Konzept Soziale Prävention (III)

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Die Finanzierung der neuen Zentrumsstrukturen wird aktuell mit der Politik, den Krankenkassen und Kommunen diskutiert. Lösungsmöglichkeiten in Form einer dualen Finanzierung deuten sich an.

Einbindung in die bestehende pädiatrische Gesamtstruktur

Kinder- und Jugendärzte in den neuen Zentren für Kinder- und Jugendgesundheit würden in die gesamte pädiatrische ambulante und stationäre Versorgung eingebunden sein und hier ihre spezifische Aufgabe übernehmen, und zwar für die hausärztliche wie auch für die fachärztliche medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Sie würden im Rahmen ihrer regionalen Kooperationsstruktur weitere Aufgaben wie z. B. die Aufrechterhaltung des Notdienstes (der sinnvollerweise an den Kliniken angebunden werden sollte) übernehmen.

Kinder- und Jugendärzte verbrächten auch in diesen veränderten Praxisstrukturen den weit überwiegenden Teil mit der Behandlung akuter Krankheitssymptome (53 % der Erstvorstellungen, wie die DAKJ-Versorgungsstudie gezeigt hat [2]). D.h. der psychosozial-präventive Ansatz in Zusammenarbeit mit den beteiligten Professionen beträfe nur einen Teil ihrer ärztlichen Tätigkeit.

Da mehrere (Teilzeit-)Ärzte in einem solchen interdisziplinären Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit tätig sein können, wäre es sinnvoll, dass einige von ihnen über geeignete Schwerpunkte und Zusatzweiterbildungen verfügen. Unter Umständen könnten auch bestimmte pädiatrische Spezialisten in einer solchen Praxis ambulante Sprechstunden vorhalten. Erstrebenswert und dringend notwendig ist eine Kooperation mit den benachbarten Kliniken für Kinder- und Jugendmedizin.

Die psychosomatische Grundversorgung würden von solchen Praxen übernommen werden; eine Kooperation mit den psychosomatischen Abteilungen der Kliniken für Kinder- undJugendmedizin bzw. von kinder- und jugendpsychiatrischen Kliniken wäre sinnvoll.

Das niederschwellige Angebot in den ambulanten Kinder- und Jugendgesundheitszentren macht wie bisher Überweisungen an die spezialisierten Sozialpädiatrischen Zentren notwendig. SPZs übernehmen weiterhin die Versorgung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder und Jugendlicher bzw. von Patienten mit Entwicklungs- und Verhaltensstörungen.

Die flächendeckende pädiatrische Primärversorgung

Die hier beschriebene Umstrukturierung der Kinder- und Jugendarztpraxen zu großen interdisziplinären Kinder- und Jugendgesundheitszentren ist Baustein eines Gesamtkonzeptes für die zukünftige ambulante pädiatrische Versorgung. Daraus resultiert eine Konzentrierung der fach- und hausärztlich tätigen Kinder- und Jugendärzte insbesondere in mittleren und kleineren Städten. In Flächenstaaten würden die Praxen in den Kleinstädten/größeren Orten auch die Versorgung der Kinder und Jugendlichen auf dem Land übernehmen. 

Um die psychosoziale Prävention zu ermöglichen, halten wir an dem Ziel fest, dass Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte weitestgehend die primäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen in der Bundesrepublik behalten.

Gesundheitspolitische Rahmenbedingungen und Begleitforschung

Der 115. Deutsche Ärztetag hat im Mai 2012 die Förderung solcher kooperativer Versorgungsstrukturen ausdrücklich gefordert. Hierbei erwähnt das Papier auch die Möglichkeit, dass Kassenärztliche Vereinigungen im Rahmen des angepassten § 87b SGB V für bestimmte qualitätsverbessernde Maßnahmen zusätzliche Honorare ausweisen können.

Bei der Entwicklung dieser neuen Form von Gemeinschaftspraxen  / interdisziplinären Zentren für Kinder- und Jugendgesundheit in einem Netzwerk mit anderen Berufsgruppen müssen junge Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte, die Berufsgruppe, ihr Berufsverband, die Kinderkliniken, die Gesundheitspolitik in Bund, Ländern und Kommunen sowie die wissenschaftlichen Organisationen frühzeitig eingebunden werden.

Eine Versorgungsforschung des Projektes zur Überprüfung von Effizienz undWirtschaftlichkeit sollte parallel erfolgen und ein Modellprojekt durchgeführt werden. Hierzu ist die DGKJ mit den verschiedenen Entscheidungsträgern im Gespräch. Letztlich geht es um den Nachweis, dass die frühe Intervention hilft, später (volkswirtschaftlich betrachtet) Kosten zu sparen – unabhängig von der individuellen Unterstützung, die die einzelnen Patienten mit ihren Familien erhalten und welchen Nutzen sie daraus gezogen haben.

Wir danken den vielen Beteiligten, die an diesem Konzept mitgewirkt haben, für ihre konstruktive Unterstützung. In einer der nächsten Ausgaben [Anm. d. Red.: Das Konzept wird in der Monatsschrift Kinderheilkunde 6/2013 publiziert] werden wir die Thematik weiter ausführen.

 

Prof. Dr. Norbert Wagner (Präsident)

Dr. Karl-Josef Eßer (Generalsekretär)

 

 

[1] S. www.dakj.de: Analyse und Zukunftsszenario der medizinischen Versorgung der Kinder und Jugendlichen in Deutschland (10.5.2012).