vergleichssystem der Leitungen bieten, das den wirtschaftlichen Betrieb einer Klinik ermöglichen muss. Diese Zielerreichung sei essentiell für die Zukunft, würde die Politik doch einen starken Verdrängungswettbewerb der Klinken fördern. Schließungen insbesondere kleinerer Kliniken hielt Herr Berger für unumgänglich, aus wirtschaftlichen, aber auch aus qualitativen Gründen.

Viele der Teilnehmer waren mit dem Prinzip der Deckungsbeitragsrechnung bereits gut vertraut, wie eine kleine Umfrage zeigte: Thorsten Klein, Controller im Universitätsklinikum Aachen, belegte in seinem Beitrag die Aussagekraft dieser Kostendarstellung, die aufgrund ihrer flexiblen Verteilungsschlüssel die variablen und die fixen Kosten nach dem „Verursacherprinzip“ darstellen kann und somit eine Kosten- und Erlösrechnung der Fachabteilung oder einer klinikinternen Leistung ermöglicht. Der transparente Blick auf den wirtschaftlichen Status einer pädiatrischen Abteilung soll es erleichtern, patientenorientierte Leistungsziele in Zahlen zu definieren und auch (un-)wirtschaftliche Leistungen klar benennen zu können (oder, für die Pädiatrie, nur die tatsächlich abgerufenen Leistungen aus dem Gesamtsystem zu berücksichtigen) – ein wichtiges Informationsinstrument nicht nur für das Controlling oder in Budgetverhandlungen, sondern auch für die unternehmerische Planung der Abteilung selbst.

Die wirtschaftlich erfolgreiche Führung einer Kinderklinik demonstrierte Prof. Dr. Jochen Peters vom Klinikum Dritter Orden, München. Prof. Peters nannte zahlreiche Beispiele dafür, wie auf die Wirtschaftlichkeit der Abteilung Einfluss genommen werden könne: durch die Transparenz von Leistungsentwicklung und Kosten, durch gute Ablauforganisation (keine „Leerlauftage“), durch Dokumentation von Zusatzentgelten und Komplexleistungen, durch weitere Entlastung der Ärzte von nichtärztlichen Tätigkeiten (z.B. Terminvergabe), durch Vereinfachung der Arztbriefschreibung (Kurzarztbriefe). Eine stetige Aufnahmebereitschaft wäre zu empfehlen, wenn es der Personalstand zulässt, ebenso eine medizinisch vertretbare frühe Entlassung. Die Diskussion warf auch Probleme auf, da etwa die Pauschalen für Normallieger, die in der Beispielrechnung des Referenten am meisten Gewinn erbrachten, durch den Abgleich mit der durchschnittlichen Verweildauer auf Dauer eine Absenkung erfahren würden. Auch könne nichtärztliches Personal nur sehr selten in einen Pool verbucht werden. – Prof. Peters wies auf die spezielle Ausrichtung seines Hauses hin, welches zahlreiche Kooperationen betreibt und dessen Managementstrategie auf die individuellen Belange und Leistungen ausgerichtet ist.

Eng eingebettet in die Geschichte und die regionale Versorgungssituation ist auch das Projekt, über das Dr. Hubert Gerleve berichtete: die Integration von Psychosomatik und Sozialpädiatrie in die Kinderklinik der Christophorus-Kliniken in Coesfeld. Anschaulich berichtete er über den enormen Zuwachs der seit 1995 bestehenden Einrichtung, wobei sich die Ressourcen eng an die abgerufene Leistung koppelten und nur stufenweise vergrößert würden.

Dr. Gerleve stellte die enge Vernetzung des SPZ Westmünsterland mit den Kinderkliniken in Rheine und Bocholt mit gesamt über 10.000 Fällen als Beleg dafür vor, wie individuell und abhängig solche Strukturen von den lokalen und regionalen Gegebenheiten sind. Zudem riet er aufgrund seiner Erfahrungen dazu, zunächst sämtliche Strukturen, Vernetzungen und Vorbereitungen mit allen potentiellen Beteiligten detailliert auszuarbeiten, bevor die regulierenden Stellen hinzugezogen und Anträge gestellt werden könnten. Auch eine externe Projektberatung käme solchen Umstrukturierungen nachhaltig zugute. Ein Erfahrungsbericht, der bei den Workshop-Teilnehmern auf großes Interesse stieß, ergab doch die Frage ins Publikum, dass sich ein Großteil mit dem Gedanken befasst, eine Station für Psychosomatik einzurichten.

„Welche Kompetenzen benötigt ein Arzt, um als Facharzt eigenständig tätig zu sein?" Mit dieser Leitfrage eröffnete Dr. Claire Roether von der Bundesärztekammer ihre Darstellung der Novellierung der (Muster-)Weiterbildungsordnung. Diese basiert auf dem Kompetenzbegriff, der das Ergebnis der Weiterbildung zum Zeitpunkt der Prüfung fixieren will. Demnach sei die Facharzt-Kompetenz die Summe aus allen Weiterbildungsinhalten und würde die erworbenen Kenntnisse, Erfahrungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten abbilden. Diese Inhalte sollen unterteilt werden in Blöcke (Systematik der verschiedenen Fächer) und in Modi, letztere ausdifferenziert in die Stufen kennen/können und beherrschen. – Frau Roether betonte, die beteiligten Fachgesellschaften und Berufsverbände könnten während des Verfahrens auf der elektronischen Plattform WIKI-BÄK Anmerkungen eingeben. Die DGKJ hatte für den Facharzt/-ärztin Kinder- und Jugendmedizin bereits konsentierte Vorschläge eingebracht, die in den Landesärztekammern teils stark modifiziert wurden. Bis zur Beschlussfassung durch den Deutschen Ärztetag 2016/2017, so Dr. Roether, sei es allerdings noch ein längerer Weg.

Dr. Regina Klakow-Franck vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) stellte die Rahmenrichtlinie Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung vor, und damit einen neuen Versorgungsbereich, der, da waren sich Referentin und Publikum einig, die Zukunft auch der Pädiatrie stark beeinflussen wird. Im `Zwiebelschalenmodell´ greifen darin Teamleitung, Kernteam und hinzuzuziehende Ärzte für eine Leistungskooperation ineinander. Bei der Ausformulierung dieses Prinzips besteht lt. Frau Klakow-Frank noch Handlungsbedarf, um die Pädiatrie stärker zu positionieren. Bislang wird z.B. in der Anlage „Tuberkulose und atypische Mykobakteriose“ bei der Betreuung eines Kindes oder Jugendlichen lediglich die Hinzuziehung eines Kinder- und Jugendarztes erwähnt, nicht aber die pädiatrische Besetzung der Teamleitung. Besorgt zeigten sich Teilnehmer aus den Flächenländern, da sie eine ASV-Leistung in ländlichen Regionen für unwahrscheinlich halten. Weiter wurde über den Bedarf eigener pädiatrischer Anlagen für die Rahmenrichtlinie nachgedacht, die z.B. Erkrankungen wie Rheuma aus Sicht der Kinder- und Jugendmedizin einbringen. Antworten auf organisatorische Fragen zur ASV gibt der Servicebereich unter www.kbv.de.

 

Alle sieben Referate stießen auf reges Interesse des Publikums. Die lebhaften Diskussionen und viele konkrete Sachfragen wiesen auf den großen Bedarf an Informationen und Austausch hin. Die DGKJ wird die Reihe der Kolloquien für unterschiedliche Zielgruppen fortsetzen.

 

Dr. Sybille Lunau
DGKJ-Geschäftsstelle