1. Kolloquium Assistentensprecher/-innen (Forts.)

Als Fazit ergab sich:

  • Zur besseren inhaltlichen Planung der Ausbildung und auch der individuellen Arbeitssituation des Weiterbildungsassistenten (Stichwort „Vereinbarkeit Arbeit und Familie“) sollte ein längerfristiger Rotationsplan erstellt werden.
  • Das Logbuch sollte nicht erst am Ende der Weiterbildung ausgefüllt werden, sondern mindestens jährlich, damit nicht erfüllte Inhalte frühzeitig deutlich werden und die Weiterbildung dann gezielt verbessert werden kann. Möglicherweise lässt sich eine strukturiertere Einarbeitung, aber auch das Erlernen praktischer Fähigkeiten unter Beobachtung als Standard erreichen.
  • Einführung eines Mentorensystems für jeden Berufsanfänger, diese Aufgabe könnte z.B. auch ein Facharzt übernehmen.
  • Teaching des Weiterbildungsassistenten sollte als ein Teil des Arbeitsalltags in der Klinik aufgefasst werden.
  • Es sollten Zeit und ein Budget für Fortbildungen eingeplant werden.
  • Evaluation der Weiterbildung bundesweit.

Der zweite große Themenkomplex beschäftigte sich mit den Arbeitsbedingungen im Alltag und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hier referierten Dr. Ulrike Gaiser (Tübingen) und Prof. Dr. Susanne Schweitzer-Krantz (Düsseldorf). Dr. Gaiser fokussierte in ihrem Vortrag v.a. auf die Arbeitszeitdokumentation und erläuterte ein in ihrer Klinik erarbeitetes Modell. Dort ist es mit elektronischer Zeiterfassung und Dienstplanschreibung nach arbeitsrechtlicher Norm gelungen, die Arbeitsbelastung zu verbessern und auch neue Stellen zu schaffen. Prof. Schweitzer-Krantz betonte in ihrem Vortrag „Frauen in der Pädiatrie“ vor dem persönlichen Hintergrund als Chefärztin, Klinikleitung mit weiteren Aufgaben und Mutter mit Familienpflichten und Privatleben die Notwendigkeit der Prioritätensetzung und Festlegung der persönlichen Ziele. Es gab hier aber auch den deutlichen Appell an gut ausgebildete Kinderärztinnen, Verantwortung zu übernehmen und leitende Positionen zu besetzen.

In der Diskussion wurde deutlich, dass Teilzeitangebote an vielen Kliniken existieren oder geplant sind, weil die Kliniken letztlich auch rechtlich dazu verpflichtet sind. Es bestehen aber große Probleme, mit dem Klinikalltag kompatible Dienstplanmodelle zu erstellen, in denen Teilzeitstellen sinnvoll integriert werden; dies gilt besonders für Teilzeit-Ärztinnen und Ärzte mit unterschiedlich großen Stellenanteilen. Ebenso wurde die Qualität der Weiterbildung diskutiert, wenn der Auszubildende in Teilzeit viele reguläre Besprechungen und Fortbildungstermine versäumt. Verlässlichere Arbeitszeiten könnten dazu führen, dass mehr Eltern auf Vollzeitstellen bleiben, dies ist aber letztlich auch ein gesellschaftliches Problem (Stichwort Struktur und Qualität der Kinderbetreuung).

Fazit des Workshops diesbezüglich:

  • Teilzeitstellen als Chance begreifen („mehr Köpfe schaden nicht“).
  • Individuelle Teilzeit-Lösungen sind meistens gut, hierfür ist aber eine offene Kommunikation notwendig, auch mit den Ärztinnen und Ärzten in Vollzeit. Nur so kann Funktionalität und Zufriedenheit auf allen Seiten erreicht werden.
  • Notwendig ist auch eine offene Kommunikation mit Patienten/Eltern, um Unzufriedenheit vorzubeugen.
  • Ausbau eines an Arbeitszeiten angepassten Kinderbetreuungsangebots ist unbedingt wichtig, nicht nur für Kindergartenkinder, es gibt auch Betreuungsbedarf für Schulkinder.
  • Zusammentragen verschiedener Dienstplanmodelle (Ganztag und Freizeit im wochenweisen Wechsel, Schichtsystem, Halbtags...) als Erfahrungsaustausch über den neuen Assistenten-Emailverteiler.

Der dritte Workshop beschäftigte sich mit Fachärzten, die in der stationären Versorgung verbleiben wollen. Zunehmend mehr Fachärztinnen und -ärzte möchten im Angestelltenverhältnis arbeiten (s. Umfrageergebnisse der Assistentenbefragung werden demnächst auf der Website der DGKJ veröffentlicht). Nach einer Umfrage bei den Landesärztekammern sind auch jetzt schon bundesweit ca. 40% der Fachärzte in Kliniken tätig. Dies stellt ein gewisses Problem für die Sicherstellung der pädiatrischen Zukunft dar, weil die für die Weiterbildung notwendigen Stellen mit Fachärzten belegt sind. Im Workshop wurde darüber diskutiert, dass Fachärzte ein wichtiges Kontinuum für die medizinische Qualität darstellen, viele Fachärzte wünschten sich diesbezüglich mehr Wertschätzung. Unter Wertschätzung wurde aber nicht die finanzielle Vergütung genannt, sondern Arbeitsbedingungen (älterer Facharzt mit gleicher Nachtdienstbelastung wie Berufseinsteiger) und auch das zu geringe Angebot an Ausbildungsstellen für eine Zusatzweiterbildung. Die Verknüpfung von MVZ und Kliniken stellt sicher ein gutes Arbeitsfeld für Fachärzte z.B. auch mit Teilzeitwunsch dar. Problematisch wurde aber das sukzessive Aufkaufen von Kassenarztsitzen durch private Krankenhausbetreiber, die nicht die Sicherung der allgemeinpädiatrischen Versorgung als Ziel haben, gesehen. Viele Fachärzte wünschten sich einfachere und attraktivere Möglichkeiten für eine Niederlassung.

Als Fazit wurde in diesem Workshop formuliert:

  • Wertschätzung der fachärztlichen Arbeit.
  • Fachärzte als Mentoren mit Weiterbildungsaufgaben nutzen.
  • Mehr Weiterbildungsstellen für Zusatzbezeichnungen notwendig.
  • Mehr unbefristete Verträge für bessere persönliche Planbarkeit.
  • Im wissenschaftlichen Umfeld Forschungsquartale für Fachärzte einrichten.

Dr. Sarah Müller-Stöver (Hamburg) als Vertreterin der Assistenz- und Oberärzte im Vorstand der DGKJ machte deutlich, dass es auf der Ebene der Assistenten weder inhaltliche noch organisatorische Vernetzungen gibt. Ihr Vorschlag, einen Mailverteiler der Assistentensprecher einzurichten, um Informationen weiterzuleiten, aber z.B. auch Meinungsabfragen überhaupt durchführen zu können, wurde positiv angenommen. Daher sind alle Assistentensprecher (auch die, die nicht bei der Veranstaltung anwesenden waren!) aufgefordert, eine „zeitlose“ Email einzurichten, die in einen Mailverteiler aufgenommen wird. Die Email sollte an die Position des Assistentensprechers geknüpft sein (z.B. assistentensprecherkinderklinik@kinderkrankenhausxy.de) und über die Jahre auch an den nächsten Assistentensprecher weitergereicht werden. Diese Adressen sollen bitte an Assistentenvertreter(at)dgkj.de geschickt werden, dann wird der Verteiler erstellt. Im Weiteren wurde von den Anwesenden der Wunsch geäußert, regelmäßig ein kurzes Assistententreffen beim DGKJ Kongress einzuführen, außerdem ein jährliches Assistentenkolloquium durchzuführen. Langfristiges Ziel ist eine bessere Kommunikation und Organisation auf Assistentenebene, um dann auch besser Einfluss nehmen zu können.

Zusammenfassend betonte Prof. Wagner als Präsident der DGKJ die Bedeutung der Themen für die Zukunftssicherung der Pädiatrie und auch für die Vorstandsarbeit der DGKJ.

Insgesamt war es eine überaus lebendige Veranstaltung, an deren Rand sich auch viele interessante Gespräche und neue Kontakte ergaben. Eine Wiederholung im nächsten Jahr ist geplant

Dr. Sarah Müller-Stöver, Hamburg

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Referate und Workshop-Ergebnisse

I. Weiterbildung im Fach Kinder- und Jugendmedizin

                                  

II. Arbeitsbedingungen in der Pädiatrie         

 

III. Workshops (Ergebnisse)